Letztes Update am 22.12.2011, 10:08
Gemischtes Doppel: Lukas Plöchl & Opa.
Bei Mundart-Rapper Lukas Plöchl, 22, aus dem Mühlviertel, kommen selbst erfahrene Frauen ins Schwärmen. Sein Opa Fritz, 79, natürlich auch. Die Zielstrebigkeit seines Enkels bewundert er, nur mit den Liedern des Ex-Casting-Stars hat er so seine Probleme und fragt nach:
"Was bewegt dich, so eine Art von Musik zu machen?"
Herr Plöchl, Ihr Enkel feiert als Mundart-Rapper Erfolge. Offenbar hat er den Nerv der Zeit getroffen, wenn er vom "Gugarutz" singt und den Penis meint und die weiblichen Brüste als "de Depf" bezeichnet. Sie sind nicht seine Zielgruppe, aber wie gefallen Ihnen Musik und Text?
Fritz Plöchl: Ich schätze den Lukas sehr, auch wenn ich mit manchen musikalischen Erscheinungen meine Probleme habe. Ich höre mir immer an, was er macht, aber nur auf CD und nicht live. Das ist mir viel zu laut. Da ergeben sich dann schon Fragen wie: Warum machst du diese Art von Musik?
Lukas Plöchl: Ich mache sie, weil ich da am meisten fühle. Meine Musik ist wie ich – direkt. Sie ist nicht verschnörkelt gebaut wie eine mathematische Formel, sondern simpel von den Harmonien her. Die Leute brauchen nicht nachzudenken, was ich meine. Ich bringe die Dinge auf den Punkt.
Fritz Plöchl: Und was ist mit den Texten?
Lukas Plöchl: Es wird oft gesagt, dass meine Texte saudeppert sind. Aber saudeppert mit Witz, im …
Fritz Plöchl: Ich würde mir immer die Frage stellen, wie meine Musik beim Empfänger ankommt. Hört der überhaupt noch hin oder geht es ihm nur um den Rhythmus? Auffallen ist heute meiner Meinung das Wichtigste, leider. Ich würde es gut finden, wenn man das Ganze ein bisschen mehr ins Künstlerische drehen würde. Kunstwerke und Musik sollen Menschen weiterbringen. Auffallen alleine hat nur bedingt Sinn, wenn man in dieser Phase stecken bleibt. Darum glaube ich, dass du noch ganz andere Wege beschreiten wirst.
Lukas Plöchl: Ja Opa, aber ich falle nicht mit einer Masche auf, die ich nicht verkörpere. Ich habe geschaut, was noch nicht abgenudelt und trotzdem ein Teil von mir ist, so wie Partys, das Landleben und die Sau rauslassen. Auffallen gehört dazu. Beim „Helden-von-morgen-Casting“ sieht die Jury täglich 300 Gesichter. Die kann sich keiner merken. Du musst der sein, über den die Jury beim Abendessen redet, und mit dem auffallen, was deines ist. Schau beim Fenster raus! Da ist ein …
Weil du Partys erwähnt hast, Lukas. Du wirkst wie ein Partytiger. Bist du einer?
Lukas Plöchl: Was das betrifft, habe ich zwei Seiten. Schizophren ist das nicht, aber eine Vorstufe, die noch gesund ist. Es gibt Tage, da gehe ich aus und denke mir: Genau, das ist es. An anderen Tagen sage ich mir: So ein Schaß, schau, wie primitiv das ist.
Fritz Plöchl: So und jetzt musst du die Fragestellung, wie primitiv das ist, einfach weiterverfolgen. Dann kommt vielleicht eine neue Richtung heraus.
Lukas Plöchl: Bewusstes Primitivsein ist aber auch positiv. Es bringt dir Abstand zu Dingen, die dich im Alltag beschäftigen. Wenn man sich zu sehr mit etwas auseinandersetzt, kriegt man eine negative Subjektivität. Man verliert die Gabe, eine
Situation von außen zu beurteilen. Aber wenn man sagt: Ich scheiß heute auf alles und mache einen drauf, sieht die Welt nachher ganz anders aus.
Fritz Plöchl: Da habe ich eine andere Methode. Ich bin eher dafür, dass man von der externen Szenerie in die interne …
Lukas Plöchl: Das könnte ich mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen.
Fritz Plöchl: Ich war auch schon 60, als ich damit begonnen habe.
Lukas Plöchl: Da habe ich noch Zeit. Du bist früher auch ein Arbeitstier gewesen und warst sicher noch um einiges ärger als ich. Ich glaube, du hast aber die Vorstufe der Leistung gebraucht, um zu dem zu werden, was du heute bist – und zu erkennen, dass Leistung alleine nicht ausreicht, um Zufriedenheit und innere Ruhe zu finden.
Fritz Plöchl: Ja, das ist jetzt mein Thema. Früher hatte ich eine Druckerei, sechs Kinder und war Ehemann. Ich wusste, dass ich meine Familie ernähren muss auf Deutsch gesagt. Ich musste immer funktionieren und das hat mich wahnsinnig gestört. Als die Kinder erwachsen waren, wollte ich ein neues Leben führen. Mit 60 bin ich dann in Pension gegangen, habe mich von meiner Frau getrennt und bin aus der Kirche ausgetreten.
Lukas Plöchl: Der Opa ist auch zweiseitig, so wie ich. Nur hat er die Seiten nicht parallel, sondern …
Lukas ist erst 22, Herr Plöchl, und hat für sein Alter ungewöhnlich kluge Ansichten. Woher kommt das?
Fritz Plöchl: Von mir natürlich! Nein, im Ernst. Er hat mit fünf Jahren schon Weisheiten von sich gegeben, bei denen man sich gefragt hat, wie er darauf kommt. Er war schon als Kind die Idealvorstellung von Müttern, Vätern und Großeltern. Das war er in Reinkultur. Man musste ihn auch nie zu etwas motivieren oder drängen. Ich nehme an, dass seine chinesische Seite, also sein Vater, auch viel dazu beiträgt. Die Chinesen gelten als ausdauernder als wir. Wenn sie einmal
eine Vorstellung von etwas haben, machen sie das auch.
Lukas Plöchl: Ich bin auch sportlich ein Beißer. Aber es gibt schon Tage, wo ich mir sage: Scheiße, das geht sich heute nicht mehr aus. Wenn ich drei Tage nichts mache, werde ich ziemlich aggressiv. Der Körper muss das viele Testosteron dann zwanghaft abbauen. Und dann rennt man mit hängenden Schultern herum. Da hilft nur der Weg ins Fitnessstudio. Ich sag’s ja immer:…
Lukas war heuer mit Bundeskanzler Werner Faymann auf Staatsbesuch in China. Denken Sie sich in solchen Momente: Der Bua hat es geschafft?
Fritz Plöchl: Nein, weil ich denke mir, die meisten Politiker wollen ihn benutzen. Auf Politiker bin ich grundsätzlich allergisch.
Lukas Plöchl: Es ist wichtig, zu wissen, dass andere Menschen ihre Interessen über meine Person vertreten. Im gleichen Moment weiß ich aber zu schätzen, wenn der Bürgermeister zu meinem Empfang kommt. Das zeigt mir auch, dass ich mit meiner Musik akzeptiert werde. Er könnte ja auch sagen: Der singt über Kukuruz und meint eigentlich Schwanz. Wir müssen uns von ihm abgrenzen.
Fritz Plöchl: Das ist in Ordnung, wie du das siehst. Ich kann und will dir meine Sicht nicht aufdrängen. Die kann sich auch ändern. So lange wir leben, müssen wir unsere Meinungen hinterfragen und ändern. Der Opa-Weg ist nicht dein Weg. Du bist hier, um deinen eigenen Weg zu gehen, wie jeder Mensch.
Lukas, dein Weg ist nicht ganz ohne Hürden. Du warst Zweiter bei "Helden von morgen" und Zweiter bei der Ausscheidung für den österreichischen Song-Contest-Beitrag. Wie bist du
damit umgegangen?
Lukas Plöchl: Hier noch einmal für alle und für mein Ego. Ich war derjenige, der in den Charts mit seinem Album auf Platz eins war. Das ist das Einzige, was zählt, meine Damen und Herren! Ich bin draufgekommen, dass man nie das Ziel erreicht, auf das man fokussiert ist, man kommt aber in die Nähe. Ein Ziel sieht aus der Ferne betrachtet immer anders aus als aus der Nähe. Bei meinem Vater war das auch so. Er wollte Profi-Tischtennisspieler werden. Heute ist er Trainer des österreichischen Tischtennis-Damennationalteams. Auch nicht schlecht. Man schrammt immer knapp an dem vorbei, was man will. Ich glaube, man kriegt das, was für einen das Beste ist.
Info:
Am 24.2.2012 nehmen Lukas Plöchl und sein Partner Manuel Hoffelner im TV einen neuen Anlauf in Sachen Song Contest. Das dritte Album der "…
(kurier)
Erstellt am 22.12.2011, 09:45