"Brauche alle Kraft für die Proben"

Claus Peymann erklärt, warum er bis zur Uraufführung des Handke-Stücks keine Interviews gibt.

Die Peymannschaft ist wieder am Werk im Burgtheater: Am  27. Februar wird Peter Handkes Stück „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ in der Regie von Claus Peymann uraufgeführt, das Bühnenbild stammt – wie kann es anders sein – von Karl-Ernst Herrmann. Und Martin Schwab, der 1986 mit Peymann an die Burg gekommen war, spielt eine der Hauptrollen. Das mediale Interesse ist hoch, doch Peymann verweigert sich: In einer langen Presseaussendung erklärte er, warum er keine Interviews gibt. Der KURIER hat sich die Freiheit genommen, aus dem Material ein Interview zu machen.

KURIER: Herr Peymann, Sie inszenieren wieder am Burgtheater. Ein Comeback?
Claus Peymann: Kein Comeback!

Warum so harsch? Ist es nicht schön, wieder hier zu sein?
Es macht mich glücklich, dass das Burgtheater – insbesondere natürlich seine Direktorin Karin Bergmann und die großartige Technik der Burg! – mir das ermöglichen.

1986, als Sie die Burg übernahmen, brachten Sie Bergmann als Pressesprecherin mit. Und mit Ihnen kam auch Handke.
Nach „Das Spiel vom Fragen“, „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“, „Zurüstungen für die Unsterblichkeit“ und „Die Fahrt im Einbaum“ ist es meine fünfte Uraufführung eines Handke-Stückes an der Burg.

Haben Sie noch weitere Projekte – etwa am Berliner Ensemble, das Sie seit 1999 leiten?
All meine Aufmerksamkeit und alle Kraft brauche ich nun für die Proben und die faszinierende Arbeit an Peter Handkes neuem großen Drama.

Sie sind ja nicht mehr der Allerjüngste: Am 7. Juli werden Sie 79 Jahre alt.
Natürlich freue ich mich darüber, dass es einen so gewaltigen Ansturm nahezu aller österreichischen Medien zu Peter Handkes Stück, zur Inszenierung und natürlich auch zu meiner vorübergehenden Rückkehr nach Wien gibt.

Aber?
Ich werde vor der Premiere von Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ keinerlei Interviews mehr machen, Gespräche führen oder Kommentare geben.

Sie machen doch sonst so gerne die Klappe auf!
Ich bin mir darüber im Klaren, dass Sie für meine Entscheidung kein Verständnis haben können. Meine Entscheidung betrifft „alle Medien“ in gleichem Maße, sodass niemand bevorzugt – oder auch benachteiligt wird.

Tatsächlich alle Medien?
Die Bühne als Informationsblatt für die Abonnenten bleibt die einzige Ausnahme. Gerne stehe ich Ihnen nach der Premiere – wenn Sie es dann noch wollen – auf allen journalistischen Feldern zur Verfügung.

Auch wenn es, was wir natürlich nicht hoffen, Verrisse hageln sollte?
Wenn Sie es dann noch wollen.

(KURIER) Erstellt am
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