Letztes Update am 29.04.2012, 11:33
Kleine Stars: Karriere, Kind & Kamera .
Kinder an die Fernsehmacht: In Deutschland gibt es ab Mai ein eigenes "DSDS" für Kids. Und in den USA wird eine Siebenjährige als neuer Show-Star gehypt. Kann das gut gehen?
Als Eden Wood 14 Monate alt war, hätte sie in einer Sandkiste sitzen und spielen sollen. Doch ihre Mutter Mickey hatte andere Pläne. Pläne, von denen Psychologen sagen würden, es seien Mickeys eigene Träume gewesen, die sie selbst nicht verwirklichen konnte.
Denn Mickey Wood ist eine ganz normale Frau, mit einem Allerweltsgesicht und einem Leben, das aus Alltag besteht. Doch Eden, das Baby, das Mickey am 18. Februar 2005 zur Welt bringt, ist anders. Blaue Augen, rosa Lippen, blondes Haar, sie ist Barbie in Kleinformat, die die Mutter ab da von Schönheitsbewerb zu Schönheitsbewerb zerrt. Mickey gibt die Richtung vor: „Wir sind hier, um die anderen in den Arsch zu treten.“ Während Eden brav ergänzt: „Ich werde gewinnen.“
So war es auch, wie ein Kinderzimmer voller Krönchen, Pokale, Trophäen und Schärpen beweist. Doch mittlerweile ist Eden sieben und längst zu Höherem berufen. „Ich möchte mich nun um meine Karriere als Sängerin und Entertainerin kümmern.“ Erst kürzlich stand Wood, die Entertainerin, mit Moderatorin Kelly Osbourne bei den Logo „NewNowNext“-Awards auf der Bühne.
Das ist jener Sender, der auch die erste eigene Show der Neo-Moderatorin Wood, „Edens World“ ausstrahlt. Seit Mitte April berät der Mini-Coach andere Kinder bei der Karriereplanung, wie das ein alter Showhase eben tut. „Es gibt Kinder, die das wirklich wollen“, erklärt die Wiener Psychologin Elfriede Wegricht. „Der Erfolg steigert ihr Selbstbewusstsein. Doch wenn er wegfällt, gibt es ein Problem. Woher kommt das Selbstbewusstsein dann?“
Im Bild: Wood mit Promi-Blogger Perez Hilton.
Ein Frage, die alle Eltern beschäftigen sollte, deren Kinder bald bei „Deutschland sucht den Superstar – Kids“ im Rampenlicht stehen. Am 5. Mai geht das neue Format auf Sendung und kann sich über großen Zuspruch freuen. Es liegen Bewerbungen von 38.500 Kindern vor – mehr als bei der neunten Staffel des Originals. „Die Jury wird den Kleinen ein kindgerechtes und empathisches Feedback geben. Doch nur die Zuschauer entscheiden mit ihren Telefonanrufen, welche ihrer Lieblinge noch einmal in der großen Final-Show antreten werden“, heißt es auf der Homepage von RTL. Und Zuschauer können erbarmungslos sein.
Ein liebevolles Umfeld ist laut Wegricht deshalb besonders wichtig, was ein Interview der deutschen Mezzosopranistin Sandra Schwarzhaupt bestätigt. Mit elf Jahren avancierte sie zum Star und wurde als Wunderkind gehandelt. Dass sie nach wie vor erfolgreich ist, führt sie nur auf einen Umstand zurück: „Mit einem Schutz-Team kann alles gut gehen, mit Menschen, die Mentoren und Beschützer zugleich sind.“ Bleibt das den Kindern verwehrt, ist der Weg in die Drogenhölle meist unabwendbar wie die Psychologin weiß: „Es muss etwas übrig bleiben, wenn der Ruhm wegfällt. Diese Menschen müssen von Kind auf lernen, dankbar dafür zu sein, was sie sind: Nämlich sie selbst. Sonst können sie die Leere ohne Erfolg nicht ertragen.“
Beispiele dafür gibt es genug. Jonathan Brandis, der Bastian Bux aus „Unendliche Geschichte II“, trieb die Bedeutungslosigkeit 2003 in den Selbstmord.
Macaulay Culkin aus „Kevin – Allein zu Haus“, landete mehrmals in der Entzugsklinik, und ...
... Haley Joel Osment aus „Sixth Sense“ überschlug sich unter Alkoholeinfluss mit ihrem Wagen.
Nicht zu vergessen River Phoenix, der mit zwölf seine Filmkarriere begann. Damals die große Hoffnung Hollywoods, brach er 1993 mit 23 leblos vor Johnny Depps Club „Viper Room“ in Los Angeles zusammen. Die Todesursache laut Pathologen: ein Killercocktail aus Heroin und Kokain.
Greyson Chance, 15, wurde mit zwölf entdeckt.
Zuerst als Sänger auf You- Tube, dann in Ellen DeGeneres’ Show.
Mackenzie Foy, 11, stand mit vier Jahren als Model vor der Kamera.
Im 4. Teil von „Twilight“, ist sie 2012 als Bellas und Edwards Kind zu sehen
Jackie Evancho, 12, startete bei ...
... „America’s Got Talent“ als Nachwuchs-Mezzosopranistin durch.
Ihr drittes Album „Dream With Me“ erreichte Platz zwei in den US-Billboard-Charts
Emma Schweiger, 9, gab ihr Debüt im Alter von fünf Jahren in Papa Tils Film „Keinohrhasen“.
Mittlerweile hat sie schon fünf Filme gedreht. Zuletzt war die kleine in "Kokowääh" zu sehen.
Interview mit Elfriede Wegricht Pädagogin und Psychologin: „Es gibt Naturtalente.“
freizeit: Frau Dr. Wegricht, Sie haben in Ihrer Praxis mit begabten Kindern zu tun. Wie beurteilen Sie das Phänomen Kinderstar? Elfriede Wegricht: Ich hatte erst gestern einen siebenjährigen Buben bei mir, der im Sprachbereich überdurchschnittlich begabt ist. Er betätigt sich jetzt schon von selbst als Theaterregisseur, seine Freunde müssen dabei Rollen übernehmen und sind nicht immer begeistert davon. Naturtalente gibt es. Ist es also völlig unbedenklich, Kinder ins Rampenlicht zu stellen? Nein, weil diese Kinder meist so aufwachsen, dass sie sich nur über den Erfolg definieren. Die Eltern sind oft beseelt davon. Wenn er wegfällt, bleibt meist nicht viel über. Für diese Menschen ist es unerträglich, nicht angehimmelt zu werden. Oft sind Drogen dann der einzige Ausweg. Wie kann man dem entgegenwirken? Diese Kinder brauchen einen Begleiter, der ihnen zeigt, was Persönlichkeit ausmacht. Der Erfolg ist …
(kurier)
Erstellt am 29.04.2012, 11:00