Zur mobilen Ansicht wechseln »

26.

November

2014

Vom Hund gefressen

Heuer wird es eine Rekordzahl an Vignetten-Sündern geben. Ein möglicher Grund dafür ist die wachsende Navi-Gläubigkeit – eine beliebte Ausrede erwischter Vignettenloser lautet jedenfalls: Mein Navi hat mich auf die Autobahn gelockt. Andere Ausreden, welche die Kontrolleure oft zu hören bekommen: Mein Kind hat die Vignette versteckt/mein Hund hat sie gefressen. Österreich ist ja ein Ausreden-Staat, in der Politik  geht es dabei besonders kreativ zu in unserer Wo-woar-mei-Leistungs-…

25.

November

2014

Aber abends bin ich wach

80 Prozent der Österreicher sagen laut Umfrage, dass sie sich müde und ausgelaugt fühlen. Also wenn man sich so umhört in diesem Herbst, der langsam dem Winter entgegen schlurft, dann dürfte das schon hinkommen: "Danke, müde" ist die häufigste Antwort auf die nie nach einer wirklichen Antwort heischende Frage "Wie geht’s?" Als Grund für die Müdigkeit nennen die meisten "zu wenig Schlaf". Das ist insoferne gar nicht so unüberraschend, als ja auch Anderes müde machen kann: Sport, Arbeit, das …

24.

November

2014

Läuft

Unsere Großeltern sagten „toll“ oder „prima“, unsere Eltern „klass“ oder „lässig“, wir sagten „cool“ oder „geil“. Als unsere Kinder klein waren, sagten sie „geilu“, als sie etwas größer waren, sagten sie „krass“, als sie noch etwas größer waren, sagten sie „krassomat“, als sie so groß waren, dass sie vor  Coolheit kaum noch aufrecht stehen konnten, sagten sie „swag“. Jetzt sagen Jugendliche „Läuft bei dir“, wenn sie zum Ausdruck bringen wollen, dass  sie ihr Gegenüber  und im&…

23.

November

2014

Bräuche und Niveau

Möglicherweise ist die wichtigste Meldung der Woche ja an Ihnen vorbeigestrichen, deshalb hier noch einmal: Der Handel geht, was das Weihnachtsgeschäft betrifft, "vom Vorjahresniveau aus". Gottessohn sei Dank! Wo kämen wir hin, wenn sich Bräuche, Geschäft und vor allem Niveaus änderten? Für Weihnachten sehen die so aus: Die ersten Lebkuchen im Supermarkt gibt’s Anfang August; das erste "Last Christmas" im Radio sowie Christbaumschmuck im Möbelhaus Anfang Oktober; die Adventmärkte und das …

22.

November

2014

Lockruf der Müdigkeit

Wieso liegen die Impulskauf-Produkte im Supermarkt immer bei der Kassa? Warum finden wir in Möbelhäusern ganz am Ende der Reise durch die Regal-Straßen so viele unnütze Verlockungen („Jö schau, eine Vanilleduftkerze in Mops-Form!“)? Weil wir da, sagen Psychologen, von den vielen Kaufentscheidungen schon ermattet sind und unsere Widerstandskraft  nachlässt. Verantwortungsträger wie US-Präsident  Obama oder Facebook-Chef Mark Zuckerberg  begründen, so berichtet die New York Times,…

21.

November

2014

Spontane Gastfreundschaft

Von "Wanderungsgewinnen" sprechen Statistiker, wenn die Bevölkerung eines Landes nicht durch Fortpflanzung, sondern durch Zuwanderung wächst. In der breiten Bevölkerung ist diese positive Beschreibung allerdings noch nicht angekommen. Die Mehrheit fühlt den Wanderungs-"Gewinn" nicht und nimmt sich als Verlierer wahr: Sind die neuen Nachbarn Schlüsselarbeitskräfte, die gut bezahlte Posten besetzen, heißt es, leicht beleidigt: "Wieso bekommen Ausländer Jobs, die uns Österreichern guttäten?" Sind …

20.

November

2014

Auf Ohrenhöhe, bitte

Was für ein Unterschied! Nein, nicht fußballerisch. Auch wenn Brasilien vielleicht außer Tritt sein mag, ihm das 1:7 gegen Deutschland bei der Heim-WM noch in den Knochen steckt und die Selecao außer beim Foulen nicht mit letztem Einsatz spielte: Österreich kickte mit dem fünffachen Fußballweltmeister trotz knapper Niederlage auf Augenhöhe. Chapeau! Aber auf Ohrenhöhe? Habt ihr die beiden Hymnen gehört, vor dem Match? Erst die Hino Nacional Brasileiro, feurige Weise mit Stolz und Freude aus …

19.

November

2014

Wer wagt es?

Die Idee geht so: Eine gemeinsame Schule der Fünf- bis 14-Jährigen (also vom Kindergarten bis zum Ende der Schulpflicht); und zwar mit verpflichtenden Unterrichtszeiten bis 15.30 Uhr und Betreuungsangeboten bis 19.00 Uhr. Kurz: Eine Gesamt- und Ganztagsschule. Die Horrorvorstellung für die ÖVP und alle streng konservativen Denker. Welche linkslinke Organisation erfrecht sich, solche Vorschläge zu machen? Es ist die ÖVP-nahe Industriellenvereinigung, des Linksabweichlertums eher unverdächtig. …

18.

November

2014

Fisch

Low fat, Kalorien-zählen, FdH – alles für die Fisch’, sagt eine Studie, derzufolge nur die mediterrane Küche, vor allem der Fisch, schlank macht. Dummerweise geht’s dem Fisch wegen Überfischung gar nicht gut. Etwa dem chinesischen Kugelfisch: Laut Weltnaturschutzunion ist der Bestand des Takifugu chinesis in nur 40 Jahren um 99,99 Prozent geschrumpft (wie immer man das so exakt zählt). Weil die Japaner den giftigen Fisch so gerne speisen. Also seine nicht-giftigen Teile. Der Blauflossen-…

17.

November

2014

Einen Tiger aufgebunden

Ist das nicht eine schöne Geschichte? Tagelang ließ sich die Weltöffentlichkeit einen Tiger aufbinden. Die Medien berichteten begeistert über die Tigerjagd bei Paris. Jemand hatte auf einem Parkplatz etwas fotografiert, was ein Tiger sein könnte (oder auch ein Sack Kartoffeln). Hunderte Polizisten und Feuerwehrleute suchten daraufhin tagelang die Gegend ab, die Anrainer wurden behördlich angewiesen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Dass in französischen Wäldern gar keine Tiger wachsen, dass …

16.

November

2014

Funktioniert ja

Nachtrag zur Woche: Die Rettungsgasse. Sie ist Gradmesser für den Intellekt. Für den der Autofahrer, die es nicht schaffen, sie zu bilden, die sie boykottieren, weil es eh einen Pannenstreifen gibt, oder die sie zum Kilometergewinnen nutzen. Und für den der Rettungsgassen-Einführer, die sie gegen alle Einwände durchgepeitscht haben.Nun hat der Rechungshof bestätigt: Zeitersparnis für Einsatzkräfte hat die Rettungsgasse keine erbracht. Dafür wurden die Ersparnisse der Republik angeknabbert. Um …

15.

November

2014

Ohrwaschl

Dieses Wochenende eröffnen die ersten Weihnachtsmärkte. Und Ende dieser Woche trat Ernst Strasser seine dreijährige Haftstrafe an. Das hat nur scheinbar nichts miteinander zu tun. Denn laut Umfrage wollen 85 Prozent der Österreicher heuer Adventmärkte besuchen und dort 57 Euro pro Kopf ausgeben. Und der Online-Shop der heimischen Justizanstalten bietet von Häftlingen gefertigte Produkte, Brettspiele bis Krampusglocken, passend zur Weihnachtszeit. Was für ein Angebot ist da denkbar! Ein …

14.

November

2014

Wut und Watschen

Erziehung ist harte Arbeit, die keine Ruhezeiten kennt und dennoch häufig zu nichts führt. Denn Erziehung ist oft der Versuch, die eigene Unvollkommenheit in wohlgeratenen Nachkommen zu kompensieren; das unendliche Bemühen, dem geliebten Kind alle Fehler zu ersparen, die man selbst um jeden Preis machen wollte. Man erzieht und erzieht und zieht dabei oft am falschen Ende. Bis man eines Tages erkennt, dass das Vorleben – das unbewusste So-Sein der Eltern, das Kinder Tag für Tag beobachten – …

13.

November

2014

Der Komet

Der Komet, um den sich alles dreht, weil er gestern Besuch von der Raumsonde Rosetta bekam, heißt offiziell 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Wissenschaftler nennen ihn liebevoll "Tschuri". Jetzt beschreibt "Tschuri" im Wienerischen aber was ganz anderes, nämlich die freigesetzte Befruchtungsflüssigkeit des Mannes. Der große Georg Danzer selig hat sie im Lied vom Tschurifetzen verewigt, der ihrer Beseitigung dient. Wir wollen jetzt nicht der Zote erliegen, ob der Spitzname für den Kometen eh passt,…

12.

November

2014

Selbstbeobachtung

Steirische  Forscher planen eine hochinteressante Versuchsreihe: Testpersonen sollen Krankheitssymptomen mithilfe des Internets auf den Grund gehen. Zu erwarten sind drastische Ergebnisse. Da im Netz das Außergewöhnliche  mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Wahrscheinliche, neigen im Internet recherchierende Patienten dazu, sich selbst schreckliche Diagnosen zu stellen. Der legendäre  Buchautor und Psychotherapeut  Paul Watzlawick (als Philosoph ein „Konstruktivist“) wies …

11.

November

2014

Ano Nym geht in Pension

Eine Ära geht zu Ende: Nach 27 Jahren schickt  die Firma Merkur ihre Werbefigur Ano Nym in Pension. Der Qualitäts-Sheriff sei nicht mehr zeitgemäß, heißt es. 1987, als Ano Nym seinen Dienst antrat, war Ronald Reagan Präsident der USA. Thomas Gottschalk moderierte sein erstes „Wetten, dass ..?“ und trug silberne Stiefel. Nummer eins der Jahres-Hitparade war Reinhold Bilgeri. Im Kino dominierte „Crocodile Dundee“. Man sieht: Überall echte Männer mit einem Hang zum Cowboyhaften. Da passte …

10.

November

2014

Kopf ohne Gesicht

Während die Arbeitslosigkeit steigt, herrscht in einer Berufsgruppe offenbar Bewerbermangel: in jener der FPÖ-Politiker. So sucht man für die Gemeinderatswahlen in Niederösterreich derzeit Kandidaten mittels Plakaten, auf denen ein – noch – gesichtsloser Kopf prangt. Die Suche gestaltet sich vielleicht auch deshalb so schwierig, weil in der FPÖ-Niederösterreich ein Niveau herrscht, auf das sich moralisch halbwegs grundgefestigte Menschen selbst mit heftiger Charakterakrobatik nicht begeben …

09.

November

2014

Verschenkt

Sollte Ihnen dieser Tage ein Mann mit Radlerbrille und Cowboystiefeln über den Weg laufen: Das ist nur der neue ÖVP-Chef, der seine Geschenke ausführt. Die Radlerbrille bekam er im Vorjahr von Karlheinz Töchterle, als er dessen Wissenschaftsagenden zusätzlich zu jenen des Wirtschaftsministers übernahm. Und die Cowboyboots überreichte ihm gestern sein Amtsvorgänger Spindelegger. Der Ex-ÖVP-Chef verschenkt offenbar gern Dinge, die er selbst dringend gebraucht hätte: Sein Nachfolger im …

08.

November

2014

Minussprechen

Wir leben in einer Zeit der merkwürdigen Sprache: Die Wörter tun so, als wüssten sie nicht, was sie bedeuten. Kollege Schwarz hat an dieser Stelle gestern die „Negativzinsen“  erwähnt: Sie fallen dann an, sollten Banken ihren Sparern Gebühren verrechnen, damit sie deren Geld aufbewahren.  Das erinnert an das „Minuswachstum“. Dieses Wort zeigt, wie Menschen in der Wirtschaft denken: Etwas anderes als Wachstum ist nicht vorstellbar. Vielleicht werden wir ja, wenn die Krise länger …

07.

November

2014

Negativzinsen

Man kann sein Geld auf verschiedene Arten loswerden. Zum Beispiel, indem man einer Mail-Aufforderung wie dieser folgt: "Wir haben eine ungewohnliche Aktivitat auf Ihrem Konto festgestellt . Ihr Konto ist begrenzt . Bitte, fullen Sie folgende Schritte aus und wir werden Ihnen eine E-mail mit Nachricht zuschicken, dass Ihr Konto wieder aktiv ist." Der Absender "paylife" klingt wie Programm: Das Leben ist ein einziges Zahlen, manchmal an die Falschen. Man kann sein Geld auch zur Bank tragen. …

Bitte Javascript aktivieren!