Zur mobilen Ansicht wechseln »
Kurier Fotowettbewerb 2014

Letztes Update am 13.11.2012, 16:36

Moderne Schule statt Kindergefäng­nis. Die SPÖ hat den märchenhaften „Goldesel“ neu entdeckt: Er heißt Erbschaftssteuer und soll jetzt auch Goldstücke für die Bildung abwerfen.

Die noch gar nicht wieder eingeführte Erbschaftssteuer ist bereits drei Mal „verschachert“: Der SPÖ-Finanzstaatssekretär will damit die Lohnsteuer senken. Der ÖGB glaubt, damit die Pflegekosten in den Griff zu kriegen. Und Bundeskanzler Faymann will sie neuerdings für den Ausbau der Ganztagsschulen verwenden. Die erhofften Mittel dürften allerdings nicht einmal für eines der drei Vorhaben reichen. Natürlich sind mehr Ganztagsschulen mit einer Verschränkung von Unterrichts- und Freizeit nötig. Aber das setzt ein riesiges Schulneu- und -umbauprogramm voraus. In einer zeitgemäßen Ganztagsschule sitzen die Schüler ja nicht den ganzen Tag eingepfercht in demselben Klassenzimmer. Das wäre eine Art „Kindergefängnis“, jeder Stadt-Hund hätte mehr Auslauf. Es braucht Ess- und Aufenthaltsräume, Bewegungsmöglichkeiten im Freien, Musikzimmer und einen ernst zu nehmenden Arbeitsplatz für alle Pädagogen. Dann sind sowohl Unterstützung bei Hausaufgaben als auch Förderung sozial benachteiligter Kinder besser als bisher möglich. Die ÖVP zögerte lange (und wirkte wie so oft altmodisch), weil sie sich als Schutzherrin der Lehrerschaft, der Musikschulen, Sportvereine und jener Familien empfindet, die ihre Kinder selbst betreuen wollen. Der Lehrberuf lässt sich ja ähnlich wie die Richter-Arbeit gut mit einer Familie vereinbaren – weshalb beides zum „Frauenberuf“ wurde. Wenn Schüler aber ganztags betreut werden, wird auch die Nachfrage nach Jobs sinken, in denen man am Nachmittag daheim sein kann. Wobei der Kanzler seinen Parteifreund Michael Häupl längst zu einer Schulbau-Offensive auffordern hätte können – bei Pflichtschulen ist das nämlich Landessache. Und die Erbschaftssteuer? Mit der hat das genau nichts zu tun.

(KURIER) Erstellt am 13.11.2012, 16:36


Diskussion

Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!