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KURIER

Letztes Update am 07.05.2012, 14:57

Dancing Stars: Gerüchte & Gedichte. Ballroom-Geflüster von Dieter Chmelar

Was ist paradox? Wenn einem der Stoff ausgeht und man sich daraufhin den Mund fusselig redet. In der brennheißen Phase von Dancing Stars (Freitag wieder, 20.15, ORFeins) wird eiskalt gefaselt.

So kompromittiert man die zauberhafte Brigitte Kren schon seit Wochen mit der fieberfantasierten Unterstellung, sie "hätte was" mit Tanzpartner Willi Gabalier.

Natürlich "hat sie was" mit ihm: Jede Menge Spaß, innige Verbundenheit und traumwandlerische Harmonie auf dem Parkett. Das mediale Mobbing, ein Melodram à la Harold & Maude (USA, 1971) aus dem Dancefloor zu stampfen, ist despektierlich und distanzlos. Vor allem, weil sich dabei die (männliche) Stammtisch-Schwitzigkeit so erbärmlich Bahn bricht: Ältere Frau, jüngerer Mann, huch! Fehlen nur noch die ätzenden Ezzes von L & L (Lauda & Lugner), die miteinander ungefähr hundert Jahre "reifer" sind als ihre Partnerinnen.

Ein Dancing Stars-Dauerbrenner ist auch der alljährlich aufgewärmte Anwurf, irgendwer (diesmal trifft’s Marco Ventre) würde sein Fort- und Weiterkommen eh nur einem eigens engagierten Callcenter verdanken. Schiebung?

Selbst, wenn’s so wäre (was ich für abwegig halte, weil der Gesamtsieg die Halbwertszeit der jeweiligen Staffel kaum übertrifft): Es steht allen frei, sich offenbar nicht Verbotenes selbst zu erlauben.

Apropos: Am 20. April erlaubte sich Klaus Eberhartinger eine entbehrliche Hitler-Parodie, wofür er sich rasch entschuldigte. Doch: Wer hackt drauf herum? Just die Krone, in der zu "Führers Geburtstag" gern ganz grausliche Gedichte erschienen ... Nun musste wohl jemand die Lücke füllen, die dort seit Wolf Martins Tod klafft. Wie sonst wäre das "historische Datum" doch noch ins Blatt gekrochen? Ein Fressen für alte Aufpudler!

"Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen" (Danke, Helmut Qualtinger).

dieter.chmelar(at)kurier.at

(kurier) Erstellt am 26.04.2012, 16:55

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