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KURIER
Eine Fototapete bringt Leben in dieses Vorzimmer. Sie wirkt kreativ und weniger kitschig durch die Vogelhäuschen und weil sie versetzt an die Wand geklebt wurde. - Foto: DK Verlag

Letztes Update am 20.10.2012, 08:01

Neuer Nestbau. Mit diesen Ideen kommt frischer Wind in jedes Zuhause: Ein Bildband präsentiert Originelles zum Thema Wohnen und Dekorieren. Nachahmung erwünscht.

Eines Tages ist es so weit. Man braucht ein neues Regal, für größere Essen fehlen einem zwei Sessel und man möchte endlich ein paar Bilder aufhängen. In so einem Fall gibt es mehrere Möglichkeiten, zu reagieren – erstens: Man räumt stöhnend sein Konto leer und kauft Qualitätsware aus Top-Designer-Hand. Als Bild ersteht man das Werk eines noch unentdeckten Künstlers in einer jungen Galerie. Ergebnis: Hier wurde alles richtig gemacht!

Die zweite Möglichkeit ist die lieblosere Variante: Man fährt an einem Samstag Vormittag in ein großes Einkauszentrum und bringt den ganzen Vorgang möglichst schnell hinter sich. Hier wurde viel Zeit gespart! Aber: Möglicherweise sehnt man sich bereits in Kürze nach einer anderen, besseren, weil persönlicheren Lösung.

Womit wir bei Reaktionsmöglichkeit drei wären: Man nimmt die Herausforderung an und begibt sich auf die Suche nach einer optimalen, weil individuellen Lösung. Man investiert bewusst nur ein minimales Budget, macht den Mangel an Mitteln dafür mit guten Einfällen wett. 

 

Schöner Wohnen

Was bringt dieser mutige Schritt? Laut Einrichtungsexperten so gut wie immer Freude und Wohlbefinden!

Im Vorfeld braucht man dazu also nicht mehr als ein paar gute Ideen. Wie diese konkret aussehen könnten, zeigt besonders anschaulich der neue Bildband Kreativ wohnen (DK-Verlag). Zu sehen sind 82 originelle Beispiele für gelungene Einrichtungslösungen, dazu wird in knappen Worten deren Umsetzung erklärt. 

Dabei geht es weniger um ein zweckmäßiges do it yourself, sondern eher um die Animation zu entwerfe es selbst. So muss etwa ein Regal nicht immer das klassische Konstrukt aus verschraubten Holz-, Stahl- oder Glasplatten sein. Man könnte es auch einmal mit alten Holzkisten versuchen. Übereinander gestapelt werden sie ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet und gelangen so zu neuen Ehren. Man könnte aber auch alte Schubladen in die Wand schrauben und dort seine Sachen hineingeben.

Mit etwas Geschick und Fantasie erspart man sich auch den Kauf von neuen Stühlen – und erzeugt im jeweiligen Raum eine unverwechselbare Atmosphäre: Alte Gartensessel werden stellenweise neu gestrichen, unterschiedliche antike Holzsessel erhalten einen frischen Pfiff, indem man in die Lehnen Lochmuster stanzt. Man ahnte bisher gar nicht, was alles möglich ist. Hier bekommt man es leicht verständlich serviert: In die Jahre gekommene Küchenkästen können mit Folie oder Papier beklebt werden und plötzlich wieder gut aussehen. Das ist vielleicht keine Lösung, die Generationen überdauert, aber für ein, zwei Jahre hat man so sicher wieder viel Freude daran.

Auch an der Fototapete wird man sich möglicherweise nach ein paar Jahren satt gesehen haben. Aber muss denn immer alles enkeltauglich sein, also für die Ewigkeit gelten? Nein, muss es nicht, sagen Interior-Designer und plädieren für die regelmäßige Erneuerung oder Veränderung von Altgewohntem.

"Natürlich wird man seine Wohnzimmermöbel nicht so oft wechselten wie seine Wintermäntel" betont etwa der britischeEinrichtungs-Guru Terence Conran. "Aber es tut gut, sich von Zeit zu Zeit damit zu beschäftigen. Vielleicht ist ja irgendwann nicht mehr alles sinnvoll daran. Oder man sehnt sich nach einer neuen Farbe."

Sollten Sie sich dennoch für eine dekorative Fototapete entscheiden: Kreativ wohnen macht vor, wie man so etwas kunstvoll und mit einer gewissen Lässigkeit macht. 

In diesem Fall wurde unten ein Stück Wand frei gelassen und die Tapete setzt sich oben an der Decke noch ein Stück weit fort. Dafür wurden an den abgebildeten Baumstämmen echte Nistkästen aus Holz angebracht. So verschiebt sich die Wirkung eines beruhigenden Waldmotivs von Kitsch in Richtung Kunst. Eine kleine Idee macht’s möglich.

Das eigene Wohnzimmer (oder Kinderzimmer) immer wieder neu beschreiben könnte man auch mit einem sogenannten Tafelschrank: Ein alter Kasten oder Spind wird mit Tafelfarbe gestrichen, danach kann man mit Kreide darauf malen oder schreiben, immer wieder neu. "Das eigene Heim ist zu einem transparenten und durchlässigen Medium für Bilder, Töne, Texte und Daten geworden", meint passend dazu etwa auch Terence Riley, Chef-Kurator für Architektur und Design im Museum of Modern Art in New York.

Also ganz egal, ob es sich um die Einkaufsliste für Mitbewohner, das Zitat der Woche oder ein Liebesgedicht handelt – mit Tafelfarbe und Kreide wird jedes Möbelstück zum work in progress (natürlich kann man auch eine ganze Wand damit streichen, vor allem Kinder lieben das).

Interessant ist auch zu sehen, in wie vielen unterschiedlichen Variationen man Bilder präsentieren kann und wie viele Möglichkeiten man hat, eine weiße Wand zu behübschen. Man kann eine ganze Wand voll mit Fotos bekleben (so dass es gut aussieht), sich ein eigenes Mobile basteln oder zehn verschiedene Rahmen am Flohmarkt besorgen und in diesen thematisch ähnliche Bilder präsentieren. 

Zum Thema Weihnachten haben sich die (interessanterweise anonymen) Autoren übrigens auch einiges einfallen lassen. Aber davon wollen wir um diese Zeit lieber noch nichts wissen. 

Buchtipp

DK Verlag
Foto: DK Verlag

"Kreativ Wohnen" – Bildband mit vielen originellen und geschmackvollen Beispielen. Dazu gute Anleitungen für deren Umsetzung.

DK Verlag, € 15,40

(kurier) Erstellt am 18.09.2012, 07:00

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