Zur mobilen Ansicht wechseln »

25.

Oktober

2014

Auf den Rücken

Die Zahl der ästhetischen Operationen nimmt ständig zu. Interessante Details: Immer mehr Männer und immer mehr ältere Menschen gehen zum Schönheits-Chirurgen. Menschen berichten, dass sie mit verjüngtem Gesicht im Beruf mehr Erfolg hatten, weil ihnen mehr zugetraut wurde (siehe Seite 23). Das ist das eine. Das andere ist: Man darf es nicht zugeben. Schönheits-OPs gelten als peinlich, als Verstoß gegen die Regeln der Natürlichkeit. (Das Ideal der Natürlichkeit ist ein wenig merkwürdig, denn …

24.

Oktober

2014

Ermüdungserscheinungen

In allen Berufsgruppen gibt es Fehler. Sogar bei Journalisten. Vor allem, wenn diese übermüdet sind. So erschien an dieser Stelle einst eine Glosse, in der die Rechnung 44 + 66 = 100 angestellt wurde. Ein Fehler, der wohl eher dem überlangen Wochenenddienst als mangelnder Volksschulreife der Autorin geschuldet war. Die Folge: Binnen 14 Tagen kamen Hunderte – zum Teil nicht unhämisch abgefasste Lesermails – von Nachhilfe-Offerten bis Intelligenztest-Links. Aber es kam niemand persönlich zu …

23.

Oktober

2014

Das Problem

Lieder sind keine vertonten Leitartikel“, sagte Udo Jürgens einmal in einem KURIER-Interview. „Sie verändern gar nichts.“ Das hat ihn aber nie daran gehindert, es  trotzdem zu versuchen. Er hat dem Schlagerpublikum Lieder über Fremdenhass und Heuchelei  in die heile Welt geschmuggelt, er hat über Rüstung und Umweltzerstörung gesungen, er hat über Spießer und volkstümlichen Schlager gespottet und er hat sich mit der Kirche angelegt. Obwohl Jürgens eindeutig nicht Bob Dylan ist, haben …

22.

Oktober

2014

Die Zeit des Machens

Laut einer aktuellen Statistik, so meldete kurier.at, verbringt der Österreicher im Laufe seines Lebens im Durchschnitt etwa drei Jahre auf der Toilette. Das ist insofern interessant, als deutsche Medien vor etwa  einer Dekade noch berichteten, es seien sechs Klo-Jahre pro Leben. Wenn wir nicht davon ausgehen, dass der Deutsche grundsätzlich fleißiger stoffwechselt  als wir Österreicher, dann heißt das, dass die Menschen innerhalb einer Dekade die Hälfte ihrer WC-Zeit eingespart …

21.

Oktober

2014

Aus allen Wolken

Echte Fragen und künstliche Empörung gehen oft Hand in Hand: Die Abaya, Zwangsverhüllungsgewand für Frauen in Saudi-Arabien, ist für Claudia Bandion-Ortner laut profil ein "angenehmes Kleidungsstück", das sie "ein bisschen an den Talar" erinnert. Praktisch, dass die Vize-Generalin des von Saudis finanzierten Abdullah-Zentrums in Wien als Ex-Richterin diese Vergleichsmöglichkeit hat. Und als Ex-Justizministerin das beruhigende Wissen, dass in Saudi-Arabien "nicht jeden Freitag" geköpft wird.Ex-…

20.

Oktober

2014

Zu viel "zu viel"

Energy-Drinks können, in hohen Dosierungen konsumiert, gesundheitsschädlich sein, und zwar wegen des darin enthaltenen Koffeins und Zuckers, ergab eine Studie. Geradezu erschütternd ist die Erkenntnis: Besonders schlimme Gesundheitsschäden drohen, wenn man viele Energydrinks vermischt mit Alkohol trinkt. Pardauz! Wer hätte das gedacht? Große Mengen Zucker, Koffein und Alkohol machen krank! Sie müssen jetzt ganz stark sein, aber: Auch große Mengen von Cremeschnitten, Butterbroten oder …

19.

Oktober

2014

Gute Gesellschaft

Oscar Wilde saß wegen einst unsittlicher Liebe zu Männern in Haft. Egon Schiele wegen unsittlichen Zeichenstils. Hugh Grant wegen unsittlicher Dienstleistungsinanspruchnahme im Auto (siehe Georg Markus auf Seite 6). Ernst Strasser befindet sich also in guter Gesellschaft: Ein Gericht hat den verhinderten James Bond unter den EU-Abgeordneten diese Woche wegen eines unsittlichen Angebots (politischer Einfluss gegen Geld) verknackt. Gesiebte Luft atmen zu müssen, ist für Prominente wie für …

18.

Oktober

2014

Gefühl und Vernunft

Wenn der Taxifahrer mit dem dunklen Bienenwabenbart und den anthrazit funkelnden Augen dich wortlos einsteigen lässt und beim Losfahren die Türen verriegelt, fällt dir unweigerlich das derzeitige Gesprächsthema Nummer 1 ein: "Wenn ich neben so einem Typen mit Bart und langem Gewand in der U-Bahn stehe, geh’ ich lieber drei Waggons weiter ..."Das ist politisch natürlich absolut nicht korrekt. Aber selbst die politisch Korrektesten raunen einander solch dumpfes Gefühl zu, seit die Barbaren des …

17.

Oktober

2014

Wir haben etwas an

Wir leben in einer komischen Zeit. Wir sind ständig im Alarmzustand, am liebsten wegen Dingen, die uns mit hoher Wahrscheinlichkeit verschonen werden – etwa einer Ebola-Epidemie im Weinviertel. Wir gehen zwar nicht mehr so oft in die Kirche, gründen aber ständig neue Religionen mit Missionierungszwang (Nichtrauchen, Veganismus, Glückspflicht ...). Und wir haben  Nackte-Berufsgruppen-Kalender. Nach Jungbauern-, -winzer- und -skilehrer-Kalender gibt es jetzt den „Erotischen …

16.

Oktober

2014

Glücksspiel

Das mit dem Notgroschen ist ja so eine Sache. Wer in irgendwelche Papiere investiert, kann, vor allem wenn er schon Geld hat, ordentlich Geld machen. Oder verlieren, wie die jüngere Vergangenheit zeigt. Wer ins Sparbuch investiert, hat aufgrund der Mikrozinsen keine Gewinnchance und verliert real auf jeden Fall. Motto: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not – auch nix mehr. Dennoch legen drei Viertel der Österreicher ihr Geld lieber aufs Sparbuch. Und nur jeder Vierte denkt über andere …

15.

Oktober

2014

Primär

Noch sensationeller wäre nur, hieße der neue Burgdirektor Hans Krankl, scherzte Ensemblesprecher Roland Koch nach der Bestellung von Karin Bergmann. Eine gute Pointe, zumal in Wien. Zwei Berufe traut sich hier ja jeder ung’schaut zu: Team- und Burgchef. Beide Positionen sind derzeit besetzt, und zwar von Nicht-Österreichern (wenn auch gelernten Wienern), beide gelten nicht als „spektakuläre“ Lösungen, genießen aber das Vertrauen ihrer (Schau-)Spieler und arbeiten erfolgreich, weil sie vor …

14.

Oktober

2014

Bezahlt bekommen

Jetzt ist es also fix: Ernst Of-course-I-am-a-lobbyist Strasser muss in Haft. Das ist bitter für einen von der geborgten Macht überfaszinierten Politiker, der political in the center of the political stand und sich später Klienten anbot, denen the water is to here. Falsch ist übrigens der Eindruck, Strasser sei für Sätze wie If you once lie you are dead, I don’t want to be verurteilt worden. Oder dafür, dass er über die EU-Kommission sagte I think, they are living on the moon. Auch die …

13.

Oktober

2014

Was läuft schlecht?

Manchmal ist der Anfang einer großartigen Sache denkbar banal: „Wir haben diskutiert, was in Österreich schlecht läuft –  und was man verbessern könnte“, erinnert sich der Unternehmer Gerhard Steiner. Eine Freundesrunde findet es unverantwortlich, dass so viele Lebensmittel weggeschmissen werden und gleichzeitig immer mehr Menschen in Armut leben. Also  gründen die Freunde 1999 den ersten Sozialmarkt (heute sind es 35) – übrigens gegen den Widerstand der Politik, der die ganze Sache …

12.

Oktober

2014

Finnland

Finnland hat schlechte Voraussetzungen für das Hervorbringen einer eigenen Literatur: Die Hälfte des Jahres ist es  zu finster, um zu lesen oder zu schreiben. Dazu kommt, dass der Finne an sich eher schweigsam ist. Haut sich ein Finne im Dezember die große Zehe an, weil er in der Dunkelheit gestolpert ist, kann es sein, dass er erst im April „Aua“ schreit, denn er möchte ja nicht für schwatzhaft gehalten werden. Diese Schweigsamkeit hat zwei Gründe: Erstens ist Finnland praktisch …

11.

Oktober

2014

Bildung für alle

Friedensnobelpreis-Vergaben lösen oft Kontroversen aus: Obama? Die EU? Die Atombehörde? Kein Witz? Selten zuvor war die Entscheidung so unumstritten wie heuer: Der Preis geht an den  Kinderrechts-Aktivisten Kailash Satyarthi und an die  17-jährige Malala Yousafzai, die ins Fadenkreuz radikalislamistischer Feiglinge geriet, weil sie sich für das Recht von Mädchen auf Bildung einsetzte, und ein Schussattentat nur knapp überlebte. In der Entscheidung des Komitees ist auch eine Pointe …

10.

Oktober

2014

Patrick wer?

Und was sagen Sie zu Patrick Modiano? – Ist das der neue brasilianische Ersatztormann von Austria Lustenau? Naja, man wird sehen, ob er gegen TSV Egger Glas Hartberg zum Einsatz kommt. Literaturnobelpreisvergaben sind eine wunderbare Gelegenheit, die eigene Wichtigkeit auf Hochglanz zu bringen: Natürlich kenne ich Kenzaburo Oe, selbstverständlich lese ich täglich Wisława Szymborska, natürlich liegen alle Werke von Le Clézio auf meinem Nachtkasten, ohne meinen Tomas Tranströmer ist der Tag für …

09.

Oktober

2014

Naturalienhandel 2.0

Klingt gut erfunden, soll aber mehr als ein schlechter Scherz sein: Ein Österreicher kaufte 2010 ein Haus in Detroit um 41.000 Dollar als Spekulationsobjekt (der tatsächliche Wert soll aber nur ein Viertel betragen haben) und wunderte sich dann, dass sich die Hütte nicht gewinnbringend weiterverkaufen ließ. Der Mann wusste offenbar nicht, dass Detroit seine glänzende Zukunft schon vor 30 Jahren hinter sich gehabt hatte. Da er das 220-Quadratmeter Backsteingebäude nicht einmal für 3000 Dollar …

08.

Oktober

2014

Wie zufrieden sind Sie?

Nur ein Zitat, so simpel wie ungewöhnlich: "Zufrieden? Kann man zufrieden sein, je zufrieden? Doch, ich bin zufrieden." – Wer kann das heute von sich behaupten? Wer in zehn Jahren? – In einer Gesellschaft, in der Kinder stets gefragt werden: "Was wünscht du dir?" Und nie: "Was hast du schon?" In der Erwachsene abwägen: "Was springt für mich raus?" Und nicht: "Was kann ich beitragen?" Die Zufriedenheit ist ein Relikt aus einer Zeit, in der die Menschen weniger hatten. Und weniger haben mussten.…

07.

Oktober

2014

Preisverdächtig

Mit dem schönen Wort "Wuhuu!" reagierte die neue Nobelpreisträgerin für Medizin auf die Nachricht ihrer Auszeichnung. Den Preis teilen sich ein norwegisches Forscher-Ehepaar und ein amerikanischer Wissenschaftler. Sie fanden heraus, wie das GPS-System funktioniert, das wir im Kopf eingebaut haben und das uns den Weg von A nach B finden und ihn uns auch merken lässt. (Zu klären bliebe dann noch die Frage, warum viele von uns ohne Navi – "Jetzt einbiegen in die Karl Tornay Minusgasse" – …

06.

Oktober

2014

Unter dem Einfluss

Dieser Tage in Wien: Ein junger, dicklicher Mann pflügt sich mit seinem BMW (Probefahrtkennzeichen) durch den dichten Kolonnenverkehr am Gaudenzdorfer Gürtel. Natürlich mit weit überhöhter Geschwindigkeit, ohne Blinker, schwachsinnigerweise in der Kolonne andere mit Lichthupe und Hupe bedrängend, auf wenige Zentimeter auffahrend. Am Matzleinsdorfer Platz biegt er mit quietschenden Reifen in die Triester Straße ein, überholt zwischen (!) den Fahrstreifen und rast bei Rot über die Kreuzung. Ob …

Bitte Javascript aktivieren!