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Foto: EPA/EVERETT KENNEDY BROWN

Letztes Update am 14.12.2012, 09:44

Urin von Mäuserichen lockt Weibchen. Das Protein Darcin sorgt offenbar für die Entwicklung eines Ortsgedächtnisses bei den weiblichen Tieren.

Wenn Mäuse-Weibchen am Urin eines Mäuserichs schnuppern, bleibt ihnen das nachhaltig in Erinnerung: Ein Eiweiß namens Darcin im Urin sorgt dafür, dass die Weibchen ein Ortsgedächtnis entwickeln. Sie erinnern sich dadurch später genau an die Stelle, an der die Duftmarke abgesetzt wurde, und suchen sie wieder auf. Auch männliche Mäuse reagieren auf Urinmarken anderer Männchen. Diese Kommunikation sei wichtig für das Sozialleben der Tiere, schreiben britische Forscher im Fachblatt "Science".

Es ist lange bekannt, dass Mäuse und viele andere Tiere über Duftmarken miteinander kommunizieren und ihr Sexual- und Sozialleben koordinieren. Der Urin verrät zum Beispiel das Geschlecht eines Tieres, sein Befinden oder seinen Aufenthaltsort. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Nagetiere mehrmals täglich einen Ort aufsuchen, an dem sie zuvor einen Artgenossen des anderen Geschlechts getroffen beziehungsweise seinen Geruch wahrgenommen haben. Unklar war bisher, wie die Nager sich an den Ort erinnern, also wie sie ein räumliches Gedächtnis bilden.


Lockender Urin

Sarah Roberts und ihre Mitarbeiter von der Universität von Liverpool untersuchten dies nun mit Hilfe von Mäusen. Sie ließen weibliche Tiere in eine Versuchsfläche, in der sich ein Schälchen mit männlichem Urin und eines mit Wasser befanden. 24 Stunden später ließen sie die Weibchen erneut in die Versuchsarena, diesmal befand sich kein Urin mehr darin. Es zeigte sich nun, dass die Weibchen dennoch viel häufiger die Stelle aufsuchten, an der das Urin-Schälchen zuvor gestanden war, als die, an der das Wasser gestanden hatte.

Dieses Experiment klappte selbst dann, wenn zwischen der Lernphase - also dem Schnuppern am Urin - und dem erneuten Aufsuchen des Ortes zwei Wochen vergangen waren. Kamen die Mäuse-Weibchen jedoch einmal zurück und nahmen an dem Ort keinen attraktiven Geruch mehr wahr, wurde ihre Erinnerung daran ausgelöscht. Urin von anderen Weibchen interessierte die Test-Weibchen nicht.

Sozial relevanter Duftort

Die Forscher zeigten anschließend, dass das Protein Darcin im männlichen Urin ausreicht, um die Bildung eines räumlichen Gedächtnisses bei den Weibchen anzuregen. Darcin ist ein Pheromon, also ein Stoff, der die Kommunikation auf Duftebene vermitteln. Es ist nicht flüchtig; die Weibchen müssen also ihre Nase in den Urin tauchen, um die Botschaft wahrzunehmen. Sie prägen sich die Stelle dann vermutlich mit Hilfe von tast- und sichtbaren Ortsmarken ein, etwa der Textur des Untergrunds oder der Position von Lichtquellen.

Pheromon-induziertes Lernen ist möglicherweise viel wichtiger als bisher angenommen, schreiben die Forscher. Es ermögliche den Tieren, sich an einen sozial relevanten Duftort zu erinnern und diesen schnell aufzusuchen. Dies rufe die flexiblen und individuellen sozialen Reaktionen hervor, die für Säugetiere typisch seien.

(APA/tan) Erstellt am 14.12.2012, 09:44


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