Zur mobilen Ansicht wechseln »
KURIER

Letztes Update am 28.04.2012, 16:04

Modernes Märchen ohne Happy End. Ballroom-Geflüster von Dieter Chmelar

Wenn Dancing Stars tatsächlich von den Zuschauern wie ein "modernes Märchen" der Gebrüder Grimm empfunden wird, dann bleibt nach der siebenten Folge der siebenten Staffel nur eines:

Der Grimm. Sowohl bei den Fans als auch bei den Fernsehmachern. Denn:

Dass Dolly Buster drei Runden vor Schluss gehen musste, ist ungefähr so, als würde Aschenputtel bereits im dritten Absatz ihrer zehnseitigen Ge­schichte plötzlich für immer verschwinden.

Dollys Teilnahme nützte der Show enorm. Dollys Abgang schadet der Show noch viel, viel mehr. Die Fakten – also: zu wenige Punkte + zu wenige Anrufe = Ausscheiden – stellen dem ORF zwar ein untadeliges Zeugnis aus (bei uns wird halt nicht, wie angeblich bei Privatsendern dann und wann üblich, strategisch eingegriffen), aber es bleibt dennoch ein bitterer Beigeschmack. Ohne jede Unschuldsvermutung.

Das "Seidenzuckerl" der Bonbonnière, das man sich bis zuletzt aufbewahrt, wurde (fahr-)lässig einer Nebenfigur und Notbesetzung zum Fraß vorgeworfen: Nämlich dem patzigen Puszta-Würstl, wie man Balázs Ekker mittlerweile in vielen Foren adelt.

Er darf, seit Wochen – unbetreut? – als "Juror" seinen Senf abgeben, der nur nach Wut und Willkür riecht, statt nach Wissen oder gar Witz.

Alles hatte dieses Märchen also. Bis auf ein Happy End. Noch vor Mitternacht hatte Cinderella ihr Kleid zurückgebracht. Dann streifte sie ihre High Heels ab. Ein Bild mit Symbolkraft. Den Allermeisten hatte es längst die Schuach auszog’n: Wegen der unbegründbaren Tiefstnoten vom Scheitel-Punkt der ungarischen Tiefebene.

Ekker, dem mittlerweile seine eigene Tanzpartnerin des letzten Jahres, Astrid Wirtenberger, via Krone ihr Entsetzen ausrichtet, ist in dem Kasperltheater nicht einmal das Krokodil, nur der Maulaufreißer ... Man sollte bitte nicht so weit gehen, ihn als Geschwür der Show zu bezeichnen! Denn: Ein Geschwür kann auch gutartig sein. Ekker freilich ist weder gut noch böse. Nur jenseits von Gut und Böse. Kein Krokodil. Nur ein Kroko-Dillo.

dieter.chmelar(at)kurier.at

(kurier) Erstellt am 28.04.2012, 15:58

Diskussion

Kommentare aktualisieren