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KURIER
Männer und ihr Sportgerät: Tobias Moretti und Gregor Bloéb nutzten das Erzbergrodeo zu Trainingszwecken. Für noch Härteres. - Foto: www.skarwan.com

Letztes Update am 10.06.2012, 17:52

Moretti & Bloéb: Zwei Brüder entdecken sich neu. Wer Erfolg hat, sucht Herausforderungen: Moretti und Bloéb üben für die härteste Rallye der Welt. Und werden dabei reifer.

Beide sehen fertig aus. An ihrem Gang erkennt man Schmerzen, in ihren Gesichtern Müdigkeit. Training und Rennen haben Spuren bei Gregor Bloéb und Tobias Moretti hinterlassen.

Die Brüder bestritten am Wochenende das "Erzbergrodeo" als zweite Station ihrer Vorbereitung auf das "Africa Eco Race". Dieses wird Ende des Jahres auf der Originalstrecke der Rallye Paris–Dakar gefahren und gilt als härtestes Rennen der Welt. Als Bloéb und Moretti Anfang Mai ankündigten, als "Kini KTM-Team" daran teilzunehmen, ergaben sich viele Fragen. Dem KURIER gaben die beiden auf dem Erzberg Antworten.

Moretti und Bloeb
Keine Konkurrenz: „Derzeit sind wir beide gleich schlecht“. - Foto: (c) Jürgen Skarwan

KURIER: Sie wollen mit 52 bzw. 44 Jahren eines der härtesten Motocross-Events bestreiten. Kann man von einer Midlife-Crisis reden?

Gregor Bloéb: Das ist Sport. Dafür muss man sich vorbereiten und hart trainieren.

Tobias Moretti: Das KTM-Team hat uns dazu eingeladen, als sie sahen, dass wir angasen und ganz gut fahren. Auch zu unserer Verwunderung. Aber wir leben hier nicht einen Wunsch nach Verlorenem. Dieser Sport setzt Reife voraus. Das braucht eine Kombination aus Erfahrung, Mut, Können, aber auch mentaler Überlegenheit. Es gab bei der Paris–Dakar noch keinen Sieger unter 30.

Es geht aber schon um die Faszination von Schmutz und Motorenlärm?

Moretti: Nein, sondern um die Faszination einer Challenge. Das Erzbergrodeo ist einfach ein Rennen, bei dem wir lernen. Wir machen täglich Grundlagentraining, fahren zwei bis drei Mal pro Woche Motocross, trainieren Kraft und die technischen Sachen.

Moretti und Bloeb
Mehr sein: Moretti und Bloéb werden durch den Sport „klarer“. - Foto: (c) Jürgen Skarwan

Reden wir also über Sport. Was ist schwieriger: Bremsen oder Gasgeben?

Bloéb: Die Bremspunkte zu erfassen. Gas geben kann jeder. Wir haben aber in vielen Bereichen etwas zu verbessern. Wir nehmen es ernst, haben dafür sämtliche Projekte abgesagt. Und es läuft gut.

Moretti: Wir lernen, Entscheidungen in Zehntelsekunden zu treffen. Gregor hat heute im Training einen Augenblick auf die Zeit geschaut und es hat ihn mit 70 km/h in die Steine gehaut. Wir arbeiten daran, mental dabei zu sein.

Moretti und Bloeb
Moretti: „Dieser Sport setzt Reife voraus“. - Foto: (c) Samo Vidic, Jürgen Skarwan

Wie unterscheiden sich die Fahrer Tobias und Gregor?

Moretti: Derzeit sind wir beide gleich schlecht.

Bloéb: Heute hat er mich zwei Mal verblasen. Aber es geht nicht um brüderlichen Konkurrenzkampf. Wir schauen, was gut gelingt, probieren derzeit aus, hanteln uns von einem Stein zum nächsten.

Moretti: Die Vokabel "besser und schlechter" existieren hier nicht. Das ist eine Begrifflichkeit, die es nicht gibt und nicht geben darf. Es geht um ein gemeinsames Ziel. Obwohl bei der Rallye dann jeder für sich allein ist. Den ganzen Tag, mit all seinen Entscheidungen, den richtigen und den falschen.

Bloéb: Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie es ist, in der Früh bei 4 Grad wegzufahren und mittags bei 50 Grad Reifen zu wechseln.

Moretti und Bloeb
Foto: (c) Jürgen Skarwan

Das martialische "Nur die Harten kommen durch", Lärm, Spritverbrauch: Darf man das in Zeiten der permanenten Political Correctness?

Moretti: Die Frage ist berechtigt, andererseits dürfte es dann das Prinzip des Sports gar nicht mehr geben. Es gibt immer Sieger und Verlierer, das ist auch unkorrekt. Aber sonst würde die Menschheit in ein fades, verblödetes Mittelmaß verfallen, im Nirvana der Unwichtigkeit versinken. In Medien und Politik wird eine Correctness transportiert, in der alle nur schauen, keine Fehler zu machen, und trotzdem sind alle verlogen dabei. Dieser Sport ist das genaue Gegenteil, nämlich etwas zu tun, auch wenn dabei Fehler passieren. So definieren wir uns, auch im Beruf.

Bloéb: Deshalb fühlen wir uns in diesem Team auch aufgehoben, weil hier keiner Entscheidungen wegschiebt, sondern sie trifft. Das Projekt würde nicht funktionieren, wenn du nur Quatscher hast.

Moretti: Das ist eine Menge an Erfahrungen, Gefühlen, Unannehmlichkeiten, Schmerzen. Man muss sich hier die Befindlichkeiten abschminken. Es ist das Gegenteil von unserem Beruf, in dem man mehr scheint, als man ist. Vielleicht sind wir nach dem Projekt reifer, vielleicht sind wir dann andere als jetzt.

Bloéb: Ich merke es schon jetzt. Wir sind klarer, direkter.

Moretti und Bloeb
Bloéb: „Gas geben kann jeder“ – bremsen nicht. - Foto: (c) Samo Vidic, Jürgen Skarwan

Dürfen sich zwei Familienväter der Gefahr einer solchen Rallye aussetzen?

Bloéb: Auch daran tasten wir uns gerade gemeinsam heran, die Familie, die Beteiligten, wir selbst. Das kann man nicht überlegen, man muss es begreifen. Ich bin noch nicht bereit für dieses Gespräch.

Moretti: Es ist keine leichte Ent-scheidung, für keinen, weder für die Familien noch für uns. Wir haben uns entschieden, trotzdem ist dieses Thema präsent und wird es auch bleiben.

(kurier/Axel N. Halbhuber) Erstellt am 10.06.2012, 17:15

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