Nutznießer des NS-Regimes

Thomas Trenkler

Thomas Trenkler

Nach 1945 geborene Menschen behaupten gerne, keine Schuld am NS-Regime zu haben.

von Thomas Trenkler

über die Zeit nach 1945

Soll man nicht endlich einen Schlussstrich ziehen unter die NS-Zeit? Darf nicht endlich Ruhe sein? Klaus A. Schröder, Direktor der Albertina, hat sich weit hinausgelehnt. Denn er will den Schlussstrich zumindest in Kunstbelangen gezogen wissen: Wenn kein Zeitlimit etwa 100 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gesetzt würde, sollten wir uns fragen, warum wir nicht auch „über die Konsequenzen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870–’71 diskutieren oder die Restitution von Kunstwerken verlangen, die in früheren Kriegen gestohlen wurden“.

Natürlich können wir darüber diskutieren und all das zurückverlangen, was die Franzosen unter Napoleon in halb Europa zusammengestohlen haben. Es gibt allerdings einen geradezu monströsen Unterschied zwischen dem – zum Beispiel – Deutsch-Französischen Krieg und dem NS-Regime, das den Deutsch-Weltweiten Krieg entfacht hat. Das ist der Holocaust, die systematisch durchgeführte Vernichtung eines Volkes.

Nach 1945 geborene Menschen behaupten gerne, keine Schuld am NS-Regime zu haben. Sie hätten die Handlungen der Vorfahren ja nicht beeinflussen können – und streiten daher ab, Konsequenzen ziehen zu müssen. Doch viele von uns – darunter all jene, die einst „arisierte“ Wohnungen, Verlage, Galerien, Kanzleien geerbt haben – sind nach wie vor Nutznießer der einstigen NS-Verbrechen. So lange wir es sind, kann es keinen Schlussstrich geben.

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