Letztes Update am 21.05.2012, 16:20
Gunter-Sachs-Auktion: Vermächtnis eines Playboys.
Anekdoten ranken sich um einige der 300 Kunst-Gegenstände,
die Dienstag und Mittwoch in London unter den Hammer kommen.
Sie – die oberen Zehntausend, der Jetset, – nannten ihn "Harley". Nach den legendären Motorrädern. Gunter Sachs (verstorben 2010) war immer schon ein Fan von heißen Eisen, vor allem, wenn eine weibliche Person auf dem Sozius saß.
Was der Playboy und Fotograf noch mehr sammelte als Frauen, war zeitgenössische Kunst. Sachs leistete in den 1960er-Jahren Pionierarbeit auf den Gebieten Pop-Art und Avantgarde.
Roy Lichtenstein gestaltete Gunters Badezimmer in St. Moritz. 1960 lernte er in St. Tropez einen gewissen Andy Warhol kennen – auch er wurde beauftragt, Sachs` Schweizer Wohnung zu designen. Warhol hatte damals schon Marilyn Monroe und Liz Taylor auf seine so berühmte Art verewigt.
In Europa war der Amerikaner noch gänzlich unbekannt. Gunter arrangierte daher 1972 in seiner Hamburger Galerie in der Milchstraße eine Ausstellung für das Pop-Art-Genie.
Doch keiner wollte bei der Vernissage etwas kaufen. So erstand der Milliardär die Hälfte der Werke selbst, was er Warhol lange verschwieg, und legte somit den Grundstock zu seiner bis dato einzigartigen Privat- Sammlung.
Glanzstück der Sotheby`s-Auktion in London ist wohl eine der acht "Brigitte Bardot`s" (die anderen bleiben in Familienbesitz). Die Vorlage zu Warhols Gemälde stammte aus dem Jahr 1959, als Richard Avedon die Bardot fotografierte.
Das Bild geht mit einem Schätzpreis von 3,7 bis 4,9 Millionen Euro ins Rennen. Avedons Original ist ebenfalls zu haben – um geschätzte 49.000 bis 74.000 Euro. Witziges Detail am Rande: Als Warhol das 1972 von Sachs beauftragte Bardot-Bild 1974 fertigstellte, waren die Aktrice und der Industriellenerbe seit fünf Jahren geschieden.
Bild: Dieser außergewöhnliche Stuhl traf wohl den Geschmack des Playboys.
Im Bild: Extravaganter Hutständer von Allen Jones.
Unter den 300 Nachlass-Teilen, sind auch Nachtkästchen, extravagante Sessel, Betten und Bilderrahmen (ab 60 Euro) zu ersteigern.
Im Bild: Der Tisch `Table` von dem britischen Künstler Allen Jones, der ebenfalls Teil der Sachs-Sammlung ist.
(kurier)
Erstellt am 21.05.2012, 16:17