Zur mobilen Ansicht wechseln »
KURIER
Foto: Franz Gruber

Letztes Update am 13.08.2012, 07:47

Schlusspfiff. Es ist billig, das ÖOC als Sündenbock zu sehen. Die Wurzeln der ersten Null­nummer seit 48 Jahren liegen woanders.

Die Bilanz sei dramatisch, sagt Karl Stoss, der Präsident des ÖOC. Von den fünf Millionen Euro an Fördergeldern in den vergangenen 18 Monaten seien nur 850.000 an olympische Athleten gegangen. Also 17 Prozent. Für die Förderung sei das Sport­ministerium zuständig.

Das ÖOC habe die Mannschaft nur ein paar Wochen lang unter seinen Fittichen gehabt, könne nur die Rahmenbedingungen schaffen. Und das hätten Stoss und sein Team professionell getan. Dafür wurde eine Million Euro ausgegeben – ein Drittel weniger als in Peking.

Tatsächlich ist es zu billig, das ÖOC als Sündenbock zu sehen. Die Wurzeln der ersten olympischen Null­nummer seit 48 Jahren liegen im Schulwesen, in der Sport- und Gesundheits­politik, in der schlechten und unprofessionellen Arbeit der Fachverbände.

Von den siebzig Athleten, die in London am Start waren, haben viele ihre bestmögliche Leistung abgerufen oder sogar übertroffen. Dass dies nicht für eine Medaille reicht, dass sie aber trotzdem die Besten ihres Landes in der jeweiligen Disziplin sind, kann nicht ihre Schuld sein.

Laut Stoss ist das Österreich-Haus ein voller Erfolg gewesen. 36.000 Gäste, 18.000 Liter Bier, 2000 Schnitzel usw. usf.

Österreich-Werbung pur also.

Wie sehr dieser Erfolg durch österreichische Medaillen gesteigert worden wäre, bleibt allerdings offen. Denn als Aushängeschilder mussten hauptsächlich Wintersportler herhalten.

Auch Doppel-Olympiasieger Peter Seisenbacher (1984, 1988) war einmal im Austria Haus Tirol. Der Cheftrainer der georgischen Judo-Mannschaft ist der einzige Österreicher, der sich in London über eine Medaille freuen durfte: Sein jüngster Schützling holte Gold.

Die Winter- und Fußball-Lastigkeit des österreichischen Sports ist tatsächlich ein Faktor: Wenn es bei den Winterspielen in Sotschi in eineinhalb Jahren Medaillen schneien sollte, besteht die Gefahr, dass die alten Sport-Strukturen erhalten bleiben. Und sollte dann noch ein Fußball-Klub zufällig eine Hürde wie Düdelingen überspringen, ist die Welt eh wieder in Ordnung.

Wolfgang Konrad, einst Weltklasseläufer und seit 25 Jahren Organisator des Wien-Marathons, also der größten österreichischen Sportveranstaltung, hat ein paar Gedanken zum österreichischen Sport geschickt. Ich überlasse ihm sehr gern den Schlusspfiff der fantastischen Sommerspiele von London, in denen Österreich sportlich leider nicht die geringste Rolle spielte:

"Macht es so wie die österreichischen Fußballer! Kassiert alle Fördergelder, die zu bekommen sind, und qualifiziert euch für nichts. Weder für Europameisterschaften, noch für Weltmeisterschaften, und schon gar nicht für Olympia. Somit seid ihr keiner Kritik von erfolgshungrigen Ministern ausgesetzt und werdet nicht als Touristen bezeichnet, die nur Party machen wollen."

juergen.preusser@kurier.at

(kurier) Erstellt am 12.08.2012, 18:23

Stichworte:


Diskussion

Kommentare aktualisieren