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14.

Februar

2016

Mahlzeit!

Früher war Schweinsbraten, Paprikahenderl, ein gemischter Salat und hie und da von all dem eine Pause, was man Fasten nannte. Wo Letzteres aus religiösen Gründen geschah, erfanden findige Mönche das beste Bier, um über die Runden zu kommen. Heute ist Essen Religion: Entweder man kocht auch zu Hause wie einst Bocuse oder wenigstens wie Alex und Andi; oder man fastet Namen-gläubig nach Low Carb, Detox, Chrono (lange Ess-Pausen, vor allem Nachts, s. Mein Sonntag). Jüngster Trend: "Le Forqing", …

13.

Februar

2016

Nicht kleinzukriegen

Elf ist, wenn einem allen Türen offen stehen, man aber noch nicht entscheiden muss, durch welche man geht. Elf ist, wenn man alt genug ist, die Welt zu verstehen und jung genug, an sie zu glauben. Mit elf ist man groß, weil einen das Leben noch nicht kleingekriegt hat. Vielleicht räumte der  Film „I am Eleven“, in dem Elfjährige aus 15 Ländern auftreten, genau deshalb Preise zwischen Newport Beach und Melbourne ab. Die Dokumentarfilmerin Geneviève Bailey zeigt Menschen, die keine Kinder …

12.

Februar

2016

Hirn und App

In Norddeutschland ist ein Autofahrer mit seinem Wagen in die Elbe gefahren, weil er seinem Navi auf einen Fähranleger und weiter folgte – nur war die Fähre gerade am anderen Ufer. Das ist nur die Jüngste von vielen wunderbaren Geschichten aus der Serie Technik statt Hirn. Legendär der belgische Busfahrer, der navieingabebedingt in La Plagne in den Pyrenäen statt in La Plagne in den Alpen landete. Wobei Navi-Aufgewachsene den geografischen Unterschied vielleicht gar nicht realisieren können (…

11.

Februar

2016

Prolitiker

Ginge Heinz Fischer heute auf seine eigene Wahlkampfveranstaltung, man hielte ihn womöglich für den Platzanweiser. Mit der ihm eigenen Schrillheit eines Tarnanzugs nähme man ihm den Politiker kaum ab. 2016 beherrschen Prolitiker die Medien, vor allem die sozialen Massenmedien: Donald Trump, dessen Gesicht  „Emoji“ spricht; Richard Lugner, dessen Ehefrau Badewannenfotos mit Gemahl postet; Selfmade-Provokateure mit Designer-Ego; Nonsense-Schleudern mit Teflon-Selbstbewusstsein. Man lacht …

10.

Februar

2016

Gravitation und Seufzen

Die Welt der Wissenschaft geht geordnet in den Zustand der Hysterie über: Angeblich wurde erstmals eine Gravitationswelle gemessen. Gravitationswellen sind das, was entsteht, wenn große Körper in Bewegung geraten, also etwa bei einer Supernova, bei einander umkreisenden Schwarzen Löchern, oder wenn Fritz Neugebauer einmal „Ja“ sagt. Sie sind sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitende Verzerrungen der Raumzeit. Für Sie und mich mag das noch kein Grund sein, einen Baldrianschnaps einzuwerfen, …

08.

Februar

2016

Tarnen und täuschen

Dass die Frankfurter nicht in Frankfurt in die Haut gefüllt wird, das wissen wir. Und wir würden uns heftig beschweren, würde der Hamburger, den wir bestellen, in Hamburg ins Taxi gesetzt und erst nach neun Stunden an unserem Tisch ankommen. Einerseits. Andererseits wird es immer schwieriger, das Tarnen und Täuschen der Verpackungstextdichter zu erkennen, sagen die Konsumentenschützer. Da gibt es Formulierungen wie „In Österreich verpackt“ oder „In Österreich geprüft“ oder „Der Onkel des …

07.

Februar

2016

Kellertüre scließen!

Wir leben in einer eigenartigen Zeit. Einerseits arbeiten wir daran, uns das Lachen abzutrainieren oder zumindest immer daran zu denken, beim Lachen die Kellertüre nicht offenzulassen.  „Disziplinierungsterror“, nennt das ein Sozialhistoriker im Interview. Außerdem lauert überall die „Witzepolizei“(sagt der KURIER-Karikaturist Michael Pammesberger), um die Verbreiter von politisch zu wenig korrektem Humor abzustrafen. Und andererseits lassen wir uns dann  den Villacher Fasching und …

06.

Februar

2016

Ich hab's eilig, also bin ich

Nur 14 Prozent der Autofahrer kennen den richtigen Abstand, ergab eine Untersuchung. Die logische Folge: Drängeln ist eine der häufigsten Unfallursachen. Ein Gedankenspiel: Wie würde es in den Städten zugehen, würden sich Fußgänger genauso benehmen wie viele Autofahrer?  Also mit Hupen in der Hand fluchend, Vogel zeigend, einander anschreiend  von A nach B rennen, es als persönliche Beleidigung wertend, wenn ein anderer schneller als man selber geht oder sich vielleicht, aus einem …

05.

Februar

2016

Ein Smartphone-Dialekt

Telefonieren war vorgestern. Und das mit dem Schreiben ist auch ein Auslaufmodell. Junge Kommunikation erfolgt über Bilder. Auf Platz 1: Selbstbilder, selbstverliebt „Selfie“ genannt.  Bedarf die Nachricht einer textlichen Ergänzung, so verwendet man Zeichen aus der Konserve, liebevoll „Emojis“ genannt – ein Smartphone-Dialekt, der deutlich präziser Auskunft gibt als das geschriebene Wort. Schreibt man etwa „Kuss!“, so lässt dies einen enormen Interpretationsspielraum offen, was etwa …

04.

Februar

2016

Unser Frauenbild, aber echt

Also das mit dem Frauenbild ist ganz klar: An sich eh, ja, schon. Respekt und so. Nur, naja, nicht direkt, wenn man zur falschen Zeit den Fernseher aufdreht. Da kann es schon sein, dass ein eitler Deko-Gockel von kleidungsbefreiten Frauen umbalzt wird. Naja, das ist nicht direkt unser Frauenbild. Auch nicht das hier übliche Frauen-Selbstbild. Das ist nur Fremdschäm-TV, heißt „Der Bachelor“ und lässt uns miterleben, was wir nie ausleben. Im Grunde finden wir es widerlich und abstoßend und …

03.

Februar

2016

Das Zitat

Wir leben im Zeitalter der Jubiläen, wir nehmen Dinge immer nur dann wahr, wenn sie zehn, 50, 100, 250 Jahre vergangen sind. Insofern muss auch an folgendes, ein wenig anrüchiges Jubiläum erinnert werden: Das Götzzitat wird heuer 500 Jahre alt (der verehrte Kollege Georg Markus weiß noch mehr Interessantes darüber zu berichten). 1516 rief der historische Ritter Götz von Berlichingen einem Amtmann entgegen, er könne ihn „am A... lecken“ (andere Quellen sagen, er habe gerufen "er soldt mich …

02.

Februar

2016

Alles ist dann gut

Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert rauchfreie Filme, wegen der Vorbildwirkung. Wenn sich dieser Gedanke durchsetzt – die Welt wird automatisch besser, wenn man das Unschöne nicht zeigt – muss man konsequenterweise auch Mord, Tod, Autorasen, Alkohol, Seitensprung, Hautunreinheiten und schlechte Frisuren aus Filmen eliminieren. Schöne Filme werden das. Kurz, aber schön.  Natürlich müsste man dann  auch das Theater  politisch korrekt reinigen, vor allem den  großen …

01.

Februar

2016

Sudern

In seinem Buch  schreibt der aus der Schweiz stammende Fußballteamchef Marcel Koller über die österreichischen Nationalbegriffe „Sudern“ und  „Raunzen“: „Ich kannte diese Worte nicht.“ Jetzt kennt er sie. Das Raunzen ist der Aggregatzustand von uns Österreichern, vor allem den Wienern. Karl Kraus, Weltmeister des  Raunzens,  beschrieb Wien so: „Das ewige Stimmen eines Orchesters.“ Wir sind offenbar so verliebt in die Disharmonie, dass wir uns nicht einmal auf eine …

31.

Jänner

2016

Bei uns in Iowa

Iowa finden Sie, wenn Sie auf dem Weg von Scheibbs nach Nebraska kurz vor Nebraska aus dem Fenster schauen.  Iowa ist eine Örtlichkeit, die von der Weltgeschichte bisher großräumig umfahren wurde (sieht man davon ab, dass man  im nordost-iowaischen Dorf  Froehlich den Traktor erfunden hat, behaupten jedenfalls die in Iowa, die in Illinois sehen das anders). In Iowa fand keine einzige bedeutende Schlacht statt, was dort sicher niemanden gestört hat. Iowa hat auch keine …

29.

Jänner

2016

Knacksicher

Werden Sie auch hie und da aufgefordert, für irgendwas ein neues Passwort zu wählen? Das ist so nervig wie Hundekot in der Profilsohle: Man kriegt die Aufforderung nicht weg, bis man ihr folgt, und sie kommt wieder, wenn man gerade glaubt, codesorgenfrei zu sein. Jetzt lesen wir, dass 123456 das dümmste Passwort ist. Dümmer ist nur, alle Codes (Bankomat-, Kreditkarte, Handy, PC, Safe ...) zu vereinheitlichen (was eh nicht geht). Aber der Mensch ist für Passwörter nicht gemacht: Die erste Auto- …

28.

Jänner

2016

In der Scham-Defensive

Ein Handkuss kann mit Bissspuren enden, wenn man die Hand nicht rechtzeitig wegzieht. Der Fall der Ursula Stenzel begann mit deren zirkusreifem Felge-Umschwung zur FPÖ im Herbst 2015. Die einst als weltoffen geltende, Österreich-weit geachtete ORF-Moderatorin und spätere ÖVP-Delegationsleiterin im EU-Parlament erklärte allen Ernstes, ihr Selbstverständnis als „glühende Europäerin“ gehe sich mit der Anti-EU-Linie der FPÖ „tadellos aus“. Dafür bekam sie den 3. Listenplatz bei der Wien-Wahl …

27.

Jänner

2016

Konstanten

"Same procedure as every year" – das gilt auch nach dem Jahreswechsel: Jedes Jahr z. B. feiern die rechten Recken in der Wiener Hofburg ihren Akademikerball, dessen Titel das Niveau der meisten Protagonisten schönt. Und jedes Jahr feiern die Medien vorab Proteste und Gegenproteste, quasi als selffulfilling Radau. Ein Mal im Jahr hat der verhaltensoriginelle Allspringer Felix Baumgartner Sprechdurchfall: "Idioten" gefiel ihm jetzt im Netz, nicht für sich, sondern für unsere Staatenlenker. Und …

26.

Jänner

2016

Acht Sekunden Obergrenze

Ampel rot. Griff zum Smartphone. Kassaschlange größergleich eins. Griff zum Smartphone. Kaffeemaschine fährt hoch. Griff zum Smartphone. Nichts darf heute länger als acht Sekunden dauern. Sonst muss Ablenkung her. Nachrichten-Stakkato. Acht Sekunden pro Meldung. Maximal. Dann Nächste. Botschaft in acht Sekunden angekommen? Nein? Dann weg! „Das wahrhaft knappe Gut in naher Zukunft wird die menschliche Aufmerksamkeit sein“, kommentiert Microsoft-Chef Satya Nadella eine kanadische Studie, …

25.

Jänner

2016

Wenn er es überleben tut

„Weltcup-Abfahrtsläufe machen eam ab bisserl müd/ weil er ist abgebrüht/wenn eam dabei irgendwas erregt/ dann nur, wenn’s einen ordentlich zerlegt.“ Man kommt mit dem Mitzählen gar nicht nach – wo steht der „Body Count“ in Kitzbühel gerade? Fünf Schwerverletzte?  Oder sind es schon sechs? Auf Streif und Ganslernhang bersten die Knie im Minutentakt. „Ein Sturz bei 120 km/h/entlockt ihm ein erfreutes Hoppala.“ Stürze sind gut für die Quote, sagen Sport-Auskenner, wenn die Mikrofone …

24.

Jänner

2016

Singen statt Abhören

Der große Sänger Neil Diamond, der heute 75 wird, sagte einmal: „Wäre ich schlau, hätte ich Medizin studiert und ein Heilmittel für Krebs entdeckt.“ Allein dieser Satz beweist schon, dass Diamond nicht recht hat mit seinem Befund, denn es ist ein Zeichen von Schläue, das eigene Schlausein zu hinterfragen – nur die Dummen kennen keinen Zweifel. Zudem ist fraglich, ob Diamond tatsächlich ein großer Arzt geworden wäre. Zwar gibt es bemerkenswerte Mehrfachbegabungen im Bereich Medizin und Kultur: …

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