Letztes Update am 20.10.2012, 08:00
Möbelklassiker passen in jede Wohnung. IMMO verrät wo man sie findet, und wie man sich damit einrichtet.
60, 70 oder 80 Jahre alt, tausendmal kopiert und immer noch begehrt: Designklassiker sind die Stars eines jeden Interieurs. Ob Lampe, Sessel oder Tisch: Ihre Schöpfer – bekannte Designer, Künstler oder Architekten wie Marcel Breuer, Verner Panton, Mies van der Rohe und Arne Jacobsen – haben zeitlos schöne Legenden geschaffen.
Was die Entwürfe auszeichnet? Sie bestehen aus hochwertigen Materialien, sind perfekt konstruiert und folgen hohen gestalterischen Ansprüchen.
Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung waren sie ein Symbol für Aufbruch und Moderne. Und bis heute werten sie unsere Einrichtung mit ihrer Geschichte auf.
Originalgetreu werden die Möbel von großen Herstellern wie Vitra, Thonet oder Knoll produziert – oft nur in kleinen Serien und in aufwendiger Handarbeit. Deshalb haben Möbelklassiker auch ihren Preis. Wer jedoch mit dem ein oder anderen Kratzer leben kann, kann ein Original auch auf dem Flohmarkt finden – mit viel Glück.
Marcel Breuer
Der deutsch-amerikanische Architekt und Designer Marcel Breuer (1902 – 1981) kam 1920 an das Bauhaus, eine der renommiertesten Kunstschulen der damaligen Zeit. Er absolvierte eine Tischlerlehre und stellte einfache, eckige Sitzmöbel her. Als er 1925 das Stahlrohr als neues Material zur Möbelproduktion entdeckte, entstand der Stuhl "Wassily" aus verschraubten und gebogenen Rohren und einer Sitzfläche aus grauem Stoff. Von Breuer stammt auch die Idee zum ersten Freischwinger, ein hinterbeinloser Stuhl aus einem federndem Stahlrohrgestell. Er erzählte dem niederländischen Designer Mart Stam davon, der 1927 eine erste Serie entwarf. Ein Jahr später entwickelte auch sein Kollege Mies van der Rohe eine eigene Version. Schließlich fand Marcel Breuer eine Lösung, die dem Stuhl ohne Verstärkungen Stabilität verlieh, indem er den Durchmesser der Rohre vergrößerte.
Verner Panton
Der seit Anfang der 1960er-Jahre in der Schweiz lebende Däne wurde bekannt als innovativer und experimentierfreudiger Entwerfer. Als Schüler von Arne Jacobsen entwickelte er Möbel, Leuchten und Textilien mit einer Vorliebe für starke geometrische Muster, Farben und psychedelische Grafiken. Seine Sitzmöbel bestehen aus biegsamem Kunststoff. Damit schuf Verner Panton eine völlig neue Möglichkeit, Möbel wie eine Skulptur zu konstruieren, die der Körperform gerecht sind. 1960 ist der "Panton Chair", der erste Kunststoff-Freischwinger, entstanden. Gemeinsam mit Vitra entwickelte er ihn zur Serienreife. Es dauerte etliche Jahre, bis das geschwungene Möbelstück wirklich bruchfest und aus durchgefärbtem, strapazierfähigem Kunststoff produziert werden konnte. Dafür wurde der Sessel weltweit mit Designpreisen ausgezeichnet.
Alvar Aalto
Sei es die Aalto Vase oder der Paimio-Stuhl aus dem Jahr 1931: Runde Formen finden sich in vielen Entwürfen des Finnen wieder. Zu Beginn seiner Karriere experimentierte er mit Metallrohren, doch das kühle Material passte nicht in sein Verständnis von Architektur. Gemäß der finnischen Handwerkstradition produzierte er fortan Möbel aus gebogenem Sperrholz. Seine Entwürfe sind Sinnbild für Leichtigkeit, Funktionalität und Anmut. Produziert und vertrieben werden sie von Artek – ein Unternehmen, das Alvar gemeinsam mit seiner Frau Aino Aalto, Maire Gullichsen und Nils-Gustav Hahl 1935 gründete. Die Geschäftsidee war, Möbel zu verkaufen und mithilfe von Ausstellungen für moderne Wohn-Kultur zu werben. Heute besteht die Artek-Produktpalette aus Aaltos Mobiliar und Beleuchtungen; aber auch aus Kollektionen prominenter internationaler Architekten wie Shigeru Ban oder Harri Koskinen.
George Nelson
George Nelson (1908–1986), studierter Architekt mit Abschluss in Yale, war eine der prägenden Figuren des amerikanischen Designs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Chefdesigner des Möbelherstellers Herman Miller verpflichtete nicht nur andere Entwerfer wie das Eames-Ehepaar oder Alexander Girard. Er entwickelte Produkte, die über die bloße Formgebung hinausgingen ohne ihre Funktionalität zu verlieren, farbenfrohe Modelle die stets mit einer Prise Humor zu sehen sind. Der "Coconut Chair" oder das Sofa "Marshmallow", das an überdimensionale Smarties erinnert, zählen etwa zu seinen bekanntesten Entwürfen. Seine Uhren, aus unterschiedlichen Materialien und Formen, verkörpern das Lebensgefühl der 1950er-Jahre am deutlichsten. Heute legt das Vitra Design Museum eine Reedition der Entwürfe in originalgetreuer Form wieder auf.
Ein Geschichte à la Hollywood: Die Karriere des jungen Ehepaars startete in der Kreativszene in Los Angeles: Charles entwarf Filmkulissen, Ray Titelbilder für Architekturzeitschriften. Zu Hause experimentierten sie mit gebogenem Schichtholz. Anfangs diente das Material als Ersatz für stählerne Beinschienen für Verwundete. Nach Kriegsende beginnt das Ehepaar Möbel zu gestalten: Sessel aus Sperrholz oder Draht, Stapelstühle aus glasfaserverstärktem Kunststoff, Garderoben und Wandschränke. Als der "Lounge Chair" 1956 vom US-amerikanischen Möbelhersteller Herman Miller produziert wird, ist er bereits ein Klassiker. Die Schale aus Palisanderholz auf Aluminiumdrehfüßen und die Sitzfläche aus schwarzem Leder gefüllt mit weichem Schaumstoff sollen dem Lounge Chair "das warme, bequeme Aussehen eines viel benutzten Baseball-Handschuhs geben", erklärte Eames.
Der in den USA und in Europa ausgebildete Isamu Noguchi war Bildhauer und Designer zugleich: Er gestaltete Sofas und Tische. Sein berühmtestes Werk ist jedoch die "Akari"-Lampe aus Papier. Für den Familienbetrieb von Temashiro Ozeki entwarf er eine moderne Version der traditionellen Fischerleuchte. 1952 begann die professionelle Vermarktung, die Lampen wurden schnell international populär und tausendfach kopiert – bis heute. Hergestellt wird sie aus stark gefasertem Minogami-Papier, das aus der Rinde des Maulbeerbaums gewonnen wird. An die hundert Modelle sind im Lauf der Jahre für die Serienproduktion entstanden. Das Herstellungsverfahren ist nach wie vor traditionell: dünne Bambusstäbe werden über eine Holzform gespannt. Anschließend werden Papierstreifen auf den Bambusrahmen geleimt. Nach dem Trocknen wird die Holzform, deren Krümmung die Stäbe angenommen haben, entfernt.
Mies van der Rohe gilt als der Meister der Architektur des 20. Jahrhunderts. Neben dem Farnsworth House in den USA oder den Apartments in der Weißenhof-Siedlung in Deutschland zählt auch die Villa Tugendhat in Brünn zu seinen berühmtesten Bauwerken. Für letztere hat er 1929 den "MR 90", besser bekannt als Barcelona-Chair, entworfen. Statt Rohren, wie bei dem Freischwinger "MR 20", setzte er geschwungene Stahlbänder ein. Das erforderte bei der Herstellung geduldige Handarbeit und einen erfahrenen Schweißer, der die Bänder am Kreuzungspunkt exakt verbinden konnte.
Geboren wurde der Däne Arne Jacobsen 1902 als Sohn eines Kopenhagener Kaufmannes. Er wollte eigentlich Maler werden, studierte aber auf Wunsch des Vaters Architektur. Nachdem er den Wettbewerb für ein "Haus der Zukunft" gewann, bekamen seine künstlerisch-futuristischen Ideen immer mehr Aufmerksamkeit. 1960 stellte er sein Prestigeprojekt fertig: Das "SAS-Hotel" in Kopenhagen wurde komplett – inklusive Glasfassade und Inneneinrichtung – von ihm entworfen. Damit schuf Jacobsen das weltweit erste Designhotel, für dessen Interieur das "Ei" und der "Schwan" entstanden sind. Ihre fließende, runde Form verdanken sie einem Styroporkern. Jacobsen konnte das für Skandinavien untypische Material bildhauerisch frei bearbeiten. Neben dem "Egg-Chair" und "Swan" zählt der "Ant"-Stuhl aus gebogenem Holz, dessen Form an eine Ameise erinnert, zu seinen bekanntesten Werken.
Warum richten sich Menschen gerne mit Retro-Möbeln ein und wie kombiniert man sie?
Wie erkennt man ein Original und wie lässt es sich von einem Nachbau unterscheiden? Klebeetiketten sind ein guter Anhaltspunkt. Schon am Etikett selbst lässt sich erkennen, ob es alt ist. Zum Zweiten sollte man prüfen, was darauf steht und ob es signiert ist. Das Alter eines Möbels kann man auch an den Schrauben erkennen: Früher gab es etwa keine Kreuzschlitze, sondern sogenannte Linsenköpfe. Zusätzlich ist es gut, eine Fachmeinung einzuholen oder sich vom Verkäufer die Echtheit des Möbels bestätigen zu lassen. Im Dorotheum gibt es zwei Mal jährlich eine Designauktion – wenn man sich die Exponate dort ansieht, entwickelt man ein Gefühl fürs Material und sieht, wie die Montierungen gemacht wurden.
Wo bekommt man originale Designklassiker?
Viele Unternehmen bieten preiswerte Kopien an. Warum soll man trotzdem ein Original kaufen?
Ray und Charles Eames
Isamu Noguchi
Ludwig Mies van der Rohe
Arne Jacobsen
Woran erkennt man ein Original?
Alte Möbel vermitteln Stabilität, Tradition und Geschichte. Oft wird ein solches Stück gar nicht in Verwendung genommen, sondern bloß als Erinnerung an eine andere Zeit gesehen. Generell harmonieren Klassiker gut mit moderner Einrichtung. Man muss alten Stücken aber etwas mehr Platz geben, damit sie wirken können.
Im Dorotheum und beim Fachhändler, sei es Altwarenhändler oder Galerist. Im Internet – etwa bei eBay – ist es schwierig, weil man die Kaufentscheidung nur aufgrund von Fotos treffen kann, ohne das Möbel anzugreifen und die Verarbeitung zu beurteilen. Auch auf Flohmärkten – vor allem im Ausland – kann man Schnäppchen bekommen. Bei uns findet man vor allem österreichische Ware aus den 1930er- und 40er-Jahren. Internationalen Entwürfe sind hierzulande kaum zu bekommen, weil sie nicht von der früheren Generation gekauft wurden.
Bei Fakes stimmt die Verarbeitung nicht, es wird bei Details und der Qualität der Materialien gespart. Es ist Einstellungssache, ob man ein solches Produkt möchte oder nicht. Mit dem Kauf eines Originals würdigt man die Kreativität des Entwerfers, die Produktentwicklung und die Niederlagen, die dem Endprodukt vorangegangen sind. Hinzu kommt, dass man ein Original nach zehn Jahren wiederverkaufen kann, während eine Kopie schon nach zwei Tagen nichts mehr wert ist. Wer will schon ein gebrauchtes Plagiat kaufen?
Diskussion
Stilvoll
Modehäuser
Waldschutz auf Fidschi
Möbel aus Palmen und nachhaltigem Teakholz
Historie
100 Jahre jung
Seit 1970 produziert Wittmann die Möbel von Josef Hoffmann. Zuletzt auch für das Modehaus Valentino.