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04.

Jänner

2013

Letztes Update am 04.01.2013, 16:02

Übermalt, verblasst.

Ist es vertretbar, dass das Wagner-Jahr im Theater an der Wien mit einem Auftritt des russischen Sängers Evgeny Nikitin, dessen Tattoos für den größten Opernaufreger des vergangenen Jahres gesorgt hatten, eröffnet wird? Selbstverständlich.

Nikitin ist zunächst einmal ein erstklassiger Bassbariton. Die Nazi-Symbole, die er sich in seiner Jugend in die Haut stechen ließ, hatten bei seinen ersten Auftritten in Österreich, im Theater an der Wien und in Salzburg, keinen aufgeregt, weil ihrer niemand ansichtig wurde. Er hat sie mittlerweile übermalen lassen. Und sich für diese Idiotie auch entschuldigt.

Als er Bayreuth verlassen musste, haben sich Musikmanager wie Nikolaus Bachler oder Ioan Holender zu Wort gemeldet und kritisiert, dass es verrückt sei, wenn ein Sänger die jahrelangen Bayreuther Versäumnisse in der Aufarbeitung der Geschichte büßen müsse. Recht hatten sie.

Das soll nun Hakenkreuze nicht im Geringsten verharmlosen –, aber es ist allzu leicht, aus deutscher oder österreichischer Sicht einen jungen russischen Metal-Schlagzeuger, der Nikitin damals war, zu verdammen. Für Bayreuth war es im Sommer 2012 jedenfalls eine Lose-lose-Situation: Hätte man nicht reagiert, wäre der Aufschrei enorm gewesen. Durch die Reaktion war er nicht geringer.

Dass Nikitin zuletzt in München sang, nun in Wien singt und bald an der New Yorker MET im „Parsifal“ singen wird, ist nichts als die Rückkehr zur Normalität.

(KURIER) Erstellt am 04.01.2013, 16:02

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