Microsoft muss halbe Milliarde Euro Bußgeld zahlen

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Foto: Reuters RICK WILKING

Der Softwareriese muss wegen unfairer Geschäftspraktiken eine Geldbuße an die Europäische Union zahlen.

Eine angebliche Panne kostet den Softwareriesen Microsoft Millionen: Wegen unfairer Geschäftspraktiken muss der Konzern 561 Mio. Euro Geldstrafe an die Europäische Union zahlen. Das entschied die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Microsoft habe versäumt, den Nutzern des Betriebssystems Windows 7 neben dem hauseigenen Internet Explorer verschiedene Browser von Konkurrenten für das Surfen im Internet anzubieten.

Nach Ansicht der EU-Kommission hat das US-Unternehmen mit dieser Praxis den Kunden die eigene Software aufgedrängt und die Hersteller anderer Programme blockiert. Der Konzern habe rund 15 Millionen Windows-Nutzern die Wahlfreiheit genommen - von Mai 2011 bis Juli 2012.

Seit Jahren gehen die Kartellwächter gegen Microsoft vor, weil der Konzern seine Softwareprodukte unrechtmäßig an sein Betriebssystem Windows koppelt. Das Unternehmen musste seit 2004 bereits mehrfach EU-Strafen zahlen. Insgesamt summieren sich diese inzwischen auf 2,2 Mrd. Euro.

Gegen Auflage verstoßen

Im jüngsten Fall hat der Konzern nach Ansicht der Wettbewerbshüter gegen eine zentrale Auflage aus einem früheren EU-Kartellverfahren von 2009 verstoßen. Damals hatte sich Microsoft verpflichtet, auf neuen Computern oder in neuen Windows-Paketen ein Auswahlfenster mit unterschiedlichen Browsern einzubauen. Die EU-Kommission wollte auf diese Weise verhindern, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der PC-Betriebssysteme weiter ausnutzen konnte. Mit der Selbstverpflichtung war das US-Unternehmen zunächst einer Strafe entgangen.

Doch der Softwarekonzern lieferte zwischen Mai 2011 und Juli 2012 die Softwareaktualisierung Service Pack 1 für Windows 7 ohne den Auswahlbildschirm für die freie Wahl des Web-Browsers aus. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sagte: "Die Nichteinhaltung ist ein schwerwiegender Verstoß, der mit entsprechenden Sanktionen belegt werden muss." Es sei das erste Mal, dass Brüssel wegen Verstoßes gegen eine solche Zusage erneut eine Strafe ausspreche. Dabei blieben die Kartellwächter aber weit unter der maximal möglichen Strafe von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes, im konkreten Fall also mehr als 5 Mrd. Euro.

Der Konzern hatte das Versäumnis bereits im vergangenen Jahr eingeräumt und von einem "technischen Fehler" gesprochen. Schuld sei ein Team von Technikern, die ein notwendiges Update vergessen hätten. Inzwischen hat Microsoft diese Praxis beendet. Zur Wiedergutmachung will das Unternehmen die automatische Browser-Auswahl 15 Monate länger anbieten als die von Brüssel verordneten fünf Jahre bis 2014.

Der "Blue Screen of Death" sagt Windows-Nutzern seit eh und je: "Nichts geht mehr". Nur noch ein Neustart kann dann helfen. Nicht umsonst ist der "BSOD", wie das unbeliebte Phänomen abgekürzt wird, zum allgemeinen Hassobjekt vieler Nerds geworden - jedenfalls einem Symbol, dass man schnell wiedererkennt. Nicht nur auf PC-Bildschirmen stößt man darauf. Mit der nächsten Betriebssystem-Generation bekommt der "Blue Screen of Death" einen neuen Look verpasst. Windows 8 wird in Zukunft mit einem traurig dreinschauenden Smiley abstürzen. Wie peinlich solche Abstürze manchmal sein können, demonstrieren die folgenden Beispiele: Je größer das Display, desto größer die Blamage. Viele öffentliche Anzeigen werden mit Windows-Rechnern gesteuert. Fällt das Betriebssystem einmal aus, sieht es bald die ganze Stadt. Auch recht unangenehm: Eine überdimensionale Sony Playstation Portable zeigt statt cooler Promotion-Videos das System darunter. Auch in U-Bahnen sind Displays, die durch Windows-Rechner angesteuert werden, weit verbreitet. Nicht nur in New York,... ... auch in den Aufzügen der Wiener U2 findet man öfters Hinweise darauf, dass mit Windows irgendwas nicht stimmt. Die Anwendung kann doch nicht so schwer zu verarbeiten sein, mag sich einer bei solchen Gelegenheiten denken. Besonders peinlich für den Hersteller ist es, wenn neue Produkte mit Windows nicht richtig funktionieren. Hier wird beispielsweise das vormals neue Windows Vista angepriesen - samt BSOD. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates blieb bei öffentlichen Vorführungen nicht vom "Blue Screen of Death" verschont. Bei der Vorstellung von Windows 98 klappte das Plug-and-Play mit einem Scanner noch nicht so ganz. Glücklicherweise war das Fernsehen live dabei (Link unten). Ein Besucher des Musicals "The Creature of Black Lagoon" in den Universal Studios in Hollywood wurde Zeuge eines peinlichen Windows-Neustarts, durch den die Vorstellung verzögert wurde. Die Zuseher scheinen - wie im Video (Link unten) zu sehen - das Problem zu kennen. Die blaue Straßenbeleuchtung vor dem Club Bellagio in Bukarest wäre ja gar nicht schlecht, wenn sie nicht so unbeabsichtigt wäre. Auch Getränkeautomaten arbeiten mit Windows, was einem normalerweise aber erst dann bewusst wird, wenn die Anzeige spinnt und die bekannte "Nichts geht mehr"-Botschaft erscheint. E-Mails checken, Musik und Bilder downloaden - was man an diesem Internet-Terminal alles machen ka-..... konnte!

Vormachtstellung von Microsoft

Brüssel sieht die Vormachtstellung von Microsoft als Problem - der Marktanteil des Betriebssystems Windows liegt bei Computern und Laptops europaweit bei über 90 Prozent. Der Anteil des Internet Explorers bei den Browsern ist aber nach Angaben der EU-Kommission mit rund 55 Prozent deutlich niedriger.

Browser-Programme sind nötig, um im World Wide Web zu navigieren; damit lassen sich Web-Seiten auf dem Computer aufrufen. Microsoft installierte früher standardmäßig den hauseigenen Internet Explorer. Nach dem Einschreiten der EU-Kommission öffnet sich inzwischen auf allen neuen Windows-Geräten in der Europäischen Union ein Auswahl-Fenster, auf dem auch Konkurrenzangebote wie Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari sowie acht kleinere Anbieter wie Opera erscheinen.

(DPA/APA / la) Erstellt am

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