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31.

März

2015

Verzicht

Weil „Verzicht“ gerade  so en vogue ist. Und weil viele jetzt im Fasten-Endspurt besonders motiviert sind. Und weil das mitunter zu schrägen Sozialphänomenen wie „Autofasten“ oder „Handyfasten“ führt: Es gibt auch Formen des Verzichts, die andere bereichern. Ein Wiener verzichtete auf Geschenke zum 70er, forderte aber Freunde und Verwandte auf, zu prüfen, worauf sie verzichten könnten, um Bedürftigen damit zu helfen. Das sollten sie ihm bringen. Dieser Tage lieferte der Mann mehrere …

30.

März

2015

Ich rede, also bin ich

Seit einer Woche wird vor allem eines gemacht: Worte. Jeder hat jetzt etwas, und zwar etwas zu sagen, und wer nichts hat, besorgt sich etwas, das er sagen kann. Das ist die derzeit wichtigste Form des Besitzes.  Alle sagen etwas, das Gesagte schwillt zur Flut und die Flut muss abgeleitet werden, dafür gibt es Kanäle: all die vielen sozialen und asozialen Medien. Jeder kommt jetzt zu etwas, nämlich zu Wort: die Betroffenen, die Heuchler, die Empörten. Die über die Empörung Empörten. Die …

29.

März

2015

Vor oder zurück

Sage keiner, Volkes Stimme habe in Russland kein Gewicht: Weil der Russe (und Wladimir Putin) Frühaufstehen nicht mag und sich in seinem Rhythmus gestört fühlte, hat der Kreml-Chef die jahrelang geltende Sommerzeit abgeschafft. In Russland hat es nur noch Normalzeit (böse Zungen sagen: ewige Winterzeit). Soll heißen, heute Nacht haben die Russen ihre Uhr nicht ... Ja, was genau eigentlich? Nicht vor - oder nicht zurückgestellt? Nicht eine Stunde gewonnen oder sie nicht verloren? Konnten sie …

28.

März

2015

Atemlos

Bei tragischen Ereignissen schlägt immer auch die Stunde der sogenannten Experten. Das ist legitim, auch wenn sich Experten und Medien oft schwer tun – man weiß ja zunächst nix Genaues. So wurde zwei Tage lang über Außensensoren/Innencomputer im Airbus diskutiert und deren Anfälligkeit/Verlässlichkeit argumentiert. Bis sich erwies, dass ein Mensch das Flugzeug abstürzen ließ. Weil dieser vermutlich krank war, erstellen Psychiater und Psychologen Ferndiagnosen über behandelte/nicht behandelte …

27.

März

2015

Fragen

Was ist die angemessene  Reaktion auf eine so furchtbare Geschichte? Gibt es eine? Ist die Bezeichnung „furchtbare Geschichte“ nicht empörend, weil sie dem Geschehen in keiner Weise gerecht wird? Was heißt hier überhaupt „gerecht“? Ist Schweigen möglich oder doch nur Kapitulation vor dem Lärmen? Soll man in Facebook, dieser Gefühlsaufblähungsanstalt, seine Gedanken artikulieren, auf die Gefahr hin, dass Worte dort oft plump klingen, in der Hoffnung, in einer Art Gemeinschaft eine Art …

26.

März

2015

"Gute Reise!"

Tod durch Losentscheid. Manchmal ist das Leben selbst zynischer als die bissigste Satire. Die Austauschschüler aus Haltern, die beim Airbus-Absturz in Frankreich ums Leben kamen, waren jene 16 Glücklichen unter 40 Bewerbern, die auf die Reise gehen durften. Welche Freude muss das gewesen sein – und welche Verzweiflung, zu wissen, dass das eigene Kind nie wiederkommt. Eltern, die da mitfühlen, werden in sozialen Netzwerken abgekanzelt: "Seconhandgefühle, egozentrische Betroffenheit" ... Ich …

25.

März

2015

Echte Männer

Achtung, irreführende Umfragedaten sind im Umlauf. Eine Partneragentur hat erhoben, was sich Single-Frauen vom Partner wünschen: Zupacken bei Mistkübel, Mixer und Staubsauger. – Nein, das heißt jetzt nicht, dass ohnehin verunsicherte Single-Männer auf Hausmann umsatteln sollen, um mit Freunden über Staubsaugersäcke fachzusimpeln, Dinkelkekskostproben auszutauschen und Green-Smoothies-Rezepte zu kreieren. Nur damit es nachher nicht heißt, niemand habe sie gewarnt: Solche Streber will keine Frau,…

24.

März

2015

Gefährliche Welt

Auch das noch: Keine zwei Wochen vor Ostern müssen wir lesen, dass Ostereier ungesund sind. Die vom Huhn. Nicht wegen Cholesterins (dieser Gefahrenmythos ist ja schon ein bisschen entzaubert), sondern wegen der Ostereierfarben: Vier von fünf enthalten Stoffe, die Allergien + Hyperaktivität auslösen können, hat Greenpeace im Ostereier-Check herausgefunden. Dabei zählen diese Farben noch gar nicht zu jenen 2500 Produkten (Rekord!), die 2014 von der EU als "gefährlich" vom Markt geholt wurden (…

23.

März

2015

Keine Angst

Unseren täglichen Shitstorm gib uns heute: Weil die Firma Apple in einer Smartphone-Software das Emoticon „betende Hände“ ohne den vorher vorhandenen Heiligenschein darstellt, wittern Hysteriker in aller Welt eine geheime Verschwörung gegen die Religion. Den vielleicht lustigsten Shitstorm gab es  im Juli 2014: Ein Poster versah ein Foto, das Regisseur Steven Spielberg auf dem „Jurassic Park“-Set vor dem Kopf eines Triceratops zeigte, mit einem ironisch gemeinten Text – in welchem …

22.

März

2015

Humor: gratis

Er macht schön (weil er vom Grant verzerrte Gesichter wieder zurechtbiegt), er macht gesund (weil er gut für Herz, Blutdruck und Immunsystem ist), er macht schlau (weil man, um ihn handhaben zu können, das Gehirn in Betrieb nehmen muss). Er lässt den Aufgeblasenen die Luft raus, hält den Unsinnredern den Spiegel vor und nimmt den Gscheitredern den Spiegel weg. Er ist – und das ist vielleicht der wichtigste Aspekt – das einzig wirksame Medikament gegen die Angst. Er ist eine starke  …

21.

März

2015

Auf der Suche

Weltglückstag war. Haben Sie es gemerkt? Sagen wir es vorsichtig: So ganz ist der Weltglückstag noch nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Wer gestern tränenden Auges in den Himmel starrte, tat dies vermutlich eher nicht, weil  er dem Glück auf der Spur war – sondern weil er versuchte, gleichzeitig Sonnenfinsternis zu schauen und nicht zu erblinden. Der Weltglückstag wurde deshalb erfunden, damit die Glücksforscher etwas zu tun haben (zum Beispiel, indem sie für ihre …

20.

März

2015

Finsterer Mythos

Aberglauben und Mythen sind Kinder ihrer Zeit. Bei einer Sonnenfinsternis schrien die Chinesen laut, auf dass der Drache die Sonne wieder ausspucke. Indianer schossen brennende Pfeile gen Himmel, damit die erloschene Sonne leuchte. Und in Deutschland fürchten sie heute, dass das Stromnetz kollabiert – nicht weil zu viel Solarstrom wegfällt, wenn’s finster wird, sondern zu viel zu schnell wieder da ist, wenn die Finsternis zu Ende ist. Bei uns besteht die Sorge nicht: a) haben wir nicht so …

19.

März

2015

Schlaue Milch

Es gibt Studien, die helfen einem im Nachhinein nix. Etwa die im renommierten Magazin Lancet veröffentlichte, wonach eine lange Stillzeit später zu höherer Intelligenz und höherem Einkommen führt (ein Jahr Stillen = plus 4 IQ + plus Gehalt). Wenn jetzt jemand fetzendeppert oder kirchenmausarm ist – kann sich der bei seiner Mutter beschweren? Kann er irgendwo nachstillen oder Stillzeit nachkaufen? Und pro futuro: Sollen Mütter künftig gar zwei Jahre stillen, auf dass der Spross später mit zwei …

18.

März

2015

Wir Glücklichen

Das Glück lächelt anderswo. Bei uns trägt es Sorgenfalten und Grantscherbenmundwinkel. Wie sonst wäre es möglich, dass sich die Hälfte der Menschen, denen wir täglich begegnen, als glücklich bezeichnet? Laut aktueller Befragung sind 49 Prozent der Österreicher glücklich. Vielleicht war aber die Fragestellung eine Themenverfehlung. Denn während Soziologen und Psychologen an der Messbarkeit des Glücks herumdoktern, hat der Glücksnormalverbraucher noch keine gültige Maßeinheit parat. Glück lässt …

17.

März

2015

Die Finsternis

Damals, im August 1999, das war noch ein Spaß! Die Krone titelte: „Sonnenfinsternis – Riesenhetz statt Weltuntergang“. Der KURIER nahm die Sonnenfinsternis (auch) als Kulturereignis wahr und druckte eine Theaterkritik ab: „Der eine Hauptdarsteller schiebt sich über den anderen, um ihn anschließend wieder freizugeben: Eindeutig eine sexuelle Metapher“, urteilte unser Kritiker, ein gewisser Guido Tartarotti. 1999 war eine totale Sonnenfinsternis, die ist natürlich spektakulärer als die am …

16.

März

2015

Das Gewächs

Der Vorsatz, diesen Platz hier als Bärlauch-freie Zone zu erhalten, also sich nicht an der jährlichen Debatte der Bärlauch-Umarmer und Bärlauch-Hasser zu beteiligen, ist nicht zu halten. Bitte um Pardon. Denn im heutigen KURIER (Seite 20) findet sich eine Ode an das Wildkraut, das "nicht nur Bären gut tut", sondern, in verspeister Form: antibakteriell wirkt, viele Vitamine enthält, eine Freud’ für Herz, Kreislauf, Magen und Darm ist, Blutdruck und Cholesterin-Spiegel niedrig hält, zudem …

15.

März

2015

Technik und Hirn

Die Technik ist ein Segen – mit ein paar kleinen Kollateralschäden. Wir können nicht mehr kopfrechnen, weil das der Rechner am Handy für uns erledigt. Wir merken uns keine 47 Telefonnummern, ja kaum noch eine einzige, weil wir eh bloß den Namen tippen brauchen (nur am Fremdtelefon sind wir verloren). Aus dieser Technik-statt-Hirn-Welt hat uns diese Woche eine besonders hübsche Geschichte erreicht: Ein belgischer Busfahrer gab den falschen Ort Plagne, Frankreich, in sein Navi ein und fuhr …

14.

März

2015

Fröhliches 3,1415!

Ist Ihnen gestern auch einmal der Kugelschreiber runtergefallen oder sonst eine Katastrophe passiert? Ja, so ist er, der furchtbare Freitag, der 13. Interessanter ist ja der heutige Samstag, der 14. März. Denn er ist Pi-Tag. Und der wird von Mathematik-Fans und anderen Verhaltensoriginellen weltweit mit heftigen Partys gefeiert. Pi-Tag deshalb, weil das Datum 3,14 der berühmten, sagenumwobenen Kreiszahl entspricht. Heuer umso mehr, als die Jahreszahl 15 dazukommt. (An dieser Stelle ein …

13.

März

2015

Schlaf und Bilanz

Neulich wieder gehört: "Ich brauche nur vier Stunden Schlaf." – Manager. Zahlenmensch. Einer, der wohl auch den eigenen Körper regelmäßig zu Mitarbeitergesprächen bittet, um keine zeitintensiven Ruhebegehrlichkeiten aufkommen zu lassen. Einer, der den Schlafentzug als Statussymbol für Effizienz und Unverzichtbarkeit vor sich herträgt. Anderswo gilt Schlafentzug als Foltermethode, in einer bilanzgetriebenen Welt ist er Erfolgsparameter: Wer schläft, ist untätig. Nur der tätige Mensch trägt zum …

12.

März

2015

24-Stunden-Lücke

Ein interessantes soziales Experiment findet in Irland statt: Infolge eines Gerichtsurteils öffnete sich für 24 Stunden eine Gesetzeslücke. Während dieser Zeit ist der Konsum einer Reihe von Drogen legal. Daraus folgt eine spannende Frage: Wie reagieren die sehr katholischen, aber der Unterhaltungschemie durchaus nicht abgeneigten Iren darauf? Mit einer 24-Stunden-Volltankung, die James Joyce stolz gemacht hätte? Der irische Gesundheitsminister appellierte jedenfalls an seine Landsleute, an …

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