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23.

Juli

2016

Versäumnisse

„Die Liebe, die Ehe, die Akropolis –  es ist alles oft dreckiger und kleiner als im Prospekt. Das Leben verliert so dadurch, dass man’s kennenlernt“, lässt der Kabarettist und große Weise Josef Hader eine besonders vom Leben frustrierte Figur sagen. Und wenn wir ehrlich sind: Ganz unbekannt ist uns dieser Gedanke nicht. Und dennoch haben wir ständig Angst, etwas zu versäumen. Das sei das Grundgefühl unserer Zeit, erklärt der Buchautor Martin Krengel im KURIER-Interview – „die Kehrseite …

21.

Juli

2016

Die Kasperln

Nein, noch wollen wir nicht glauben, dass der nächste US-Präsident der mit der gelben Fön-Welle sein wird. Aber vor einem Jahr noch hat auch niemand geglaubt, dass Donald Trump je Kandidat werden könnte. Der Siegeszug der Populisten rund um den Globus geht einher mit der wachsenden Attraktivität des politischen Kasperls: Trump in den USA, Boris Johnson im britischen Außenamt, Beppe Grillo bald auf dem Regierungssessel in Rom – ein lockeres Mundwerk und die berühmte einfache Antwort reichen …

20.

Juli

2016

Handy und Weile

Dieser Tage ist eine epochale Meldung fast untergegangen: "Handy-Empfang in Zügen soll besser werden" – ÖBB, Verkehrsminister und Mobilfunkbetreiber investieren dafür 100 Millionen Euro. Bekanntlich ist es ja so: Das Auto ist out (stinkt). Das Flugzeug auch (stinkt und ist teuer). Die Alternative heißt Bahn. Die aber wird zu wenig genutzt. Nicht wegen Verspätungen, mühsamer Online-Ticket-Orderungen oder eines holprigen Hauptbahnhofs in Wien (das auch). Sondern weil’s im Netz am Gleis vor …

19.

Juli

2016

Hype Go

Das ist jetzt blöd: Hier entsteht gerade ein Text, der nicht gelesen wird. So wie der Eismann dieser Tage Eis rührt, ohne dass jemand Gefrorenes kauft. Und der Briefträger bringt Post, aber keiner ist zu Haus’, denn ... ... alle Welt jagt Monster. "Pokémon Go" hat, wenn man sozialen und anderen Medien glauben darf, das normale Leben zum Erliegen und das künstliche im echten zum Erleben gebracht. Überall laufen Menschen und vergleichen die Welt vor ihnen mit den Bildern derselben Welt auf …

18.

Juli

2016

Schweigeviertelstunde

Die Kulturtechnik des Schweigens ist vom Aussterben bedroht. Warum? Weil sie deutlich weniger Image-Punkte bringt, als Heißluft in die Atmosphäre zu palavern, Ego-Befindlichkeiten mit überhöhter Lautstärke rauszuposten oder aufkommende Stille mit leeren Worthülsen einzufangen. Nur in Form der Schweigeminute hat Stille noch ihre Berechtigung. Heute wird in Nizza geschwiegen: eine Minute Trauer-Konzentrat von 11.45 bis 11.46 Uhr. Dann sollen Stadt und Bewohner wieder den Regelbetrieb aufnehmen. …

17.

Juli

2016

Unsere

Und plötzlich ertappt man sich bei dem Gedanken:  Ein bisschen viel Geschichte auf einmal, die sich da gerade um uns ereignet. Müssen wir unbedingt in einem  Geschichte-Schulbuch der Zukunft leben, das schon jetzt verfilmt wird, und zwar im echten Leben? Mögest du in interessanten  Zeiten leben, lautet der chinesische Fluch, und viele haben den Eindruck, so interessant wie jetzt waren die Zeiten leider noch nie. Aber das täuscht. Die nicht so lang zurückliegende Vergangenheit …

16.

Juli

2016

Und plötzlich sind alle Menschen

Plötzlich ist es da, das Gemeinsame. Anschläge, wie der von Nizza, haben einen Effekt, der an normalen Tagen undenkbar wäre: die Einigkeit aller halbwegs vernünftigen Europäer. Während sonst kleinkarierte Ideologie-Scharmützel das Tagesgeschehen bestimmen, sorgen unmenschliche Attentate immer wieder für menschliche Rektionen, für eine solidarische Gefühlslage aus Mitgefühl, Respekt, Wut, Angst, Trotz und Entschlossenheit. Plötzlich lautet die alles überlagernde Selbstwahrnehmung nicht …

15.

Juli

2016

An der frischen Luft

Fragen Sie sich auch zwei Mal täglich, was aus dem Team Stronach wurde? Bei denen fühlt man sich ja an den alten Mathematik-Witz erinnert: Wenn von elf Abgeordneten 13 den Klub verlassen, muss er zwei neue aufnehmen, damit er keine Mitglieder hat. Jetzt aber gab das Team Stronach ein kräftiges politisches Lebenszeichen von sich: Klubobmann Robert Lugar  nahm in einer Aussendung Stellung zum Smartphone-Spiel „Pokémon Go“: „Wenn man es nicht übertreibt, dann hat das Handyspiel auch einen …

14.

Juli

2016

Baldige Besserung

Lieber Hr. Hassposter, liebe Fr. Hassposterin! Ja, ich rede Sie bewusst freundlich an. Einerseits, weil es mir wichtig ist,  die Kulturtechnik der Höflichkeit nie aufzugeben, gerade dann, wenn Sie eine, vorsichtig formuliert, bemerkenswerte Ausdrucksweise wählen. Und andererseits, weil ich weiß, dass meine Höflichkeit Sie ärgert. Sie hätten nämlich gerne, dass ich so werde wie Sie. Der Punkt ist: Sie sind sehr einsam. Gerade die Tatsache, dass Sie gerne „wir“ schreiben, weist auf diese …

13.

Juli

2016

Endlich wieder Kind!

Millionen von Menschen erinnern sich wieder  an ihre Gameboy-Jahre und jagen derzeit mit ihren Smartphones Pokémons durch eine halb reale, halb virtuelle Welt. Warum auch nicht? Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.  Apropos kindisch: Eine neuseeländische Studie hat ergeben, dass Daumenlutschen und Nägelbeißen gesund sind – der Kontakt mit Dreck trainiert das Immunsystem. Die Kinder dieser Welt registrieren es mit Freude und hoffen, dass die Wissenschaft rasch …

12.

Juli

2016

Drama, maybe, Drama

Danke, das Drama hatte seinen Auftritt, tausendfach, bei der EURO 2016. Kann es sich jetzt bitte wieder seinem Kerngeschäft zuwenden und als Bühnenstück auftreten, etwa bei den Salzburger Festspielen? Es ist ja geradezu ein Drama, was heutzutage schon alles ein Drama ist: Googelt man „Drama“ und „Frankreich“, stößt man zuallererst auf ein knapp verlorenes Fußballspiel. Und nicht nur die Fußball-Welt hält die maßlose Übertreibung derzeit für die einzig angebrachte Erregungsmaßeinheit. Jeder …

11.

Juli

2016

Ohne euch wäre es fader

Das Buch "Geliebtes Geschöpf" erzählt berühmte Tier-Anekdoten. Das können wir auch: Da gibt es etwa Bulldogge David, die Angst vor ihrer Futterschüssel hat. Oder Schnauzer Schnauzi, dem von der Tochter seines Herrchens die Zähne mit Blendi geputzt wurden, weil sie fand, er rieche aus dem Mund. Oder Kater Josef, der seine Besitzerin jeden Tag auf die Minute pünktlich von der Schule abholte (und den seine Intelligenz nicht davor schützte, Rattengift zu fressen). Oder Hängebauchschwein Rapunzel, …

10.

Juli

2016

Immer wieder Wirland!

Das heutige EM-Finale lautet Frankreich gegen Portugal. Aber Sie und ich wissen, dass das nicht stimmt. In Wahrheit spielen wir gegen uns, und das geht so: Gewinnt Portugal das Finale, dann ist jene Mannschaft der Sieger, gegen die wir in der Gruppenphase unentschieden gespielt haben. Wir sind dann also gleich gut wie der Europameister und somit selber Europameister. Mehr noch: Kein Fußballfan hat die Wahrheit vergessen. Dass wir Portugal nämlich durch unser listiges Konzept, so zu tun, als …

09.

Juli

2016

Doch nicht lebensmüde!

Berühmte vorletzte Worte, die im Sommer oft aus Männermund zu hören sind: a) Wenn man es richtig macht, gibt es keine Stichflamme; b) Den Ball krieg ich locker; c) Sitzt, passt, hat Luft. Etwa 36.000 Männer verletzen sich im Sommer in der Freizeit, schätzt das Kuratorium für Verkehrssicherheit, mehr als in jeder anderen Jahreszeit. Besonders gefährlich sind demnach  Grillen, Fußballspielen und Heimwerken. Interessant ist, dass beim Grillen nicht nur Verbrennungen, sondern auch …

08.

Juli

2016

Tag des Anfangs

Es gibt  den Welttag des Tanzes, des Kusses, des Schmusens, der Komplimente und den Orgasmustag. Es gibt den Weltnierentag, den Weltherztag, den deutschen Magentag, den deutschen Lebertag, den deutschen Kopfschmerztag. Es gibt den Weltdarmtag, den internationalen Inkontinenztag, den Welttoilettentag. Den Welttag der Fremdenführer, den Tag der Schwertschlucker, den Tag der Putzfrau. Den Welttag der Suppe, der Tiefkühlkost, der Minzschokolade, den Weltkroketten-Tag, den Tag des deutschen …

07.

Juli

2016

1600 Seiten – bitte lesen!

Fühlt sich die Demokratie eigentlich verarscht, wenn ein Politiker in ihrem Namen fordert, Millionen Österreicher zum Comprehensive Economic and Trade Agreement zu befragen? Vermutlich ja. Den Wählern einen 1600(!) Seiten umfassenden, hochkomplexen Vertragsentwurf vorzulegen, ist ungefähr so sinnvoll, wie einen Lehrstuhl für Plasma- und Atomphysik im Rotationsprinzip mit fachlich Unkundigen zu besetzen. Wie viele Österreicher wissen tatsächlich, dass es sich beim oben genannten Papier um CETA …

06.

Juli

2016

Endlich Urlaubsstreit (II)

Unlängst ging es an  dieser Stelle um den Urlaubsstreit. Es soll ja Menschen geben,  die nur auf Urlaub fahren, um endlich Zeit für stressfreies Streiten zu haben. Der Hauptgrund für Streit im Urlaub sind beengte Quartierverhältnisse, erhob marketagent.com. Infolge des  Alltagsstresses kennen viele Menschen ihre Partner kaum noch, manche sind sogar schon per Sie miteinander. Das führt dann natürlich zu Problemen, wenn man plötzlich 14 Tage  im selben Zimmer verbringen soll,…

05.

Juli

2016

Einer will sein Leben zurück

Es klang wie eine Ente, eine durchsichtige Verleumdung, eine Satire, die übers Ziel schießt: Nigel Farage, der Rechtspopulist, der seit 1993 den Briten den Brexit als Wundertüte verkauft, tritt ab? Legt den UKIP-Parteivorsitz zurück? Jetzt? – Tatsächlich. Keine Satire. Da richtet einer die größtmögliche Ungewissheit an, lässt Großbritannien als Wühltisch im Sommerausverkauf dastehen und verliert dann plötzlich die Lust an seinem Spiel? Wie ein trotziges Kind, das, als es ernst wurde, leider …

04.

Juli

2016

Der Isländer in dir

Europa hat ein neues Trend-Reiseziel: Island. Eigentlich sollte die EURO 2016 der Touristen-Rekrutierung für Frankreich dienen. Aber dann kam Island. Und mit den unbeugsamen Isländern, die sich so gar nicht in die Rolle der Underdogs fügten, kam eine packende Dynamik aus Staunen, Sympathie und Solidarisierung auf. Menschen, die eigentlich auf den Frankreich-Zug aufspringen sollten, buchen plötzlich Flüge nach Island. Wer braucht schon Austern und Chablis, wenn er Gammel-Hai und Brennivin …

03.

Juli

2016

Endlich Urlaubsstreit!

Urlaubsforscher haben herausgefunden, warum wir auf Urlaub fahren: Weil wir Erholung brauchen (wer hätte das gedacht?). Warum wir dann nicht einfach zu Hause bleiben und die Tatsache genießen, dass alle anderen weg sind, und stattdessen an Orte verreisen, wo uns die Anwesenheit der anderen, zu kurze Betten und  Erkrankungen des Verdauungsapparats  stören– kurz: wo uns der Urlaub den Urlaub verdirbt –  ist nicht ganz klar. Vielleicht liegt es daran, dass nur der Urlaub die …

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