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Kurier Fotowettbewerb 2014

16.

September

2014

Koffer

Der Koffer ist in Verruf. Nicht erst seit Michael Häupl seine politischen Gegner "mieselsüchtige Koffer" nannte, ist das Gepäckstück, auf einen Menschen angewendet, Synonym für den unbeweglichen und dummen Zeitgenossen. "Er ist der gleiche Koffer wie als Spieler" sprach nun ein Fußballer über einen gegnerischen Trainer, der für diese Emotion Verständnis zeigte: "Ich hätte ein Problem, wenn er ein Leberkäse wäre, der nichts sagen würde". (Die despektierliche Bedeutung des Wortes "Leberkäse" …

15.

September

2014

Geschäft mit Peinlichkeit

Was tut man, wenn man die Hochzeitsshow des Baumeisters, Zitat, als "peinlich", "megapeinlich", "Grusel" sowie "zum Fremdschämen" empfindet? Genau: Man widmet der Baumeisterhochzeit fünf Seiten plus den Blattaufmacher, wie es eine Gratiszeitung tat. Wir leben in einer Zeit, in der das Megapeinliche als die wichtigste Nachricht des Tages gilt, in der man vor lauter Fremdschämvergnügen verlernt hat, sich selber zu schämen. In der man, wenn man darauf hinweist, dass etwas Megapeinliches eben …

14.

September

2014

Wut-Omas greifen an!

Die Angst geht um im Land. Seit eine Pensionistin im ORF-Sommergespräch den Vizekanzler mit entsicherter Handtasche dazu zwang, mit ihr mehrere Gläser lauwarmen Bieres zu trinken, ehe ihm schwer traumatisiert die Flucht gelang, ist man nirgends mehr sicher vor den "Wut-Omas". Erst gestern soll es in der Billa-Filiale von Biedermannsdorf zu Ausschreitungen gekommen sein. Marodierende Pensionistinnen zogen sengend und brennend durch die Regalgassen, nahmen mehrere Liter laktosefreie Milch als …

13.

September

2014

Das große Schlaf-Los

Der Schlaf des Menschen ist, sehr frei nach Schnitzler, ein weites Land. Die entlegensten Punkte der Erde hat der Mensch schon vermessen. Nur das, was in seinem eigenen Kopf während des Schlafes vorgeht, ist ihm ein Rätsel. (Nicht nur während des Schlafs, ist man geneigt hinzuzufügen.) Die Schlafforschung ist eine Wissenschaft, die um Anerkennung kämpfen muss. Ein Wiener Professor, der sich mit Schlafmedizin befasst, erzählte dem Autor unlängst, er gelte unter Kollegen immer noch als Exot. …

12.

September

2014

Lautstarker Flüsterer

Demnächst wird die Zahl der Hunderatgeber die der Kindererziehungsbücher übersteigen. Kein Wunder. Immer mehr Hunde sind Ersatzkinder und werden als solche behandelt. Was oft zu Verhaltensunregelmäßigkeiten führt, die neue Ratgeberliteratur erfordern. Immer mehr Hundeschulen, -coaches, -trainer beraten immer mehr hilflose Hundehalter. Und jetzt kommt er nach Wien. Der angeblich größte Hunde-Reparierer der Welt: Cesar Millan, begnadeter Selbstinszenierer, gnadenloser Hundebezwinger. Die ganze …

11.

September

2014

Es ist (fast) aus

Zum Beziehungsstatus zwischen England und Schottland kursiert derzeit im Internet ein guter Witz. Schottland: "Ich verlasse dich." – England: "Das kannst du nicht machen ..." – Schottland: "Es ist aus." – England: "Aber ich bin schwanger!" Eine Woche vor der Abstimmung über eine mögliche Unabhängigkeit Schottlands steigt bei Englands Politikern die Nervosität, im gleichen Ausmaß wie der Prozentsatz der Befürworter einer Trennung. Sogar der Ausgang der Spiele des schottischen Nationalteams …

10.

September

2014

Stoßfest surfen

Apple bringt ein neues iPhone heraus. Smartphones werden ja immer größer, Tablets immer kleiner, der Unterschied liegt in einer neuartigen Funktion, mit der gute Smartphones ausgestattet sind: Man tippt eine Zahlenkombination ein und kann mit Menschen sprechen, die ganz weit entfernt sind – IT-Experten nennen das "telefonieren". Entscheidend bei Smartphones ist: Man muss mit ihnen surfen können. Das ist der Hauptgrund dafür, dass die Geräte immer größer werden – mit kleineren …

09.

September

2014

Schaukampf in Wien

Das politische Armdrücken wird wieder einmal auf der Schulbank ausgetragen. Diesmal: Blau gegen Rot. Wer verliert, steht fest: die Schule. Wer gewinnt: Rot und Blau. Beide liefern sich in Wien ein Western-reifes, hoch medienwirksames Scharmützel um die Umbesetzung des Vize-Stadtschulratspräsidenten. Also einen Schaukampf im Wahlkampf, während die Mitbewerber blass danebenstehen. FP-Chef Strache forderte den Bürgermeister zum Duell, indem er Häupl einen möglichst inakzeptablen Kandidaten …

08.

September

2014

Zeitverlust (II)

Die Zeit vergeht immer schneller. Nicht nur, weil man älter wird (angeblich beruht dieser Effekt darauf, dass man Zeit in Bezug zur bereits hinter einem liegenden Lebensspanne setzt, und ein  Jahr daher im Vergleich immer kürzer wird).  Sondern grundsätzlich. Laut Studien erhöht sich das Lebenstempo: Die Geh-Geschwindigkeit steigt, die Schlafzeit sinkt, zehn Jahre fühlen sich für einen Menschen des Jahres 2014 nur noch wie fünf an. Philosophen schreiben Bücher zu dem Thema, deutsche …

07.

September

2014

Zeitverlust

Im Radio-Verkehrsfunk wird seit einiger Zeit immer der zu erwartende "Zeitverlust" dazugesagt: "In der Westeinfahrt verlieren Sie zehn Minuten." (O.k., das war jetzt kein gutes Beispiel – also 45 Minuten.) Das ist irgendwie süß, denn man kann Zeit ja gar nicht verlieren (auch nicht liegen lassen, nicht einmal beim Skirennen). Bzw.: Man kann sie nicht nicht verlieren. Wir verlieren mit jeder Sekunde, die wir leben, Zeit. Wenn wir im Stau stecken, verbringen wir sie nur anders als geplant. …

06.

September

2014

Die Lehne (II)

Die Flugzeug-Rückenlehne beschäftigt. "Wieso ist verhaltensauffällig, wer sich die Freiheit nimmt, die Lehne nach hinten zu kippen?", fragt Leser P. zum gestrigen Text an dieser Stelle. Auch wieder wahr. Wo die Freiheit über den Wolken (und auf dem Weg dorthin) doch ohnehin schon lange nicht mehr grenzenlos ist. Wir müssen den Boarding-Pass an renitenten Automaten selbst ausstellen und bald das Gepäck eigenhändig zum Flugzeug tragen; selbst der Frühflug wird meist zum Verspätungsflug; die …

05.

September

2014

Die Lehne

Wir lesen in jüngster Zeit häufig davon, dass Flugzeuge ungeplant landen müssen, weil Passagiere über gekippte Sitzlehnen in derben Streit geraten. Jetzt ist das Flugzeug ja von Haus aus schon ein idealer Platz für Charakterstudien – wer reist im Jogginggewand; wer hamstert Gratisgetränke; wer springt schon beim Touch-down zum Handgepäcksfach, usf. Bei der Lehne gibt’s gleich mehrere Typen: Den Zappelphilipp, der sie nicht verstellt, aber so ruhelos sitzt, dass es einem Erdbeben (recte: …

04.

September

2014

Erfolgreich verschenken

Hat er, oder hat er nicht? Mehr als 100 Millionen Euro? Der neue Finanzminister sagt in alle Mikros, er habe "um eine Null weniger" und dann noch etwas weniger. Der neue Mehrheitseigentümer der Sammlung Essl hatte die Summe, hat sie aber für Kunst ausgegeben. Zwei schöne Nachrichten für Steuerzahler. Heißen sie doch im Klartext: Der Finanzminister hat ein beruhigend hohes Privatvermögen und geht somit nicht des Geldes oder der Bereicherung wegen arbeiten (erfreulich in einem Land, in dem …

03.

September

2014

Slalom

Österreich. Pfannenförmiges Land, wo zwar der Rücktritt einer Skifahrerin live übertragen wird, nicht jedoch der des Vizekanzlers. Andererseits: Sie hat den Termin länger angekündigt und außerdem geweint. (Und so merkwürdig sind wir auch wieder nicht – in Island z. B. wurde gerade der Bau einer Straße verzögert und ein tonnenschwerer Fels versetzt, weil dieser laut Aussage einer Elfen-"Sprecherin" Wohnsitz von Elfen sei.) Unklar ist noch, wer Marlies Schild im Damenslalom nachfolgt – …

02.

September

2014

Im Neandertal

Ein Österreicher hat eine Zigarettenmarke namens "Tschick" erfunden, und das ist genial: Die Politik, immer um eine weitere Entmündigung ihrer Bürger bemüht, arbeitet ja an einer Vereinheitlichung aller Zigaretten in Geschmack und Design – sie sollen nicht mehr "sexy" sein. Vielleicht wird es dann nur noch eine Marke namens "Zigarette" geben – da wirkt "Tschick" wie ein letztes Aufbegehren der Individualität. Da rauchen jedoch höchst ungesund ist (Sie haben vermutlich schon davon gehört), wäre …

01.

September

2014

MA-Logik

Nicht erst seit der TV-Serie MA 2412 wissen wir, dass Magistratsabteilungen auch sehr, sagen wir einmal: originell sein können. Etwa die MA 67.  Für alle Nicht-Wiener: Das ist jene Behörde,  die Parksünder mit Bußen belegt. Die verschickt sie per RSa-Brief, damit keiner sagen kann, er habe sie nicht erhalten. Logisch. Was zur Folge hat, dass man – weil zu Postzustellzeiten selten zu Hause –  einen gelben  Abholschein der Post  vorfindet. Der Delinquent, gerade …

31.

August

2014

Gruß vom Schläfer

Liebe NSA! Ausnahmsweise hier etwas in eigener Sache: Ich habe zuletzt viel im Netz gesucht und die Wörter Abhören und Datensammlung verwendet, weiters Drohnen und Eliminieren. Auch Secret Service kam vor, ich fürchte sogar Terror und Bombe! Dschihad weiß ich nicht mehr, könnte aber sein. Ich weiß, dass Sie das registriert haben. Dass ein Programm das alles aus meinem kleinen Web scannt und in Ihrem großen zusammenführt, mit was auch immer. Und dass jetzt alle Alarmglocken schrillen bei Ihnen.…

30.

August

2014

Mission Unmögliches

Er übernimmt also das Himmelfahrtskommando in der Himmelpfortgasse. Da wird Hans Jörg Schelling zwei Verbündete brauchen: Ehrgeiz und Humor. Beides scheint er zu haben. Wenn man früheren Interviewaussagen glauben darf, die er einst als überraschend erfolgreicher XXXLutz-Geschäftsführer tätigte (überraschend war der Erfolg nicht für ihn, nur für die anderen). So erklärte der Mann, der sich als Jäger ("nicht als gelernter Jäger, sondern als einer, der Ziele jagt") bezeichnet, seine Strategie: "…

29.

August

2014

Relativ absolut (II)

Zur Geschichte über den Dschungel der Wörter, in dem sich Politiker gerne verirren (der neue ÖVP-Chef sah "relativ" keinen Spielraum für eine Vermögenssteuer, und "relativ" sei "absolut zu verstehen"), machen uns Leser auf weitere Beispiele aufmerksam: Das "Es ist an mich herangetreten worden …" des Alois Stöger ist auch sehr hübsch – aber als neuer Verkehrsminister wird er schon wissen, wie "es" wo und wie an was herantritt. Ein Meister des undurchdringlichen Wortdschungels war immer schon …

28.

August

2014

Relativ absolut

Eine der Herausforderungen des Politikers ist ja, sich nicht festzulegen und dann doch wieder, ein bisserl wenigstens. Zur Lösung dieses Spagats flüchtet er sich gerne in den Dschungel der Wörter und ihrer vielfachen Verwendungsmöglichkeit. Zwei Beispiele: Auf die Frage nach der Einführung von Vermögenssteuern sagte der neue ÖVP-Chef: "Da sehe ich relativ keinen Spielraum, relativ ist absolut zu verstehen." Das ist genial. Entweder ist der nicht gesehene Spielraum absolut relativ, dann ist …

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