Rassismus in Hollywood

Die Hautfarbe spielt in der Fabrik der Träume immer noch eine Rolle. Eine zu große, so Samuel L. Jackson

Hollywood-Schauspieler Samuel L. Jackson hat sich über den anhaltenden Rassismus in der Filmbranche beklagt. Die Hautfarbe spiele im Filmgeschäft immer noch eine zu bedeutende Rolle, beklagte der 64-Jährige in einem Interview der Zeitschrift "GQ". "Sie suchen täglich nach dem neuen Brad Pitt oder dem neuen George Clooney. Aber nicht nach dem neuen Jamie Foxx", sagte Jackson mit Blick auf seinen Filmpartner im neuen Quentin-Tarantino-Film "Django Unchained". Hollywood versuche immer noch, bei der Rollenbesetzung Schwarze gegeneinander auszuspielen, sagte Jackson dem Magazin. Es gebe eine "schwarze Liste", auf der Denzel Washington ganz oben stehe. "Ich übernahm früher oft Rollen, die für Denzel geschrieben waren und die er aus Zeitgründen nicht annehmen konnte." Ein dunkelhäutiger Schauspieler müsse für den Erfolg in Hollywood einiges aushalten können, etwa, dass sein Charakter "auf Seite 30 des Skripts erschossen wird. Oder schon auf Seite 15". Einige seiner Kollegen seien über diesen Zustand mit der Zeit verbittert gewesen: "Ich nicht." Er ist also doch in Hollywood daheim, der Rassismus. Dabei schien die - wohlgemerkt hinter den Kulissen geführte - Schlacht gegen diese gesellschaftliche Missbildung spätestens am 24. März 2002 beendet worden zu sein. An diesem Datum gewannen Halle Berry und Denzel Washington jeweils einen Oscar. Es war das erste Mal in der Geschichte der Oscars, dass schwarze Schauspieler in beiden Hauptkategorien die Preise abräumten. Zudem erhielt Sidney Poitier, der 1964 als erster dunkelhäutiger Schauspieler die begehrte, 34,4 Zentimeter große Statue gewonnen hatte, an demselben Abend den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Die afroamerikanische Bürgerrechtsorganisation NAACP äußerte in einer begleitenden Erklärung die Hoffnung, dass in Hollywood damit endlich eine Zeitwende für afroamerikanische Künstler anbrechen könnte. Den Anschein, dass sich die Lage für die Afroamerikaner in der kalifornischen Filmwiege zum besseren gewendet hat, erweckten die darauf folgenden Jahre in der Tat. Farbige Darsteller wie Jamie Foxx, Forest Whitaker (Bild), Morgan Freeman, Jennifer Hudson und Mo'nique verließen die glamourösen Verleihungsgalas mit Goldmännchen unter dem Arm. Dennoch meldeten sich immer mehr Schwarze zu Wort und beklagten die Zustände. "Hollywood ist wie der Rest Amerikas. Nur dass dort die Gier glücklicherweise noch mehr Macht hat als der Rassismus. Die einzige Farbe, die in Hollywood wirklich zählt, ist das Grün der Dollarscheine. Solange sie mit dir Geld verdienen, ist sogar deine Hautfarbe egal", verriet Will Smith noch in dem besagten "Wende-Jahr" 2002 dem "Spiegel". Der These der "Sunday Times", Smiths Karriere beruhe darauf, dass er es geschafft habe, sein Publikum farbenblind zu machen, kann er nur bedingt zustimmen. "Das funktioniert aber nur bis zu dem Punkt, an dem ein schwarzer Mann wie ich auf der Leinwand eine weiße Frau küsst - das kuriert jedes weiße Publikum sofort von seiner Farbenblindheit", meint der Schauspieler. Ein paar Jahre später legte der überaus erfolgreiche Scientologe nach, in dem er behauptete, Rassismus werde es seiner Meinung nach in Hollywood immer geben. "Ich weiß, dass Studiobosse in der Regel Weiße sind. Also werden sie Filme über Menschen produzieren, mit denen sie sich identifizieren können. Die kennen solche Menschen wie mich nicht", sagt Smith, der mit diesem Problem inzwischen bestens umzugehen weiß. Die wichtigsten Entscheidungen in Hollywood werden von einer kleinen Gruppe getroffen, die vorwiegend aus weißen Männern besteht. Diese beschäftigten weiße Männer als Produzenten, Regisseure und Drehbuchautoren und genehmigen mehrheitlich Filme mit weißen Charakteren in den Hauptrollen. Filme mit überwiegend schwarzer Besetzung werden von den großen Studios vernachlässigt. Sie werden von kleinen Produktionsfirmen gemacht, die mit einem kleinen Werbebudget auskommen müssen und dementsprechend wenig Beachtung finden. Eine Ausnahme war "Precious" (Bild), ein Drama, das 2010 sechs Oscar-Nominierungen verzeichnen konnte. Die jüngere Garde hat die Leiden ihrer Vorgänger anscheinend geerbt. So äußerte unlängst Zoë Saldaña ihren Unmut über die vorherrschende rassistische Atmosphäre in Hollywood. "Natürlich gibt es Rassismus und Diskriminierung in Hollywood. Du sprichst für eine Rolle vor und sie sagen: "Oh, wir fanden Sie wirklich gut, Sie sind großartig, aber wir wollten lieber etwas Traditionelleres'", sagte die dunkelhäutige "Avatar"-Darstellerin in einem Interview. Derartigen Vorurteilen begegnet die 34-Jährige unterschiedlich: "Meist sage ich: 'Ich bin nicht dafür gemacht mit jemanden wie dir zu arbeiten!’ Aber manchmal sage ich lieber: 'Du bist ein Ignorant und Rassist. Ich gehe jetzt!'" Solche Reaktionen in den entscheidenden Momenten der Jobvergabe kann sie sich heute leisten. Immerhin genießt die Schauspielerin mit dominikanischen Wurzeln den Star-Status. Für einen "andersfarbigen" Schauspieler, von dem die breite Masse noch keine Notiz genommen hat, würde ein anti-rassistischer Rundumschlag vermutlich das Karriereende bedeuten. Nun nochmals zum 24. März 2002 zurück und der Frage, was dieser historische Abend der schwarzen Community eigentlich gebracht hat. Im Grunde wenig. "Es ist wichtig zu verstehen, dass ein einmaliger, ein symbolischer Erfolg nicht gleichbedeutend ist mit strukturellem Wandel", warnte Professorin Dionne Bennett, eine US-amerikanische Expertin für Rassen- und Geschlechterfragen. "Manche dieser großen Erfolge, wie die Wahl eines schwarzen Präsidenten oder Oscars für Afro-Amerikaner, dienen dazu, Rassismus zu verstecken", sagte Bennett vor etwa zehn Jahren. Seitdem hat sich nicht viel verändert.

Auch wenn Hollywood heutzutage das Image einer liberalen Institution genießt, herrscht hier noch immer Rassismus vor, so Promis wie Samuel L. Jackson oder Will Smith.

(KURIER) Erstellt am

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