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Foto: Orange, Drei, Montage

Letztes Update am 08.01.2013, 11:25

Drei-Deal: Orange bleibt bis Sommer Orange. An der Oberfläche bleibt bei Orange, was die Kundschaft betrifft, bis August dieses Jahres alles beim Alten. Im Hintergrund wird aber bereits emsig gearbeitet. Drei zieht in die Orange-Zentrale im 21. Wiener Bezirk, die Mobilfunknetze werden schrittweise zusammengelegt, und außerdem der Abbau von Stellen und Handy-Shops kalkuliert.

Drei-Chef Jan Trionow nippt noch einmal schmunzelnd an einem Glas Orangensaft, dann verspricht er: “Es soll sich kein Orange-Kunde schlechter fühlen als vorher.” Die seit wenigen Tagen abgeschlossene Übernahme des größeren Mobilfunkers wird weitreichende Änderungen nach sich ziehen - allerdings erst ab dem dritten Quartal 2013 (wahrscheinlich August). Bis dahin wird Orange als Marke weitergeführt und ihr Hauptsitz im 21. Wiener Bezirk zur Drei-Zentrale gemacht.

Für Orange-Kunden heißt das vorerst: Alles bleibt gleich. Tarif, 0699-Vorwahl, Online-Account für die Rechnungen, Shops, Wertkartenguthaben, Rechnungslegung, Hotline, Einzugsermächtigung, man kann sogar weiterhin Orange-Verträge verlängern oder neue abschließen. “Wer mit dem 7,50 Euro Tarif von Orange glücklich ist, soll damit glücklich bleiben”, so Trionow. Ein Kündigungsrecht hätte man als Orange-Kunde aufgrund der Übernahme aber nicht.

Ein heißer Sommer
Erst im Sommer wird die Übernahme wirklich bemerkbar. Die Marke Orange wird dann von der Bildfläche verschwinden, Drei ein neues Branding erhalten, und beide Kundenstämme werden neue Angebote bekommen - welcher Art, ist noch ein Geheimnis. Orange-Kunden sollen jedenfalls nicht schlechter wegkommen als mit bestehendem Vertrag. Ob es “Millimeter für Millimeter” genau das gleiche Angebot ist, will Trionow heute aber nicht garantieren. Details wie Bonusstufen oder Sonderaktionen (z.B. Paybox, Vergünstigungen für Orange-Kunden bei Kinokarten oder Car2Go) müssen bis Sommer geklärt werden.

Geplant ist, künftig eine einheitliche Tariflandschaft für die zusammengeführte Kundenbasis anzubieten. Fest steht für den Drei-Chef auch, dass weiter ein “guter und lebendiger Wettbewerb” stattfinden könne. Zwar springt Drei von zehn auf 22 Prozent Marktanteil (T-Mobile 31 Prozent, A1 inkl. Yesss! 46 Prozent), doch um weiter zu wachsen, muss man im gesättigten Mobilfunkmarkt der Konkurrenz weiter Kunden mit günstigen Tarifen abluchsen. Wachstum soll auch im Bereich Business-Kunden möglich sein, wo Drei bisher schwächer war als Orange. Für diese Geschäftskunden bedeutet die Übernahme vorerst nur, dass sie möglicherweise einen anderen Ansprechpartner bekommen.

Vorerst keine Vorteile
Bis zum Sommer ergeben sich für Orange-Kunden keinerlei neuen Vorteile. So kann man seine Rufnummer nicht gratis zu Drei mitnehmen, die ausländischen Roaming-Partner von Drei nicht benutzen, keine Orange-SIM-Karte in einem Drei-Handy verwenden und auch sonst keine Drei-Angebote (z.B. Handy-TV-Paket oder das günstige Roaming von “3LikeHome”) in Anspruch nehmen. Über weitere Details informieren FAQs auf der Facebook-Seite von Drei, die fragwürdigerweise auf den offiziellen Webseiten von Drei und Orange nicht zu finden sind.

Im Hintergrund wird derweil “schnell zusammengeführt”, wie Trionow sagt. So werden die noch getrennten Netze (alle Orange-Kunden werden ab Sommer ins Drei-Netz gelassen) technisch schrittweise zusammengelegt. Die dann 6000 Funkstationen sollen bis Ende 2014 zu einem “landesweiten LTE-Netz” von Weltklasse ausgebaut werden. Jeder einzelne Mast soll, so die noch offene Frequenzvergabe erlaubt, auf den Mobilfunkturbo aufgerüstet werden. Genutzt sollen dazu in erster Linie die 1800-Mhz-Frequenzen werden. Auch Problemzonen wie das Waldviertel und andere ländliche Gebiete sollen davon profitieren.

Stellenabbau, weniger Shops
Für die IT-Branche bringt die Übernahme auch Neues: Der LTE-Ausbau bedeutet eine Stärkung des bisherigen Drei-Partners ZTE. Außerdem öffnet Drei sein Netz in den kommenden zehn Jahren für bis zu 16 virtuelle Mobilfunker - Internet-Anbieter UPC hat bereits unterschrieben. Auch ist möglich, dass ein vierter “echter” Mobilfunker in Österreich ins Geschäft einsteigt - sollte das passieren, gibt Drei Frequenzen im 2,6-Ghz-Bereich frei.

Zentraler Punkt der Zusammenlegung ist auch die Mitarbeiterzahl (zusammen derzeit 1400 Personen). “Natürlich wird es einen Mitarbeiterabbau geben, aber wir wissen noch nicht, wie viele Mitarbeiter es sein werden”, so Trionow. Betreffen wird das etwa die Mitarbeiter der kombiniert 150 Handy-Shops von Orange und Drei. Davon sollen etwa 100 Geschäfte erhalten bleiben. Insgesamt erwartet sich Trionow Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro, die auch an die Kunden weitergegeben werden sollen. Fix ist aber eines: Die bei Kunden verhasste Servicepauschale (2011 das “Unwort des Jahres” der futurezone-Leser) wird nicht fallen.

(futurezone.at/js) Erstellt am 08.01.2013, 11:25

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