Die Fotografie ist dank Handyfoto zur Ichtografie geworden

von Andreas Schwarz

über Selbstporträts und verbotene Stangen

Früher konnte nur der große oder ein kleiner Van Gogh ein Porträt seiner selbst erstellen; heute tut’s das Selfie: Ich und heiß-ist’s, ich und Tom Cruise (Achtung: bald in Wien), ich nach dem Friseur – die Fotografie ist dank Handyfoto zur Ichtografie geworden.

Kürzlich hat das Innenministerium in Moskau eine Broschüre herausgegeben, die vor den Gefahren des Selfietums warnt (im Ural haben sich zwei Männer in die Luft gesprengt, als sie mit einer Handgranate posierten, in Moskau erschoss sich ein Selfiest irrtümlich, als er sich mit Pistole am Kopf verewigen wollte). Und in Vergnügungsparks und Museen auf der ganzen Welt wird der Selfiestick zunehmend verbannt. Das ist jene Stange, die das Handy so weit weg hält, dass mehrere Ichs auf ein Bild können – zu groß das Risiko, dass man andere verletzt oder versehentlich Kunst zerstört, weil man grad nicht hinschaut.

Das ist ohnehin die größte Gefahr des Selfies: Dass man die Welt rundum nicht mehr wahrnimmt. Nicht nur im Moment des Selfie-Machens.

Kommentare