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28.

Juli

2015

Kraut und Rüben

Das Vorurteil kennt den Fleischesser ja als eher rauen Gesellen, während der Vegetarier ein missionarischer Bäumeumarmer ist. Das stimmt natürlich schon deshalb nicht, weil der Vegetarier Pflanzen nicht nur umarmt, sondern sie aufisst. Weil es zu allem im Leben Studien gibt, gibt es solche auch zum Thema Veggie/Fleischi, und die machen uns ... – auch nicht schlauer (siehe Seite 22). Der Vegetarier lebt länger, sagt die eine. Der Fleischesser ist seltener krank, die andere ("Vegetarier leben …

27.

Juli

2015

Von Bibern und Wespen

Jeder Sommer in Österreich braucht sein Angst-Tier. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben, damit wir Journalisten unsere Zeitungen vollkriegen und die Leute bei der Hitze mit Angsthaben beschäftigt sind. Da gab es z. B. 2006 die Dornfingerspinne (die angeblich drei Menschen gebissen hatte, was zu einer Massenpanik führte). Da gab es 2012 das Drautalkrokodil (das Kinder gesehen haben wollten, weswegen sogar ein Hubschrauber zum Sucheinsatz kam und eine Krokodilologin tagelang Interviews gab). 20…

25.

Juli

2015

Karten von Zeitreisen

Die eine  Oma reiste (etwa nach Syrien, das ginge heute nicht mehr) und schrieb immer, meistens Schilderungen von Architektur. Leider konnte man ihre Schrift nicht lesen, sie war Ärztin, nur das Wort „kolossal“ konnten wir stets entziffern, ihr Lieblingswort. Die andere Oma schrieb nie, denn sie verreiste nie, bereits am Ortsrand von Hinterbrühl befiel sie Heimweh nach Breslau (sie lebte in NÖ, ihre Heimat jedoch war Schlesien). Aber sie wollte, dass man ihr schrieb, sonst wurde sie …

24.

Juli

2015

Das Angebot

Jüngst war also auf der Satire-Seite der Huffington-Post (und in Österreich ganz im Ernst) zu lesen, dass der Milliardär Warren Buffett dem Schlagersternchen Helene Fischer 100 Millionen Dollar geboten habe, wenn sie das mit dem Singen sein lässt. Die Meldung stimmte nicht. Und das ist schade. Als adoleszente Knaben haben wir einst beim Heurigen den Jux gepflogen, der Musik 100 Schilling zu bieten, wenn sie eine Zeit lang nicht spielt. Einmal hat das sogar funktioniert (die anderen Male gab’s …

23.

Juli

2015

Das ist eine Kühlbox

Worüber redet man dieser Tage unentwegt? Richtig. Und das ist natürlich grundfalsch. In Wahrheit müsste man sich Kühlung herbeiimaginieren. Etwa so: Am Tiroler Brunnenkogel hätte man gestern bei 11,9 Grad gefröstelt. Auch auf Meeresniveau, in London, trüge man bei kaum doppelt so viel Graden grad ein Jäckchen. Auf der schönen Nordsee-Badeinsel Spiekeroog ist’s seit Wochen 15° C frisch, was gefühlt (Wind und Regen) einstellig temperiert. Und in Kopenhagen sinkt die Temperatur auch optisch: Dort …

22.

Juli

2015

Listen to the Durchsage!

Der deutsche Journalist Marc Krüger beweist, dass Bahnfahren auch lustig sein kann. Er sammelt witzige Zug-Durchsagen. Etwa diese: „For Anschluss-connections please listen to the Lautsprecherdurchsagen.“ Aber auch wir Österreicher beherrschen den Zugdurchsagehumor. KURIER-Leser Hans E. hörte in der Straßenbahn: „Liebe Fahrgäste, bitte benützen Sie nur den vordersten Einstieg, wenn möglich blockieren Sie mit Ihren Rucksäcken die Lichtschranken, und schreiben Sie dabei SMS, damit wir hier noch …

21.

Juli

2015

Wetter-Astrologie

Das Wetter interessiert uns am meisten dann, wenn’s noch nicht ist. Weil wenn es da ist, kennen wir es eh: Es ist zu heiß, zu kalt (wie fühlt sich zu kalt noch mal an?), zu unbeständig, zu fad – auf jeden Fall "zu". Aber das kommende "zu", das verspricht Spannung. Und so kommt es vor, dass drei Menschen im Garten sitzen und auf ihre Handy-App schauen: "Um 20 Uhr regnet’s mit 60 % Wahrscheinlichkeit", sagt der eine; "Bei Sonnenaufgang um 5 Uhr 9 hat’s schon 23 Grad", der andere; "Geh’n wir …

20.

Juli

2015

Nix neugierig

Vor einigen Wochen hatten die Kollegen vom Süddeutsche Zeitung Magazin eine witzige Idee: Sie druckten auf ihr Cover ohne weiteren Kommentar eine gekritzelte Handynummer und warteten ab, was passiert. Registriert wurden fast 3000 Anrufe mit teils kuriosem Inhalt. So riefen mehrere Leser die  am Cover angegebene Nummer an, um mitzuteilen, dass am Cover eine Nummer angegeben ist. Andere riefen an und sagten: Pardon, ich habe mich verwählt. Eine Frau rief an, um zu überprüfen, ob die Nummer …

19.

Juli

2015

Selfie-Welt

Früher konnte nur der große oder ein kleiner Van Gogh ein Porträt seiner selbst erstellen; heute tut’s das Selfie: Ich und heiß-ist’s, ich und Tom Cruise (Achtung: bald in Wien), ich nach dem Friseur – die Fotografie ist dank Handyfoto zur Ichtografie geworden. Kürzlich hat das Innenministerium in Moskau eine Broschüre herausgegeben, die vor den Gefahren des Selfietums warnt (im Ural haben sich zwei Männer in die Luft gesprengt, als sie mit einer Handgranate posierten, in Moskau erschoss sich …

18.

Juli

2015

Yakari-Gwendolin

Während der Körper hitzebedingt in den matschförmigen Aggregatzustand übergeht, kommt man auf komische Gedanken. Etwa diesen: Wieso hat das Wetter so schön altmodische Namen wie Hoch Dietlinde und Tief Xaver, während die Menschen heute immer öfter Laurin, Zoe, Odysseus oder  Filodendra heißen? Nun, erstens fällt ein Großteil der zeitgenössischen Namen grundsätzlich aus, da Wetter-Gebiete keine Bindestrichnamen haben dürfen. Tiefs und Hochs können also nicht Kevin-Zeus oder Lisalaura-…

17.

Juli

2015

Denk-App gesucht

Nach den "Hubschrauber-Eltern" – das sind die, die überfürsorglich ständig über ihren Kindern kreisen – kommen jetzt die "Drohnen-Eltern". Mittels Handy-App wissen sie stets auch aus der Ferne, wo die Kleinen gerade sind: Ob sie in den falschen Bus steigen, statt in der Schule im Freibad schwitzen oder schon wieder nur daheim sitzen und irgendwelche Apps herunterladen.Dass so eine Drohnen-App funktioniert, verdanken wir dem GPS. Das Satellitenortungssystem erspart uns zu lernen, wo links und …

16.

Juli

2015

Effizienzierung

Effizienzsteigerung ist das Dogma der Verheizungsgesellschaft. Gestern wieder im Mail-Eingang gefunden: "Fünf Tipps für mehr Produktivität." Dankend abgelehnt. Wohin die allgemeine Effizienzierung führt, sehen wir: Gestern, Wien, Donaukanal, stark befahrene Kreuzung, ein Autolenker hämmert auf seinen Tablet-Computer ein, das Auto fährt währenddessen locker 30 km/h. Autopilot? Nein, Autoidiot. Glaubt der, dass er sein Fahrzeug unter Kontrolle hat, während er Korrespondenzen erledigt? Die …

15.

Juli

2015

Die Wunderwaffel

Inhaber funktionierender Geschmacksnerven halten sie schon lange für essbares Dämmmaterial, für die Freudloseste aller Sättigungsformen: die Reiswaffel. Dennoch stieg sie in den vergangenen Jahren bis zur kulinarischen Unentbehrlichkeit auf. Kein Baby, das ohne die runden Puffreis-Ziegel im Buggy sitzen kann; keine Pubertierende, die ihre Figur nicht mit Zähnen und Reiswaffeln gegen ihr auflauernde Kalorien verteidigt. Eine britische Restaurantkette erkannte im Reiswaffel-Burger ernsthaft …

14.

Juli

2015

Reiseschaden

Schadenersatz ist was Feines. In den USA kann man Millionen erstreiten, wenn man die Katze in der Waschmaschine wäscht oder sich bei McDonald’s heißen Kaffee über die Hose gießt – sofern nicht extra gewarnt wurde, dass die Katze nicht in die Waschtrommel gehört und heißes Koffein nicht aufs Gewand. Bei uns ist der Schadenersatzspaß noch weniger ausgeprägt. Immer wieder probieren es Urlauber, die die versprochene Ruhelage nur zwischen zwei Fernzügen vorm Hotelfenster fanden. Aber auch hier …

13.

Juli

2015

Moderne Märchen

Die Geschichte klang spektakulär – HIV-Nadeln in Kinositzen infizieren Besucher – und wurde zigtausendfach im Netz geteilt. Und sie war frei  erfunden (und zudem medizinischer Blödsinn). Dennoch wurde sie geglaubt. Sogenannte „urban legends“ – moderne Märchen – gibt es schon lange.  Eine eigene Buchserie – „Die Spinne in der Yucca-Palme“ – hat schon vor Jahrzehnten die spektakulärsten versammelt. Diese Geschichten haben alle etwas gemeinsam: Sie klingen so ungewöhnlich, dass man sie …

12.

Juli

2015

Bücher und Geister

Gut möglich, dass irgendwann ein Kind ein Buch in Händen hält und es ihm so geht wie jenem Buben aus dem Bekanntenkreis, der eine Schreibmaschine entdeckte, tippte und staunend fragte: "Wo ist die Delete-Taste?" Oder wie der Sechsjährigen, die nicht glauben wollte, dass man mit einem Wählscheibentelefon jemals telefonieren konnte. Nach Apps hat sie gar nicht mehr gefragt. Noch ist es nicht so weit. Noch sind Bücher mehr als eine Tischbeinunterlage oder Brennstoff im Winter: Sie sind der …

11.

Juli

2015

Hart am Wind

Das Schöne am Internet: Man kann immer recht haben. Denn, und das ist die Voraussetzung fürs Rechthaben: Man findet  immer wen, der unrecht hat. Und im Internet kann man sich mit anderen Rechthabern zusammentun und dem Unrechthaber sein Unrechthaben in Form des Shitstorms um die Ohren knallen. Einen Shitstorm kann man sich leicht eintreten. Manche rütteln geradezu am Shitstormbaum, es kann aber auch ein blöder Witz reichen oder sogar ein harmloses Missverständnis, und der Betreffende …

10.

Juli

2015

Der Dickhäuter

Wer sich mit der FPÖ verpartnert, darf nicht glauben, dass ihm Rosen gestreut werden. Die Geschichte zeigt, dass man am besten unterirdisch zur Zeremonie geht und sich vorher eine Elefantenhaut wachsen lässt. Nun weiß man, dass Hans Niessl ohnehin ein dermatologisches Parade-Exemplar der Dickhäuter-Spezies "Politiker" darstellt. Wie dick Niessls Haut tatsächlich ist, bewies der selbst ernannte Blauen-Dompteur gestern bei seiner Angelobung in Eisenstadt: Die öffentliche Kritik seines Noch-…

09.

Juli

2015

Schattenwirtschaft

In Kärnten  blüht jetzt die, man kann es nicht anders ausdrücken, Schattenwirtschaft. Und das kam so: Welches ist in Hitzezeiten das begehrteste Gut? Richtig: Schatten. Insofern ist es geradezu als kaufmännische Schwäche zu betrachten, dass der österreichische Tourismus diese Ware bisher kostenlos hergegeben hat. Bisher! Denn seit Kurzem muss man  in einem Strandbad am Ossiacher See für Schattenplätze unter Bäumen zahlen, berichtet die Kleine Zeitung. Das kann natürlich nur ein …

08.

Juli

2015

Hitze-Stereotyp

Jetzt ist also der bisher heißeste Tag des Jahres verglüht, heute soll’s schwer gewittern. Ein ZiB-Beitrag über die nicht ganz neue Wetterabfolge endete mit dem auch nicht ganz neuen Satz, dass solch’ Wetterwenden wegen der Klimaerwärmung künftig häufiger werden – da musste im Anschluss auch Tarek Leitner schmunzeln. Ein anderer stereotyper Satz lautet, dass man in der Hitze wenig Alkohol trinken soll. Blöderweise führt besagte Klimaerwärmung laut Weltweinkongress-Experten dazu, dass Weine …

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