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KURIER

22.

Juli

2014

Keine Russen

Ein kleines Klischee, einst auf dem Innsbrucker Flughafen mit eigenen Augen beobachtet: Sechs teuer gekleidete junge Damen und Herren stürmen in die verschlafene Abflughalle, kehren im Kristall/Schmuckladen ein, die Damen suchen sich nicht wenig aus, und ein Herr öffnet den Aktenkoffer prallvoll mit Dollarbündeln – ehe die Gruppe im Privatflieger entschwindet. Ziel: Moskau. So stellt man sich gemeinhin den reichen Russen vor, von dem ganze Goldene Quartiere und andere Läden in Österreich gut …

21.

Juli

2014

Flüssig und fest

Stadtbewohner, die aufs Auto angewiesen sind, haben sich bisher auf die Sommerferien gefreut wie sonst nur Schüler und Lehrer: Neun Wochen, viele Parkplätze, wenig Verkehr und kaum Ärger. Heuer ist das anders. In Wien staut’s ab Montag, als wär’s ein Regentag im Dezember. Jeden Tag. Die Einfahrtsrouten sind mit Baustellen verengt, meist die Ausweichrouten gleich mit. Die wichtigsten drei Querverbindungen im Westen der Stadt sind listig blockiert. Wer um Leitung durch das Chaos sucht, sollte …

20.

Juli

2014

Das Plädoyer

Viel Feind, viel Ehr’, sagt man. Und viel Anwalt, viel was? – Im Falle des ehemals "viel zu jungen, viel zu schönen, viel zu intelligenten" (© KHG-Adorantin) Ex-Finanzministers müssen die Anwälte sogar mit Capri-Krank- und wieder Gesundmeldungen ausrücken. Dabei hat er die Meisterin des Plädoyers im eigenen Haus. "Das Wetter hier, das ist eine echte Katastrophe", so hat Fiona Grasser diese Woche den Quell seiner plötzlichen Lungenentzündung gefunden. "Schlecht, sehr schlecht. Er liegt im Bett …

19.

Juli

2014

Spinnen und Phobien

Die meisten Österreicher fürchten sich vor Spinnen und Schlangen, gefolgt von Ärzten, engen Räumen, Höhen/Tiefen, Hunden und Prüfungen. Das ist das Ergebnis einer IMAS-Umfrage mit der politisch nicht ganz korrekten Feststellung, dass "Frauen, Personen unter 30 und Menschen mit einfacher Bildung" häufiger zu ängstlichen Reaktion neigten. Die meisten Ängste sind eher irrational (okay, außer die vor dem Zahnarzt) und haben lustige Namen: Aichmophobie ist die Angst vor spitzen Gegenständen, …

18.

Juli

2014

Versicherungsgefahr

Die Welt ist voller Gefahren. Weshalb sich der Mensch gegen alles, was passieren kann, und vieles, was nie passieren wird, versichern lassen muss/kann – vom Autokratzer bis zum Nasenringbruch. Nur wenn wirklich was passiert, werden Versicherungen gerne ungehalten. Das funktioniert dann so: Ein Autofahrer erhält Mitte Juli die Nachricht, dass seine Haftpflichtversicherung per 1. Juni 2014 mit "Ablaufkündigung" beendet sei. Er alarmiert seinen Versicherungsberater, in dessen Namen, aber ohne …

17.

Juli

2014

Spionage und Ketchup (II)

Wieso  behaupten Sie, fragt Leser K. nach dem gestrigen Text über Spione und Ketchup, dass  Ketchup nicht amerikanischen Ursprungs ist – wessen dann? Küchenetymologisch ist ja so manches offen. Zum Beispiel wird  bis heute gestritten, ob Marco Polo die Ravioli nach China brachte, wo sie  zu Wan Tan wurden, oder ob er die Wan Tan von dort mitbrachte und aus ihnen   Ravioli schuf  – wenn der Marco überhaupt je in China war. Das Wiener Schnitzel wiederum  …

16.

Juli

2014

Spionage und Ketchup

Seit bekannt ist, dass US-Geheimdienste auch bei ihren Freunden spionieren wie Hölle, überlegen die Freunde, wie dem Einhalt zu gebieten sei. Der Vorschlag, den Amerikanern kräftig die (Rechts-)Meinung zu sagen, ist nett. Stieße aber ungefähr auf so viel Verständnis, als wollte man ihnen erklären, dass Ketchup ursprünglich keine amerikanische Erfindung ist (und schon gar nicht zu Austern passt). Der deutsche Vorschlag, Protokolle nur noch mit Schreibmaschine zu verfassen und vom Netz …

16.

Juli

2014

Spionage und Ketchup

Seit bekannt ist, dass US-Geheimdienste auch bei ihren Freunden spionieren wie Hölle, überlegen die Freunde, wie dem Einhalt zu gebieten sei. Der Vorschlag, den Amerikanern kräftig die (Rechts-)Meinung zu sagen, ist nett. Stieße aber ungefähr auf so viel Verständnis, als wollte man ihnen erklären, dass  Ketchup ursprünglich keine amerikanische Erfindung ist (und schon gar nicht zu Austern passt). Der deutsche Vorschlag, Protokolle nur noch mit Schreibmaschine zu verfassen und vom Netz …

15.

Juli

2014

Und jetzt? (II)

Und jetzt?", lautete die gestern an dieser Stelle gestellte Frage, wie umgehen mit der nun Fußball-losen Zeit. Dabei hätte gerade Österreich allen Grund, sich post WM ausgiebig mit Fußball zu befassen. 1) Deutschland wäre ohne uns definitiv nicht Weltmeister: Die deutschen Kicker mussten sich in der WM-Quali erst mühsam an Arnautovic & Co. stählen (5:1 in zwei Spielen), ehe sie Brasilien mit 7:1 aus dem Bewerb und sich mit einem 1:0 gegen Argentinien zum Championtitel schossen. 2) siehe 1…

14.

Juli

2014

Und jetzt?

Der Schock wird möglicherweise erst am Abend einsetzen, wenn Hunderttausende wie gelernt um 18.00 und 22.00 Uhr ihre Fernsehgeräte in Betrieb nehmen und dort nicht WM, sondern öde Serien wie „The Big Bang Theory“ vorfinden und sich in weiterer Folge gezwungen sehen, mit ihren Partnern zu sprechen.  Viele Beziehungen werden unter dieser ungewohnten Belastung zerbrechen, angeblich erwägt das Familienministerium deshalb den Einsatz fliegender Kriseninterventionsteams. Immerhin haben wir …

13.

Juli

2014

Das Finale – klarer Fall

Heute Abend, 21 Uhr, Deutschland – Argentinien. Das Schönste vor so einem Spiel ist ja das Spiel mit der Statistik, um zu wissen, wie’s ausgeht. Also: Noch nie hat eine europäische Mannschaft auf dem amerikanischen Kontinent einen WM-Titel errungen. Und von zehn südamerikanisch-europäischen Finali gingen acht nicht an Europa. Klarer Fall für Argentinien also. Deutschland spielt heute sein 8. WM-Finale (bisher drei Siege), Argentinien erst sein 5. (zwei Siege). Und die Deutschen stürmten mit 1…

12.

Juli

2014

Umsonst ist nichts (II)

Gestern haben wir hier von der neuen Geschäftsidee des Erfolgsautors George R. R. Martin berichtet: Er verkaufte Charaktere im neuen "Game of Thrones"-Buch. Die Figuren werden nach dem Namen der Käufer benannt und bekommen einen ausgefallenen Tod. Wer nun mutmaßt, der Autor wolle sich um den Erlös ein drittes R. für seinen Namen kaufen, der irrt: Martin unterstützt ein Wolfs-Reservat und bedürftige Mitmenschen. Diese Geschäftsidee lässt sich ausbauen. Etwa so: Andreas Gabalier verkauft eine …

11.

Juli

2014

Umsonst ist nichts

Immer wieder stehen wir im Leben vor der Frage: Was kostet das? Und daraus folgt: Wer soll das bezahlen? Was kostet es, will man sich zum Beispiel eine kaputte Hypo Alpe-Adria kaufen und zu Hause aufstellen? (Irgendjemand hat ausgerechnet, dass man um das Geld, das die Hypo kostet, jedem zweiten Österreicher eine Zahnspange kaufen könnte, ob er will oder nicht.) Eine finanzielle Überraschung erlebte wiederum ein Mann in Ohio, meldet die Welt: Er setzte auf die beliebte Methode des "…

10.

Juli

2014

Superlativ einordnen

"Hast du gestern ...?" – Wenn ein Tag überall mit der einen Frage beginnt, ob man am Vorabend das gesehen hat, dann war das etwas kaum Glaubliches. In der Tat: Dem Fußball-Rekordweltmeister im eigenen Land sieben Bummerln machen, wie das in Österreich hieße (wird’s aber nie heißen), ist Fußball-epochal. Oder, wie die deutsche Kanzlerin sprach: "schon fast historisch". Wollten wir es vergleichen, so wär’s, als führen uns auf der Streif sieben brasilianische Skihinunterfahrer um die Ohren und …

09.

Juli

2014

Keine Mördermuschel?

Seit Nessie seine Karriere beendet hat, treiben Boulevardmedien jedes Jahr ein neues Tier durchs Sommerloch. Wir erinnern uns (oder auch nicht) an: Fluchtkuh Yvonne; die überall lauernde Dornfingerspinne; diverse Killer-Schildkröten und noch mehr Kampfkarpfen in diversen Badeteichen; Wut-Wespen und Mörder-Mücken. Das interessanteste Sommertier war das Drautal-Krokodil, das Kinder im Fischgewässer von Kurt Scheuch gesehen haben wollten, als es ausgerechnet in einen Schuh der Marke Crocs biss. …

08.

Juli

2014

Beneidenswert heikel

Deutschlands Führung hat’s nicht leicht. Weil: Der Verkehrsminister muss eine versprochene Straßen-Maut umsetzen, die am Ende nur Ausländer trifft. Was heikel ist, weil die EU nicht mag, wenn ein Land seine Leut’ bevorzugt und gegen andere raubrittert.Der Bundespräsident muss ausrücken und "Jetzt reicht’s aber auch mal!" sagen. Heikler Grund: Die Amerikaner ließen in Deutschland u. a. ausspionieren, was die Deutschen übers jahrelange Ausspionieren durch die Amerikaner wissen. Und der …

07.

Juli

2014

Wie gut geht es uns?

Unser Leser Heinz R. weist uns auf etwas hin: Dass es uns nach wie vor ziemlich gut geht: "Es gibt Tausende von Menschen, die sich wünschen, in einem Land wie Österreich leben und arbeiten, vielleicht auch einfach nur existieren zu dürfen. All unserer auf einer tiefen Unsicherheit und Identifikationskrise basierenden politischen und gesellschaftlichen Mankos und Makel zum Trotz." Heinz R. hat recht. Es liegt im Wesen des Mediengeschäfts, dass man dem Nichtfunktionierenden mehr Aufmerksamkeit …

06.

Juli

2014

Hairburt, wir wir sagen

Schon jetzt lässt sich sagen: Falls die WM wirklich einmal vorbei sein sollte, dann werden wir die Schlagoberssprays der Schiedsrichter weniger vermissen als die drolligen Abkürzungen der FIFA. FRAGER (France – Germany) klingt wie der nervige kleine Bruder vom Antworter. Und BRACOL hört sich an wie ein blähendes, gesundes Gemüse, das von Kindern gehasst wird. Der ORF dürfte nicht unfroh sein, dass es COLumbien aufgeBRAckt hat, denn dadurch haben die Diskussionen um James Rodriguez ein Ende. …

05.

Juli

2014

Die Verschlandung

Die deutsche Nationalmannschaft quälte sich ins WM-Halbfinale – gegen schwache, am Fußballspielen eher desinteressierte Franzosen. Das bedeutet: Unsere Nachbarn bleiben noch ein paar Tage Schland, bevor sie wieder zu Deutschland werden. Den Begriff "Schland" – abgeleitet vom auf der zweiten Silbe betonten Schlachtruf "Deut-SCHLAAAND" – hat übrigens laut einem Bericht von Spiegel.de der TV-Entertainer Stefan Raab 2002 als Erster verwendet. Und Raab hat sich auch tatsächlich die Markenrechte an …

04.

Juli

2014

Überspannt?

Der Champions-League-Quali-Schlager Lincoln Red Imps (Gibraltar) gegen HB Torshavn (Färöer) entschädigte auch nicht für den spielfreien Tag bei der Fußball-WM, zumal der ORF aus unverständlichen Gründen nicht übertrug. Und auch das Wettlesen in Klagenfurt ist kein adäquater Ersatz. Aber immerhin spuckt dort keiner zwecks Abgrenzung des Territoriums auf die Wiese, und schöne Schiri-Fehlentscheidungen gibt es auch. Noch wird das alles durch die vielen aufregenden Spiele überdeckt, aber man wird …

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