Zur mobilen Ansicht wechseln »

06.

März

2015

Glücksritter

Nachricht von der größten Reisemesse der Welt in Berlin: Auch Bhutan wirbt dort. Obwohl es gar nicht mehr Gäste aufnehmen kann, als bereits kommen. Bhutan ist ein gefragtes Reiseziel, weil dort das Bruttosozialglück in den Verfassungsrang erhoben wurde. Touristen gehen deshalb gern auf Trekkingtour, um etwa vom Rücken eines Maultiers aus Menschen beim Glücklichsein zu beobachten: Glücksritter, die einer aussterbenden Art hinterherreisen. Umgekehrt können Bhutaner sich keine Fernreisen leisten.…

05.

März

2015

So nehmen Sie in vier Tagen zehn Kilo zu!

Unlängst ging ein angeblich nicht per Computer geschöntes Foto von Cindy Crawford um die Welt, welches das Model mit faltiger Bauchhaut zeigte. Die Folge: Allgemeine Begeisterung über ihren Mut. Und so schnell konntest du nicht schauen, war faltig das neue Makellos. Promis und Stars stürzten in tiefe Verzweiflung: Da hatten sie jahrelang Schweiß und Geld in gebügelte Häute, versteinerte Körper und gefrorene Gesichter investiert – und auf einmal gilt das nicht mehr als schön? Dem Vernehmen …

04.

März

2015

Milliarden-Unglück

Glück und Neid sind Geschwister. Und weil Neid eine Emotion ist, die irgendwie auch kurz glücklich macht, werden Gehalts- und Vermögenslisten veröffentlicht. Aus der von Forbes erfahren wir, dass es weltweit immer mehr Milliardäre gibt (zuletzt plus 200); dass der größte unter ihnen allein mit seinem Vermögenszuwachs in einem Jahr das halbe Hypo/Heta-Loch stopfen könnte (aber Bill Gates investiert klüger); dass man schon mit 24 Forbeser sein kann, wenn man den Foto/Chat-Hype im Netz für sich …

03.

März

2015

Arbeitslose Ressource

Das ist ein interessanter  Widerspruch: Einerseits heißt es, die Menschen müssten später in Ruhestand gehen, sonst implodiere das Pensionssystem. Andererseits produziert unsere Wirtschaft immer mehr ältere Arbeitslose (derzeit mehr als 100.000 Menschen über 50 Jahre).Was fällt uns also ein, um ältere Menschen im Arbeitsmarkt unterzubringen? Denn „arbeitslos statt in Pension“ dürfte weder unter finanziellen, noch unter sozialen Gesichtspunkten eine vernünftige Alternative sein. Im Verein „…

02.

März

2015

Was Schüler sagen

Gute Geschäftsleute hören auf ihre Kunden. Die Kunden des Dienstleistungsbetriebs "Schule" sind in erster Linie, nein, nicht Lehrer, Eltern, Bildungspolitiker, Bildungsexperten – sondern die Schüler. Dennoch hört kaum jemand auf das, was sie sagen – sie sind ja auch gesetzlich verpflichtet, Kunden zu sein. Die Aktion "pimp my school" ließ jetzt endlich auch einmal die Schüler zu Wort kommen. In den drei Siegerprojekten wurde Folgendes angeregt: ein Mentoren-System, Aufbrechen des klassischen …

01.

März

2015

Meiden und meiden lassen

Boulevardmedien, die gerne mit der Angst spielen, warnen derzeit vor der „Horror-Grippe“ mit „500.000 Kranken“ – und geben Tipps, wie man sich vor dem offenbar fast sicheren Tod retten kann. Ein Auszug: Meiden Sie Menschenansammlungen (dazu kommen wir noch). Hände sauber halten. Türgriffe, Computer-Tastaturen, öffentliche Verkehrsmittel meiden. Sehr häufig Hände waschen! (Am besten verlegt man seinen Wohnsitz bis Anfang April in sein Waschbecken, zumal es dort keine Türgriffe, Computer und …

28.

Februar

2015

Ich seh, ich seh, das Richtige

Zur Info an alle, die das hier auf Papier lesen und ihren Hauptwohnsitz noch nicht im Paralleluniversum Internet aufgeschlagen haben: Auf Twitter und Facebook streiten Hunderttausende über die Farben eines Kleides auf einem Foto. Weiß-Gold gegen Blau-Schwarz. Das Ganze läuft unter dem sagenhaft dummen Titel dressgate (die Silbe -gate macht ja aus jedem irrelevanten Mückenfurz einen Elefantenstolperstein), und es sollen schon Beziehungen daran zerbrochen sein. – Jenseits von Farbanalysen, …

27.

Februar

2015

Die Entrüstung abrüsten

Man kann sich nicht aussuchen, in welches Zeitalter man hineingeboren wird. Momentan mitten ins Entrüstungszeitalter – jeder empört sich über alles und jeden. Man kann sich auch nicht aussuchen, von wem man geboren wird. Zwillinge in Oberösterreich etwa von einer 60-jährigen Mutter. Der Vater ist 63, aber das bringt die Empörungscommunity kaum auf Betriebstemperatur. Das Alter der Mutter hingegen sorgt für kollektives Entsetzen. Es besteht kein Zweifel, dass späte Schwangerschaften mit …

26.

Februar

2015

Alle werden Weltmeister

Der Plan des Weltfußballverbandes,  die WM 2022 im Winter auszutragen, sorgt für etwas. Und zwar für Ärger. Jahre nach der Vergabe des Turniers an den Wüstenstaat kam man drauf, was jedes Kind weiß: dass es in der Wüste heiß ist.  Zu heiß für Fußball. Die absurde Idee, in geschlossenen und künstlich gekühlten Stadien zu spielen, wurde tatsächlich geäußert, aber wieder verworfen. Jetzt also die Winter-WM. In Europa werden die Zuschauer in den Fan-Meilen frieren, aber immerhin bietet …

25.

Februar

2015

Schöne Bescherung

Die Fußball-WM 2022 in Katar soll klimabedingt zu Weihnachten stattfinden, gab die FIFA, der Weltverband für Fußball und Schmierungswesen, bekannt. Das schafft natürlich neue Probleme. Vor allem deshalb, weil sich ja bekanntlich vor den Feiertagen nichts mehr ausgeht. Die FIFA hat deshalb bereits eine Verkürzung der WM angekündigt. Dem  Vernehmen nach findet sie am Nachmittag des 22. Dezember statt, zwischen Punschstandbesuch und Betriebsweihnachtsfeier.  Unklar ist, ob im Gegenzug …

24.

Februar

2015

Absaugen

Filmologen rechnen als Folge der Oscars mit einem Trend zum Langstreckenfilm – ausgelöst durch Richard Linklaters „Boyhood“, an dem zwölf Jahre lang gedreht wurde, um die Entwicklung eines Buben zum jungen Mann abzubilden. Radikalstes Projekt wäre ja ein Echtzeit-Film über die österreichische Verwaltungsreform. Allerdings kann man mit dem frühestens im Jahr 2265 einen Oscar gewinnen. Und wer will sich einen Film anschauen, in dem Fritz Neugebauer 250 Jahre lang „Nein“ sagt? Interessant in …

23.

Februar

2015

Danke. Vielmals.

"Der erste Satz muss knallen", rät ein Experte für Dankesreden. Klassisches Eigentor: "Ich bin sprachlos" – um danach eine fertige Rede runterzuratschen. Diese Form der Sprachlosigkeit nimmt einem keiner ab. Der zweite Satz kann also bereits einer zu viel sein. Außer vielleicht bei Alfred Hitchcock. Der bedankte sich 1968 für den Oscar mit folgender Rede: "Thank you. Very much indeed." Die lange Nacht der Dankesreden ist vorbei, die Oscars sind abgedankt. Jetzt werden die Reden …

22.

Februar

2015

Die Parallel-Sensation

Noch sind es drei Monate bis zum Ereignis, dem bekanntlich ganz Europa entgegenfiebert. Weil es a) in Wien stattfindet. Und daher b) so sensationell-irre-megageil wird, wie kein Ereignis je zuvor (außer vielleicht damals die Erschaffung der Erde). Weil das so ist,   bejubeln die Bürgermeister-Bejubelungspostillen den Song Contest schon jetzt fast täglich  – subtile Wahlwerbung für den Vater der Stadt und aller Events  braucht Zeit. Aber der Jubel erfolgt zu Recht. Denn in …

21.

Februar

2015

Brausen gehen

Dass Computer-Übersetzungsprogramme trotz Alleskönnerschaft von Google & Co. immer noch jämmerlich dilettieren, ist ein Segen, stand hier gestern zu lesen. Weil kriminelle Mails aus irgendeinem fernen Land leicht erkennbar bleiben. Just selben Tags machten sich "Alice Draxler" und "Samantha Faber" per Mail an die Nichterkennbarkeits-Arbeit: "Dieses Zertifikat bestätigt, dass der besitzer der Email Adresse Eigentümer eines exklusiven Bonus von 600 EUR bei CC ist. Um Ihren 600 Euro zu …

20.

Februar

2015

Zwiebel ruft an

Wiederholt lesen wir, dass Google und Microsoft fieberhaft an einer Software arbeiten, die künftig Gespräche in Echtzeit übersetzt. Also: Der eine sagt was auf Englisch ins Telefon, und am anderen Ende kommt’s auf, sagen wir: Deutsch an. Bisher funktioniert diese Übersetzung nicht einmal schriftlich wirklich unfallfrei: Aus Football-Fans werden auf deutsch "Fußball-Ventilatoren", und auf Speisekarten steht "Zwiebel ruft an", wenn onion rings angeboten werden. Andererseits hat das auch sein …

19.

Februar

2015

Unter uns Pottwalen

Eine der interessantesten Erkenntnisse dieser Tage: Der Mensch ist auch nur ein Pottwal. Vor Alaska haben Wissenschaftler ganze Banden von Pottwalen entdeckt, welche Fischer überfallen und deren Netze ausplündern. Wobei sich der Wal dabei durchaus nobler verhält als der Mensch: Wenn der Mensch nämlich den Wal überfällt, kommt der Wal selten mit dem Leben davon. Schön ist auch die Geschichte, die vor einigen Tagen durch die Weltpresse ging: Ein Pottwal, der sich von Forschern gestört fühlte, …

18.

Februar

2015

Auto-Fasten

Wenn man nicht weit draußen auf dem Land lebt, ist der Verzicht aufs Auto keine große Sache. Der Autor dieser Zeilen trennte sich vor drei Jahren spontan von seinem Auto und hat diesen Schritt nie bereut. Im Gegenteil, er hat Zeit, Geld, Lebensqualität gewonnen. Mühsam ist es nur zur Fastenzeit, wenn plötzlich alle „Auto-Fasten“ betreiben. (Auto-Fasten bedeutet nicht, auf den Verzehr von Autos zu verzichten, sondern sein Auto stehen zu lassen.) Aber wie kann man sein Auto stehen lassen, wenn …

17.

Februar

2015

Hüte und Hering

"Same procedure as every year" heißt es bei "Dinner for one", aber auch im echten Leben. Und zwar so: Zu Silvester sind auf Kommando alle sektlaunig lustig. Zu Valentin wird im Auftrag von Floristen und Kombinesch-Erzeugern kollektiv geschenkt und geliebt (seit Kurzem auch gefesselt und gepeitscht). Wenn das noch nicht für genug humorige Höhepunkte gesorgt hat, so ist der Faschingsdienstag der ultimative Spaßtag: Es verkleidet sich im Fasching laut Umfrage zwar nur jeder sechste Österreicher. …

16.

Februar

2015

Vergessen zu erinnern

Diese Meldung klingt nach „Wir haben damals ja nichts gehabt, trotzdem war alles besser, und schuld ist das Internet“: Wir vergessen, wie man sich erinnert, sagt die Forscherin Sabine Seelbach. Vielleicht hat sie ja recht: Da im Internet Inhalte jederzeit abrufbar sind, so die These, geht die Kunst des Auswendiglernens verloren. Wie funktioniert das Gedächtnis eigentlich? Physiologisch betrachtet besteht die Erinnerung aus Nervenzellen, die im gleichen Takt Strom leiten. Jeder Schauspieler …

15.

Februar

2015

Moderater Exzess

Im Stiegenhaus riecht es nach den Produkten retrograder Speiseröhrenperistaltik, und auf den Stufen findet sich das, was der Wiener liebevoll „Pizza“ nennt. Offensichtlich haben sich Party-Heimkehrer nachts  noch schnell vor der Wohnungstür erleichtert. Fasching ist ja die Zeit des Nachholens. Alles, was sich an Unangepasstheit im restlichen Jahr nicht ausgegangen ist, muss jetzt zwischen Samstag und Dienstag passen. Vielleicht verhält es sich mit dem Alkohol auch so. Vielleicht meiden …

Bitte Javascript aktivieren!