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KURIER Romy 2014

Letztes Update am 07.11.2012, 19:11

Der Redner Obama muss jetzt handeln . Obama hat den amerikanischen Traum neu definiert. Für die Umsetzung wird er die Republikaner brauchen.

Omy God, was ist dieser Obama für ein Redner. Diese Mischung aus scharfer Intelligenz und feinem Gespür für Stimmungen ist einzigartig. Also trat der wiedergewählte US-Präsident nicht triumphierend vor seine Anhänger in Chicago, sondern mit ernstem Blick, einem politischen Programm und einer gesellschaftlichen Vision. Aber gerade bei einem so verführenden Rhetoriker wie Obama ist zu hinterfragen, was ist Show – und was kann er wirklich umsetzen?

Obama glaubt an den „American Dream.“ Er glaubt daran, dass „ die Tochter eines Einwanderers hier studieren und auf die amerikanische Flagge schwören kann, dass der Bub aus einem Armenviertel in Chicago ein Leben jenseits der nächsten Straßenecke sieht, dass ein Arbeiterkind aus North Carolina Arzt oder Wissenschaftler werden kann, oder Diplomat oder sogar Präsident.“ Aber der „American Dream“ ist für Obama nicht die individuelle Leistung des Einzelnen, Obama glaubt, dass die Stärke der USA darin liegt, die Nation mit der größten Vielfalt zu sein. Die USA funktionieren nur, wenn „wir wissen, was uns zusammenhält und jeder Verpflichtungen für den anderen übernimmt.“


Das ist ein solidarisches Gesellschaftskonzept, das sehr europäisch klingt. Wobei es auch das Ergebnis des demografischen Wandels der USA ist. Die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe sind die Latinos, die sich eher in den Städten der Küstenregionen ansiedeln. Den vergleichsweise schrumpfenden weißen Mittelstand hat er mit seinen Ängsten alleine gelassen.

Neues China – altes Europa

In der globalen Konkurrenz müssen sich die USA zunehmend mit China messen, wo gerade der Machtwechsel in der kommunistischen Partei zeigt, wie sich
dieses Land verändert hat. Die fünfte Generation nach Mao Ze Dong besteht aus reich gewordenen Pragmatikern der Macht. Sie haben den Wahlspruch von Deng Hsiao Ping „Bereichert euch“ allzu wörtlich genommen. Der Weg Chinas an die Spitze der Weltwirtschaft ist nicht aufzuhalten. Umso mehr kann Obama aufzeigen, dass ein Land, das auf die Werte Freiheit und Solidarität aufgebaut ist, für die besten Köpfe der Welt attraktiver ist.

Aber was halten wir Europäer gegen Chinas Masse und Macht auf der einen und den neuen amerikanischen Traum auf der anderen Seite? Wir diskutieren, ob es nicht jedes Land alleine besser schaffen würde, ob man nicht noch mehr Industrie in billigere Staaten verlagern könnte, ob man nicht ein paar Ausländer wieder nach Hause schicken könnte.

Wie gesagt, bei einem rhetorischen Zauberer wie Barack Obama muss man sehr genau hinhören, ob seine geschickten Formulierungen in der Realität des täglichen Lebens durchführbar sind. Aber wenn wir nur ein bisschen von seinem spirit in unsere „Das haben wir schon immer so gemacht“-Funktionärsdemokratie brächten, könnte mancher Traum Realität werden.

(KURIER) Erstellt am 07.11.2012, 19:11

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