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30.

Juni

2016

Schuhe

Der Schuh hat einen schlechten Ruf. Wenn er sprichwörtlich drückt, steht er für Probleme. Wenn man erst hineinwachsen muss, dann fehlt einem noch einiges. Der "g’nagelte" Schuh sagt über seinen Besitzer viel, der ungeputzte auch. In Arabien ist ein Schuh, der auf wen geworfen wird, so etwas wie ein gestreckter Mittelfinger. Jetzt bedroht der Schuh sogar die Welt. Wie uns eine Ökologin diese Woche in Wien vorrechnete, werden weltweit 24,3 Milliarden Paar Schuhe erzeugt – im Jahr. Das sind 3,3&…

29.

Juni

2016

Gezeichnet

Anfang April in Rom. Aus einem Hauseingang in der  Nähe des Kapitols tritt plötzlich Terence Hill, mäßig gut getarnt mit einem Baseball-Kapperl. Man unterdrückt den Reflex, ihn als „Signore Girotti“ anzusprechen, um ein Autogramm zu bitten und ihm beste Grüße an Bud Spencer mitzugeben, und lächelt ihm nur zu. Er lächelt freundlich zurück und läuft direkt zwei deutschen Touristinnen mit entsicherten Selfie-Sticks in die Arme. David Bowie, Prince, Ali, Götz George, Manfred Deix, Bud …

28.

Juni

2016

Blitze

Aus der Abteilung unnötiges Wissen stammt folgende Zahl: 39.856. Das sind die Blitze, die kürzlich innert 24 Stunden über Österreich niedergegangen sind. Für Meteorologen und Versicherungen ist das freilich interessant. Und wer Blitz-Freak ist, kann auf der Homepage des Blitzortungssystems Aldis fast in Echtzeit schauen, wo’s grad blitzt (Radargeräte ausgenommen). Da wollen wir die Geschichte von einem Chefredakteur erzählen, der vor vielen Jahren während eines Gewitters den …

27.

Juni

2016

Mittreten

Das Lied von der Freiheit, die über den Wolken grenzenlos sei, stammt aus einer Zeit, als Fliegen a) noch sehr teuer und b) der Fluggast seiner Fluglinie ein teurer und werter war. Heute ist die Beinfreiheit im Flugzeug zunehmend begrenzt und das Service sowieso, weil gepfercht und gespart wird an allen Ecken und Enden. Zuvor darf sich der Flugteilnehmer mit defekten Check-in-Automaten und genervtem Personal herumschlagen und am Ende froh sein, wenn er mitgenommen wird. Geduldet, danke schön. …

26.

Juni

2016

Dreifaltigkeit

Nach der vermurksten Stichwahl für den neuen Bundespräsidenten drängt der alte auf einen Reinigungsprozess – schlimm genug, was jetzt schon passiert sei. Zu reinigen wäre eigentlich nur ein Fleck: Dass hierzulande halt gerne nach einem altösterreichischen Motto verfahren wird, das da heißt: Wer wird’s scho so genau nehman? und Des war scho imma a so. So war’s bei der Wahl, wo Kuverts halt früher geöffnet wurden (so genau nehman?) und Wahlzeugen trotzdem die Rechtmäßigkeit beurkundeten (imma …

25.

Juni

2016

Back

Rückwärtsgewandte Politik hat sich in der Geschichte stets als Sackgasse erwiesen. Weil „Zurück“ kein Konzept ist, sondern eine vage Zuflucht, ein Konstrukt aus Trotz, Nostalgie und der Hoffnung auf Geborgenheit in einem verklärten Gestern, das irgendwie neu austreiben und Verwelktes zum Blühen bringen soll. Genau dieses „Zurück“ funktioniert aber nicht, weil man mit Traditionalismus zwar die Zukunft auf Abstand halten, nicht aber die Zeit zurückdrehen kann. Genau dieses „Back“ – „Zurück“ – …

24.

Juni

2016

Gut frisiert

Mit einem Tag Abstand und aller gebotenen Nüchternheit: Unser Fußball-Team hat gegen hoch motivierte, geheim favorisierte, nordisch durchtrainierte, gut frisierte, beherzt agierende Männer, die zur Verwirrung des Gegners auch noch alle -son heißen … … 19 Minuten ein 0:0 gehalten. Nicht nur das: Es hat danach unter Aufbietung aller Kräfte (also der verfügbaren), ohne Schonung der urlaubsreifen Knochen, unter gnadenlosem Einsatz des Gehwerkzeugs Zahnfleisch, zeitweise sogar unter Verwendung der …

23.

Juni

2016

Designer-Kicker

Haben Sie’s gesehen? Herzerfrischend die Szene, wie Cristiano Ronaldo das Mikro eines Reporters in einen Teich wirft. Ansatzlos. Wortlos. Grußlos. Ganz großes Kino. Ein entschlossener Griff, ein lässiger Wurf. Kurioser Akt der Befreiung. Die kurzfristige Menschwerdung eines Fußball-Roboters. – So wie bei Ronaldos Selfie mit jenem Fan, der unerlaubt auf den Rasen vordrang und den Ronaldo vor zu frühen Zugriffen der Ordner bewahrte. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Beides ist natürlich …

22.

Juni

2016

Eh schon seit ewig

Die Verhandlung vor dem Verfassungsgerichtshof bringt ans Licht, dass Wahl-Auszählungen bei uns offenbar „eh schon seit ewig“ nach den drei Grundprinzipien der österreichischen Realverfasstheit abgelaufen sind: 1) Des hamma immer schon so gemacht; 2) Wer lasst fragen?; 3) Sitzt, passt, hat Luft. Das bedeutet, falls der VfGH die Wahl wiederholen lässt, könnte er eigentlich auch rückwirkend alle eh schon seit ewig schlampig durchgeführten Wahlen aufheben, und Kreisky oder Figl ist wieder …

21.

Juni

2016

Vollkornbrot

Das Verfassungsgericht hat seine Arbeit begonnen, aber es wird dauern, bis wir wissen, ob die Präsidenten-Wahl gilt oder doch in die Verlängerung geht und vielleicht per Elfmeterschießen entschieden wird. Insofern haben wir noch ein bisschen Zeit, um uns mit anderen wichtigen Dingen zu beschäftigen. Zum Beispiel meldet die deutsche Zeitung Die Welt: „Vollkornbrot verringert die allgemeine Sterblichkeit.“  Das ist eine schöne Nachricht, die man aber nicht glauben muss – es gibt auch …

20.

Juni

2016

Olympisches Gelsenringen

Firmen, die Sportler „ausstatten“, haben für gewöhnlich etwas mit Sport zu tun. Bei den kommenden Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist aber alles ein bisschen anders: Hier zählen zwei Hersteller von Insektenbekämpfungsmitteln zu den offiziellen Ausstattern der österreichischen Olympia-Mannschaft. In einer Aussendung zeigten sich die  Hersteller „stolz“, exklusiv die Ausrüstung für den Olympischen Gelsenringkampf in Rio übernehmen zu dürfen, und auch ÖOC-Präsident Karl Stoss betonte …

19.

Juni

2016

Radikaler Gedanke

Ein Wiener Unternehmer hat  etwas ganz Neues entwickelt: eine App fürs Smartphone. (Zugegeben, dieser Einstiegssatz hat noch dramaturgische Schwächen.) Das Neue an dieser App ist ihr Ansatz: Sie will die Paarbildung neu gestalten. Herkömmliche Dating-Apps seien oberflächlich, sagt der Unternehmer. Daher setzt seine App auf die Magie der Stimme – man hört den anderen zunächst nur (und sieht von ihm ein verschwommenes Bild). Das ist natürlich ein kluger Gedanke (so mancher wünscht sich …

18.

Juni

2016

Nicht umfallen

Wir wollen nix verknofeln fürs Match heute Abend, daher ganz anderes Thema: Der Satz "Das interessiert mich so, wie wenn in China ein Radl umfällt" drückt aus, dass man die Relevanz einer Nachricht für gering hält. Er stammt aus einer Zeit, als es in China vorwiegend Räder gab und noch lange kein Facebook. Apropos: "Zuckerberg fiel vom Fahrrad und brach sich den Arm" lasen wir diese Woche über den Facebook-Gründer, und die Nachricht fällt in dieselbe Kategorie wie die mit dem chinesischen Rad. …

17.

Juni

2016

Bei uns in Belgien

Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Trump erklärte, das Land Belgien sei eine schöne Stadt. Jetzt freuen sich Satiriker und Internet-Poster, und Kommentatoren tragen Sorgenfalten – ist so jemand nicht ungeeignet für die Führung einer Weltmacht? Man sollte jedoch nicht den Fehler begehen, zu glauben, sein Fauxpas schade Trump bei seinen Wählern. Europa ist für viele Amerikaner ein dubioses Gebilde irgendwo hinterm Eismeer, wo man in Burgen lebt, ständig Rotwein trinkt, in Reimen …

16.

Juni

2016

Luft nach oben

Jetzt, mit einem Tag Abstand und der gebotenen Nüchternheit, kann man es ja sagen: Der Schiedsrichter war ein unglaubliches W mit mutmaßlich magyarischen Vorfahren. Die Ungarn gingen mit unseren Kickern um, wie mit dem Schneiden von Gulyas-Fleisch: derb. Mehr als ungarische Salamitaktik hatten sie nicht drauf, und ständig dreinzuschauen wie Viktor Orban, ist auch nicht die feine Art. Die Stange des ungarischen Tors stand in der ersten Minute Zentimeter zu weit links, vom österreichischen …

14.

Juni

2016

Schnelle Kugel

Was geht in jemandem vor, der coram publico überlegt, einen politischen Gegner „mit einem stein aufzuschlagen“, dann aber „eine schnelle kugel besser“ findet? – Und nein, bitte jetzt keine blauäugigen Postings, der Mann, der diese kranken Überlegungen auf H.C. Straches Facebook-Seite angestellt hat, könnte theoretisch „ein gewaltbereiter Linker“ sein, der sich als Strache-Fan verkleidet, um die FPÖ anzupatzen. Diese Umkehr funktioniert nicht (Menschen auf Facebook haben ein Profil und eine …

14.

Juni

2016

Gegen wen?

Jetzt ist endlich Zeit für den Witz mit dem mutmaßlich längsten Bart: "Heute spielt Österreich – Ungarn." – "Gegen wen?" Darüber schmunzelt natürlich nur, wer in Geschichte sattelfest ist und weiß, dass Österreich und Ungarn einmal eins waren. Und weil das Sattelfeste so selbstverständlich auch nicht mehr ist, sei noch anderes aus der (Fußball-)Geschichte erzählt: Dass nämlich die Teams von Österreich und Ungarn (als sie nicht mehr eins waren) zur Fußball-Weltelite zählten; bei der WM ’54 …

13.

Juni

2016

Scheingefecht

Die Sportart, über die Österreich spricht, beginnt mit F, endet aber nicht auf -ußball. Es handelt sich um die Kampfsportart Fechten. Exakt: Ums Anfechten. Die Kampfsport-erprobte FPÖ, An-Fechterin der Stichwahl sowie Ver-Fechterin der Briefwahlabschaffung, hat dankenswerterweise Schildbürger-artige Vorgänge in einzelnen Wahlkommissionen aufgedeckt: Da kennen Verantwortliche die Uhr nicht (oder können ein Gesetz nicht lesen) und beginnen zu früh mit der Auszählung. Da zerreißt ein Wahlleiter (…

12.

Juni

2016

Fahnen-Omen

Jetzt ist sie wieder da, die Zeit der Fahnen. Auf Balkonen, in Gärten, auf Autos wehen Rot-Weiß-Rot und andere Farben. Zeichen der Freude über die EURO und im Idealfall über einen Sieg des eigenen Teams. Sonst haben es die Österreicher ja nicht so mit der Fahne. Okay, früher wehte sie zum Sendeschluss über den TV-Schirm. Der 26. Oktober war "Tag der Fahne". Aber ausgeflaggt wurde allenfalls am 1. Mai, rot, mit den drei Pfeilen. Niemand aber wäre auf die Idee gekommen, wenn Franz Klammer oder …

11.

Juni

2016

Rot, weiß, nackt

Die Frage, welches  nun der klügste österreichische Anfeuerungsgesangtext ist, bleibt noch ungeklärt. Ist es das klassische „Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich“? Also ein Text, der sich selbst beschreibt, von sich selbst handelt? Oder ist es doch  das modernere „Wir singen rot, wir singen weiß, wir singen Rotweißösterreich?“ Wobei offen bleibt, wie man weiß oder rot singen kann und was ein Rotweißösterreich ist. Beliebt ist derzeit, weil mit Frankreich-Bezug …

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