Die Diskriminierung ist Stammgast

Doris Knecht

Doris Knecht

Sie tut, was sie tut, unter anderem deshalb, weil sie es darf.

von Doris Knecht

über die Wirtin des Café Prückel

Die berühmte Schmuckfirma Tiffany’s hat gerade eine neue Hochzeits-Kampagne lanciert. Sie zeigt: einen Bräutigam und einen Bräutigam, glücklich verliebt, neben den Worten: "Will you?" Das wollen wir der mittlerweile bekannten Café-Prückel-Geschichte voranstellen – aus dem Café wurde ein lesbisches Paar verwiesen, nachdem es sich zur Begrüßung geküsst hatte. Das sei "mehr als ein Begrüßungskuss" gewesen, hatte die Prückel-Wirtin auf ORF.on-Anfrage gemeint, zu einem Begrüßungskuss habe sie noch nie etwas gesagt. Aber man müsse "nicht öffentlich so zeigen, dass man zusammengehört".

Nicht alle Paare werden wegen öffentlicher Zurschaustellung von Zusammengehörigkeit des Lokals verwiesen, wie eine Vice-Redakteurin aus eigener Erfahrung berichtete, die dort unbehelligt geknutscht habe, aber eben mit einem Herrn. Im inkriminierten Fall aber waren es leider zwei Frauen.

An dieser Stelle halten wir einmal kurz inne und atmen durch. Denn nachdem die Geschichte in den Medien und in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde, haben sich nun schon mehrere Tausend Menschen via Facebook zu einem Kiss-In vor dem berühmten Kaffeehaus verabredet. Und wer jetzt noch auf die Sache eingeht, macht sich verdächtig, sich von einem Shitstorm durch die Meinungslandschaft treiben zu lassen, bzw. den Sturm noch weiter anzufachen. Aber sollen Journalisten sich deswegen solcher Themen nicht mehr annehmen?

Zumal das Thema Homosexuellen-Diskriminierung in dieser Kolumne Stammgast ist, und zwar seit jeher. Und deshalb soll zur Prückel-Wirtin angemerkt werden: Sie tut, was sie tut, unter anderem deshalb, weil sie es darf. Weil die geltende Gesetzeslage ihr Recht gibt, ja, sie auf ihrem Irrweg freundlich leitet: Es ist in Österreich nicht verboten, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Religion die Dienstleistung zu verweigern; und erst im Sommer hat die ÖVP verhindert, dass sich das ändert. Das ist der eigentliche Skandal: Schmusen wir dagegen an.

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