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Letztes Update am 07.03.2013, 06:00

Tendenz zur Privatisierung. Vor allem Wiener Familien misstrauen dem öffentlichen Bildungswesen und zahlen bar für ihre Kinder.

Die Wiener SPÖ "schützt" uns vor Privatisierung, zumindest bei Wasser und öffentlichem Verkehr (aber nur wenn man die früheren Sale- und Lease-back-Geschäfte der Wiener Linien außer Acht lässt). Und wie schaut’s bei der Bildung aus? Trotz Gratis-Kindergarten und hoher öffentlicher Ausgaben für Bildung findet hier eine schleichende Privatisierung statt. Die besser verdienende städtische (vor allem Wiener) Mittel- und Oberschicht meldet sich aus dem öffentlichen Bildungswesen immer häufiger ab. Privatschulen können sich des Ansturms kaum erwehren. Von ihnen erwartet man sich mehr Leistung(-sdruck), bessere Ganztagsbetreuung und wohl auch einen niedrigeren Anteil von Kindern aus Problemfamilien.

Dieser Trend setzt sich nun im Uni-Bereich fort. Eine steigende Hörerzahl studiert an teuren Unis im Ausland – sei es für ein Semester oder für das Master-Studium. Eine gute Investition für den Lebenslauf und auch sonst: Denn dort ist das System zwar meist verschulter und die Studiengebühr horrend, dafür ist ein Abschluss deutlich schneller zu erwarten. Heimische Universitäten hingegen wehren sich gegen den Studentenansturm mit Schikanen und Hinausprüfen. In Österreich wird mit der Lebenszeit junger Leute oft recht fahrlässig umgegangen.


Auch in Sachen Weiterbildung greifen die Bürger nirgendwo in Europa so tief in die eigene Tasche wie in Österreich. Dadurch wächst die Kluft zwischen höchster und niedrigster Bildungsschicht – eine „Amerikanisierung“, die sich mit einer flächendeckenden Gesamtschule noch verstärken dürfte. Denn überall dort, wo es sie schon gibt, ist der Privatschulsektor größer als in Österreich. Wer hebt eigentlich die Qualität im öffentlichen Bildungsbereich, um uns vor hohen privaten Bildungsausgaben zu schützen?

(kurier) Erstellt am 07.03.2013, 06:00

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