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30.

August

2016

Wer will

Sorry, liebe Wut-Poster, aber das ist gar kein Text über Flüchtlingspolitik. Sondern ein Text über Mut und Zuversicht. „Wir schaffen das“, sagte Angela Merkel in der Tradition von Barack Obama und Bob dem Baumeister (und wird dafür gehaut wie eine Tanzbärin). Lassen wir einmal die schwierigen Fragen der Flüchtlingsdebatte beiseite und ausnahmsweise ganz kurz, jetzt und hier, nicht das Thema sein. Aber: Wäre es nicht grundsätzlich besser, Politiker und andere Menschen würden viel öfter in …

29.

August

2016

Weiß nicht

Vielleicht liegt es an der Schule. Wurde man dort etwas gefragt (Wie lautet die große Wurzelformel? Was ist das epische Theater? Was macht das Tafeltuch auf dem Overhead-Projektor?), sollte man besser antworten. Und „Ich weiß es nicht“, das galt nicht als Antwort. Wer sagte, „Ich weiß es nicht, darüber muss ich noch nachdenken, fragen Sie mich in zwei Wochen wieder“, bekam Mitarbeitsminus, Klassenbucheintrag, Betragen-Dreier. Dieses Prinzip haben alle verinnerlicht, auch Politiker, …

28.

August

2016

Schlechtmachung

Im heutigen KURIER steht Folgendes zu lesen: „In der Wirtschaft geht es darum, dass man am eigenen Erfolg arbeitet. In der Politik, habe ich oft das Gefühl,  arbeiten viele lieber am Misserfolg des Konkurrenten.“ Das ist ein schwerer Vorwurf. Politiker versuchen also nicht, selber gut zu sein, sondern sie konzentrieren  sich darauf, den politischen Gegner schlecht zu machen. Weil das offenbar alle so machen (und weil sie das offenbar ziemlich gut können), schauen am Ende des Tages, …

27.

August

2016

Alle Tassen

Der Treibstoff, der unsere Gesellschaft auf Betriebstemperatur bringt, ist der Kaffee. Kaffee ist im Alltag und in allen Medien dauerpräsent, und in den sozialen Netzwerken wird öfter Wehklagen über Kaffeemangel gepostet als Katzenbilder. Ohne Kaffee würde Österreich vermutlich auf die Stufe eines Entwicklungslandes zurückfallen. Außerdem würde uns niemand mehr als Österreicher erkennen, denn wir wären sogar zum Raunzen zu schwach.  Und man könnte uns nicht mehr von den Deutschen …

26.

August

2016

Kreuz und Qual

Die „Qual der Wahl“ bekommt eine neue Bedeutung, wenn den Behörden der auf 49 Seiten angewachsene Leitfaden des Innenministeriums für korrekte Wahlabwicklung zugeht. Jahrzehntelang haben wir offensichtlich unter demokratisch unzulässigen Bedingungen gewählt: Wähler warfen ihre Stimmzettel eigenhändig in die Wahlurnen, statt sie den Wahlleitern zu reichen – nachweislich sogar FPÖ-Politiker, es gibt Fotobeweise. Womit wir beim nächsten Demokratie-gefährdenden Punkt sind: Fotografen haben  …

25.

August

2016

Ausziehen!

Achtung, das wird  jetzt komplizierter als ein unreflektiertes Nein. Denn manchmal trägt ein Nein nicht alle damit verbundenen Konsequenzen und Auswüchse. Als Frau, im Westen aufgewachsen, in Saudi-Arabien und dem Iran unterwegs gewesen, kommt mir das Nein zu absolut jeder Einschränkung durch Verhüllungsvorschriften in voller Überzeugung über die geschminkten Lippen. Niemand hat einer Frau Vorschriften zu machen, was sie herzeigen darf oder verbergen muss. Niemand. Keine Religion, kein …

24.

August

2016

Hans im Glück

Kennen Sie die Hans-Insel? Die Hans-Insel, übrigens nicht nach einem österreichischen Fußballer, Popsänger oder Kanarienvogel benannt, sondern nach dem grönländischen Polar-Forscher und Autor Hans Hendrik, liegt im nördlichen Eismeer, im Kennedy-Kanal, auf halbem Weg zwischen Grönland und Kanada. Das Besondere an der Hans-Insel ist: Seit Jahrzehnten können sich Kanada und Dänemark nicht einigen, wem die Insel gehört – bis heute gibt es dort keinen offiziellen Grenzverlauf. Der Kampf um die …

23.

August

2016

Im fast echten Leben

Wer viel fernsieht, der glaubt,  dass die Welt so aussieht wie im Fernsehen.  Das ergab eine Studie der MedUni Wien. Demnach glauben Menschen, die oft amerikanische Krimiserien sehen, besonders häufig, dass es auch in Österreich die Todesstrafe gibt. Außerdem glauben Serien-Fans, dass die meisten Menschen von Beruf entweder Arzt, Anwalt, Polizist oder Serienmörder sind. (Die Älteren unter uns erinnern sich noch an den „Kommissar Rex“-Effekt: Menschen kauften Schäferhunde und …

22.

August

2016

Nervensäge aus dem Westen

Matthias Strolz im KURIER-Interview „Nach Dienstschluss“. Da wird Optimismus gehobelt.  Da fallen Begriffe wie Kraftquelle und Zuversicht, als wäre Politik nicht länger das Geschäft mit der Angst, sondern eine Mutprobe für Unerschütterliche.  Als gäbe es neben dem Ewiggestern ein Morgen, das es sich zu erleben lohnt. Der Mann aus Vorarlberg ist uns gelernten Ostösterreichern ja suspekt in seiner ungenierten Daseinsbejahung, die so wenig Raum fürs Lamentieren lässt. Da fehlt uns was, …

21.

August

2016

Heißluftzeit

Im  Interview mit dem KURIER sagte der Sänger Wilfried Scheutz dieser Tage: "Was mich wirklich aufregt, ist die Aufregung, die im Moment herrscht. Die total überzogene Aufregung wegen jedem Schmarren. Über alles wird gedröhnt wie verrückt. Es gibt überhaupt keine Differenzierung mehr. Nur mehr voll auf die Nuss. Dazu haben die neuen Medien viel beigetragen." Abgesehen davon, dass das ein sehr schönes Paradoxon ist – sich darüber aufregen, dass sich alle so aufregen – hat Wilfried damit …

20.

August

2016

Verspielt

Draußen vor dem Haus schreit jemand „Oh mein Gott, ein Pikachu!“, man schaut aus dem Fenster und sieht einen den Jahren nach erwachsenen Menschen über den Rasen rennen, ein Smartphone in der Hand ... Erwachsene spielen „Pokémon Go“, Erwachsene  stürzen sich auf Neuigkeiten aus dem „Harry Potter“-Universum, Erwachsene sammeln Fußballer-Pickerln. Dieser Tage meldete ein Hersteller von Buntstiften Rekord-Umsätze, begründet wird dies mit dem Trend zu Erwachsenen-Malbüchern.  Noch wissen …

19.

August

2016

Drei-Wort-Parole

Ein Euro kann Gold wert sein – oder einen Radiergummi. Je nachdem, ob man ihn geschickt in politischer Rhetorik einsetzt oder im Ein-Euro-Shop ausgibt. Außenminister Kurz legt ihn gerade karrierefördernd an, indem er „Ein-Euro-Jobs“ für anerkannte Flüchtlinge fordert. Das ist gut nachplapperbar, ohne mehr als drei Wörter auswendig lernen zu müssen, und intellektuell leicht verdaulich. Kurz ist damit im Gespräch – weit über die ÖVP-Klientel hinaus. Offiziell geht es ihm aber nicht um …

18.

August

2016

Wer Blähungenerwartet ...

In seinem  Klassiker „Anleitung zum Unglücklichsein“ beschrieb der Psychotherapeut Paul Watzlawick mit viel Humor, wie wir Menschen uns den Alltag zur Hölle machen, indem wir uns unser Unglück selbst einreden. Besonders anschaulich erklärt Watzlawick darin, wie man sich durch übergenaues Beobachten normaler körperlicher Vorgänge schwere Krankheiten herbeifantasieren kann. Watzlawick schrieb das Buch 1983, er ahnte nichts von der Nahrungsmittelunverträglichkeitshysterie unserer Zeit. Das …

17.

August

2016

Unser tägliches Boot

Kennen Sie das Spiel „Um einen Buchstaben falsch“? Es geht darum, Begriffe durch Veränderung eines einzigen Buchstaben in andere Begriffe zu verwandeln. Z. B., derzeit olympiabedingt aktuell, Sportarten. Klassische Ein-Buchstabe-daneben-Sportarten sind: Gerätetarnen. Diskurswerfen. Fastball. Faßball. Foodball. Hundball. Fischtennis. Hummerwurf. Hordenlaufen. Hürdenkaufen.  Lichtathletik. Gewichthaben. Gesichtheben.  Modernder Fünfkampf.  Kochsprung.  Weinsprung. Breisprung.…

16.

August

2016

So komisch?

Vor einigen Jahren,  beim x-ten Woodstock-Revival, erschien in einer US-Zeitung eine ausgesprochen witzige Karikatur: Alt gewordene Hippies stehen auf einem Festivalgelände im Gemüse herum und lauschen wie damals einer Durchsage, die vor schlechten Drogen warnt: „There is some bad antacid going ’round!“ Ein schönes Wortspiel: „Acid“ war damals der Szene-Ausdruck für LSD, „Antacid“ sind Tabletten gegen Sodbrennen. The times they are a-changing. Die Zeiten ändern sich. Woodstock (das …

14.

August

2016

Kaisers neue Haare

Im sogenannten Alten Rom war es üblich, die Frisur des Kaisers nachzuahmen. Trug der Kaiser Stirnfransen, bürstete sich der Römer die Haare nach vorn, ließ sich der Kaiser Löckchen drehen, ringelte auch der Römer seine Haare ein, gefiel sich der Kaiser mit Vollbart, ließ auch der Römer sein Gesicht bewalden. Dahinter steckte nicht nur Mode, sondern man wollte auch Ergebenheit demonstrieren. Da zu manchen Zeiten die Kaiser im Monatstakt ernannt und wieder ermordet wurden und manchmal mehrere …

13.

August

2016

Geschmack

Die Milka-Schokolade soll China erobern, lasen wir kürzlich. Das ist eine Meldung, die Hoffnung auf das Ende eines Traumas macht, und die Geschichte geht so: Die 100-Gramm-Tafel der Milka Alpenmilchschokolade war für den Autor fast von Geburt an täglicher Inbegriff des Glücks. Schokoladig, schmelzend, saftig, süß – keine andere Schoko kam da je heran. Auch nicht die Milka, die man hie und da im Urlaub im Ausland erwarb. Die schmeckte, nur für den Milka-Profi erkennbar, anders. Und dann …

12.

August

2016

Gürtellinie

Es ist in Deutschland seit Tagen der Olympia-Aufreger: Ein ARD-Reporter hat eine deutsche Reiterin als "Angsthase" bezeichnet (sie erreichte später Silber) und ihr "einen braunen Strich" in der Hose bescheinigt. "Es liegt mir fern, Sportler zu beleidigen", sagte er später, "wenn das so angekommen sein sollte, kann ich mich dafür nur aus tiefstem Herzen entschuldigen." Geht’s noch? Wenn das so angekommen sein sollte? – Das ist Sprech von Politikern, die bewusst beleidigen und die Schuld fürs …

11.

August

2016

Wünsche

Als Kind lernt man ja, dass am Ende eines Regenbogens ein Topf mit Gold steht. Und dass man sich, wenn man eine Sternschnuppe sieht, etwas wünschen kann. So gesehen sind die kommenden Nächte ein Dorado für alle, die Wünsche haben. Weil der Perseiden-Regen am Himmel so heftig wird wie selten. Und da sind wir schon beim Problem: Das mit den Wünschen kann sich mathematisch gar nicht ausgehen. Wenn bis zu vier Meteoriten pro Minute zu sehen sind und sich jeder auf jede Schnuppe etwas wünscht – …

10.

August

2016

Strafen

In der Urlaubszeit gibt es am Strand viele Touristen, aber wenige superoptimalallerbeste Liegeplätze. Daher ist das "Handtuchwerfen" sehr verbreitet: Im Morgengrauen werden per Handtuch Plätze belegt, auf dass sie nach dem Frühstück, der Golf-Runde oder dem Halbtagesausflug nicht fremdbelegt sind. An einigen Stränden Italiens geht gegen diese eher peinliche Sportart jetzt sogar die Küstenwache vor, es drohen 200 Euro Handtuchwerfstrafe. Die Forza Italia, wir bleiben im früheren Berlusconi-…

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