Er kriegt immer die Kurve

Mick Jagger geht mit fast 70 auf "Rockstar"-Tour. Einblicke in ein turbulentes Leben.

Ob er sein verrücktes Drogen- und Liebesleben in den 60er und 70ern im Nachhinein doch nicht so gut fand? Jedenfalls hütet sich Mick Jagger davor, eine Biografie zu schreiben. Er will nicht auf sein Leben zurückblicken. "Wenn man Bücher schreibt, dann muss man sein ganzes Leben noch einmal durchmachen und all dieses Zeug wieder ausgraben. Das stelle ich mir langweilig vor. Wenn Leute in ein bestimmtes Alter kommen, dann leben sie nur noch in der Vergangenheit.", so Jagger. "Auf die eigene Vergangenheit zurückzuschauen, ist schlecht für die Psyche" erklärte er. Jagger ist für seine wilden Jahre mit den "Rolling Stones" und seine Frauengeschichten ebenso bekannt wie für seine Liebe zum Luxus. Im vergangenen Jahr haben sowohl sein Stones-Kollege Keith Richards als auch seine Ex-Frau Jerry Hall ihre Biografien veröffentlicht, in denen der Brite gar nicht gut wegkommt. Rechtzeitig zum 50-Jahr-Jubiläum der Rolling Stones haben Keith und Mick aber wieder zueinander gefunden. In London haben sie schon zu horrenden Kartenpreisen aufgegeigt, in den USA werden sie in den nächsten Tagen drei Konzerte geben. Im vergangenen Jahr hätten Keith und er wieder viel miteinander geredet, was für ihn "unglaublich wichtig" gewesen sei. Richards Darstellungen über Mick waren in der Biografie "Life" sehr "brutal" ausgefallen. Keith hatte unter anderem geschrieben, dass er Jagger seit dem Beginn der 1980er Jahre "unerträglich" gefunden habe und er untenrum nicht besonders gut bestückt sei. Jagger scheint zu wissen, dass er nicht immer gut mit seinen Freunden umgegangen ist. Er ließ keine der vielen gemeinen Passagen streichen. Seltsamerweise sei das einzige, was er habe streichen wollen, eine Stelle über seine Stimm-Schulungen gewesen. Im Ganzen habe ihm die Lektüre vielleicht ganz gut getan, meint Richards. "Ich glaube, es hat seine Augen geöffnet." Heute übt sich der einst feierwütige Rock-Star als Rosenzüchter, Hobbyimker, Cricketfan und Schlossbesitzer. Freunde rühmen die große Belesenheit des einstigen Bürgerschrecks, der sich auf dem Höhepunkt von Drogen- und Partyexzessen der Stones "Seine Majestät" nennen ließ. Auch seine Frauen bekamen den Narzissmus und die "Unersättlichkeit" von Mick zu spüren. Seine erste große Liebe war Marianne Faithfull in den 60er Jahren. Drogenexzesse beherrschten ihren Alltag. Doch immer wieder kriegte er die Kurve. "Vielleicht nützte es mir auch, dass ich ziemlich bodenständig erzogen wurde. Eine einengende Familie kann durchaus helfen, später zu spüren, wo genau die Grenze liegt", erzählte er einmal der Vogue. Faithfull  habe jedenfalls rund 30 Jahre gebraucht, um Womanizer Jagger zu vergessen. "Erst seit zehn Jahren tut es mir nicht mehr weh, wenn ich an Mick denke", so Faithfull. Dann kam die schöne Bianca Jagger, 1971 wurde geheiratet. Mick  betrog sie ständig mit anderen Frauen ... ... wie wir von Uschi Obermaier wissen. Model Jerry Hall wurde Micks zweite Frau - 1999, nach neun Jahren Ehe, ließ sich die heute 55-Jährige von Jagger scheiden, weil eine seiner Geliebten ein Kind von ihm erwartete. "Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", schreibt sie in ihrer Biografie. Sie liebe ihn aber noch immer, so Hall. "Wir sind beide stolz darauf, dass wir es geschafft haben, uns in Freundschaft zu trennen." Jagger sei ein toller Vater und herausragender Künstler. Sieben Kinder hat Mick gezeugt, gleich drei davon arbeiten als Models - Jade Jagger, die dieses Jahr Hochzeit feierte, ... ... und die Töchter von Hall, Elizabeth und ... ... Georgia May Jagger. Der heute 69-Jährige lebt schon seit 2001 mit der Stylistin und Designerin L’Wren Scott zusammen. Keine hat es länger mit ihm ausgehalten, bei keiner war er so handzahm wie bei Scott. Sie soll ihn wie niemand anderer auf den Boden der Tatsachen zurückbringen, ihn unter Kontrolle haben. Er selbst hat vor allem seine Finanzen unter Kontrolle. Jagger managt die Geschäfte der "Rolling Stones", die Mitglieder der Band haben längst mehrstellige Millionenbeträge verdient, Mick versucht das liebe Geld nach Kräften zu mehren. Der Rockstar ist eben auch ein verkannter Finanzmeister: Fast wäre nämlich aus Michael Phillip Jagger, dem in Dartford (Grafschaft Kent) unweit von London geborenen Sohn eines Lehrers und einer aus Australien eingewanderten Kosmetik-Beraterin, ein echter Buchhalter geworden. Gut, dass er die Musik für sich entdeckte.
(KURIER, apa) Erstellt am

Posten

Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?