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KURIER
Foto: Fotolia

24.

Februar

2013

Letztes Update am 24.02.2013, 14:31

Kalorien ne va plus. Zwei Jammer-Gestalten zwischen Sportgummi und Nougatknöderln.

Sie

Alle sprechen vom Nahrungsmittelskandal, ich bin mit einem verheiratet. Es ist nämlich so: Ich würde gerne ein wenig kaloriensparender leben – andere sollen Überstunden abbauen, bei mir wäre es das Bauchfett. Der Mann nebenan quittiert Projekt Anti-X-Large mit einem spitzen Wie’st meinst. Ich liebe dich so, wie du bist.

Mein Verdacht: Er liebt mich so, wie er isst. Nämlich viel, fett und zuckerhältig (ohne dass er nur ein Gramm zulegt). Und so lange er nach dem Slogan „Ich will so essen, wie ich bin“ (=dauerhungrig, Sportgummi-Junkie), in sich hineinschaufeln kann, wird er ein friedlicher Mitbürger in unserer ökologischen Nische bleiben. Also genießt er, und ich nehme zu (Verzeihen Sie, dass ich dies hier bereits einmal erwähnte, aber mich frisst halt der Neid).


Porsche & VW-Käfer

Manchmal packt mich das Grauen, ich frage mich: Hat das etwas mit unserem Altersunterschied zu tun? Er, Baujahr 1970, fühlt sich auf gewisse Weise immer noch unsterblich. Ich, Baujahr 1960, auch – aber mit Einschränkungen: Hexenschüsse, Knieprobleme, senile Bettflucht. Kurz: Er ist der fesche Porsche im besten Anbratalter, ich bin der tolle Käfer mit der rostigen Stoßstange.

Was mich an so manchem Morgen, an dem ich mit starrem Nacken erwache, tröstet, ist die Hoffnung auf Mimikry: Biologen bezeichnen so die Ähnlichkeit von Tieren einer bestimmten Art mit denen einer zweiten Art, sodass der Rest der Welt die beiden nicht mehr voneinander unterscheiden kann. In etwa so: Alte Hunde schauen irgendwann so aus wie ihre Besitzer – und umgekehrt. Alte Herren schauen eines Tages so aus wie ihre Frauen – und umgekehrt. So hoffe ich also, dass wir uns demnächst in der Mitte treffen. Er sieht fünf Jahre älter, ich fünf Jahre jünger aus.

Einziges Problem: Das Tier an meiner Seite hat kaum Haare. Aber das werden wir auch irgendwie hinkriegen.

Twitter: @GabrieleKuhn



Er

Und wer muss es büßen? Ich.

So lange meine Frau nur mit mir über zu viele Kilos spricht, ist es ein zartes Pflänzchen des Jammers. Sie raunzt ein wenig, macht ein Schnoferl, doch nach ein paar aufmunternden Worten meinerseits verziehen sich die dunklen Bauch-Wolken rasch wieder.

Aber wehe, es kommt zur berüchtigten Frauen-Runde. Halleluja, da wächst sich die weibliche Unzufriedenheit zu Mammutbäumen der Gefühle aus. Da wird ganz aufgeregt jedes Nougatknöderl und jeder Pfiff Bier auf die Waagschale des Grauens gelegt. Da wird eine Diät nach der anderen in ihre Mikrobestandteile der Sinnhaftigkeit zerlegt. Oh ja, da wird im Chor gesudert, dass man blad vom Zuhören wird.

Wohlgemerkt: Von Frauen, die nicht –wie man meinen möchte – von ihren Therapeuten zum abendlichen Tratsch herbeigerollt werden mussten. Sondern von solchen, die zwar jeden femininen Hungerhaken ablehnen, im Geheimen aber jedes Kilogramm Differenz zu eigenen Figur hassen wie ein versehentlich verschlucktes Stück Schokotorte.

Nicht der Jüngste

Und wer muss es büßen? Ich. Denn nach jeder dieser Sünden-Sitzungen faucht mich meine Frau an, dass ich leicht reden kann. Dann muss ich ihr wieder erklären, ...

... dass ich auch nicht mehr der Jüngste bin und, seit ich nicht mehr rauche, einige Kilos zugenommen habe,

... dass ich nach einem Trinkgelage, das erst um zwei Uhr Früh endet, mittlerweile auch drei Tage brauche, um geistig und optisch wieder repräsentativ zu wirken,

... dass ich mir nach einer zu ausgiebigen Mahlzeit zum Dessert gerne einmal ein krampflösendes Mittel gönne,

... und dass ich diese Frisur nicht habe, weil ich ein junger dynamischer Veränderer bin, sondern weil mich die Natur, diese Spaßbremse, dazu gezwungen hat.

Erst dann fühlt sie sich wieder sexy.

Twitter: @MHufnagl

(kurier) Erstellt am 24.02.2013, 14:31

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