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KURIER

Letztes Update am 07.09.2012, 16:49

Wie es Gott gefällt. Toskana. Himmlische Ruhe, köstlicher Chianti: Auf dem Weingut Dievole in den Colini Sienesi sind Entspannung und Gastlichkeit quasi gottgewollt. Alexander Rabl war dort.

Dievole
Alte Gemäuer, schönes Ensemble. Manche der Dievole-Mitarbeiter leben seit einem halben Jahrhundert hier. - Foto: Alexander Rabl

Am späten Nachmittag ist es auf Dievole am schönsten. Das fantastische Licht, der Soundtrack der Grillen. Man hat vielleicht einen fordernden Tag hinter sich, verfolgt von turnbeschuhten Touristenbeinen in kurzen Hosen auf der Piazza di Campo oder verstaubt vom Ritt über die Landstraßen und Weinberge auf dem Rücken einer Vespa.

Jetzt braucht der Gutsherr auf Zeit also Zurückgezogenheit, vielleicht auch einen Rosé des Hauses als Apero auf der Terrasse. Alessio, Barkeeper und Restaurant-Scout, macht das schon. Das kühle Glas in der Hand, erwägt der Heimkehrer auf Dievole eine Flanierrunde zum höchsten Punkt des Guts mit einem kleinen Aussichtsplatz. Ein erfrischender Schluck, ein kurzer, wohlwollender Gedanke an die Leute in der Küche, die an der Vorbereitung des Abendessens arbeiten. Vor allem aber: göttliche Ruhe.

Der Dom zu Siena hatte Pech

Dievole
Zwei Pools dienen im Sommer dem Dievole-Gast zur Erfrischung. - Foto: Alexander Rabl

Der Herr Gott gilt ja als bisweilen launisch, was wir täglich den Schlagzeilen und der Geschichte mancher Gebäude entnehmen. Schauen wir uns etwa den berühmte Dom im nahen Siena an. Einst, so wird erzählt, schenkte Herr Gott den Sienesern Reichtum und gutes Leben, worauf sie planten, ihm zu Ehren eine Kirche zu bauen. Der Bau wurde begonnen, da schenkte er ihnen noch mehr Reichtum, sodass sie die Baupläne neu überdachten. Jetzt wollten sie etwas ganz Großes, den schönsten Dom der Welt.

Aber wie heißt das Sprichwort? Wenn du Herrn Gott amüsieren willst, erzähl’ ihm deine Pläne. Kurze Zeit nach Baubeginn jedenfalls überlegte es sich der Herr Gott, zog seine Gunst von der Stadt Siena ab, schickte die Pest und vom Wohlstand blieb wenig übrig.

Man erkennt Gottes unterschiedliche Stimmungslage an dem fertiggestellten Teil des Mittelschiffs, das aber nie vollendet wurde. Nun steht der Dom mit viertelfertigem Mittelschiff verloren auf dem Platz. Aber auch so ist er schön genug, um einer der berühmtesten der Welt zu sein.

Ankommen

Dievole
Man isst regionsverbunden, kann aber die toskanische Küche auch in Kursen lernen. - Foto: Alexander Rabl

Diese kleine Geschichte als Beispiel dafür, dass es nicht alle Bauten so gut getroffen haben wie das Land- und Weingut Dievole, zwanzig Auto-Minuten vom Siena-Dom entfernt – eine Agglomeration von Gebäuden zum Essen, Wohnen, Schlafen, Weintrinken und zur Erbauung des Geistes und des Gemüts.

Schon bei der Anfahrt durch die Allee der Zypressen entdeckt der Reisende die Langsamkeit. Die ausgeklügelt platzierten Schlaglöcher schließen jedes Tempo über 20 km/h aus. Das Gut Dievole wurde mit ruhiger Hand von einem wissenden Bauherrn an einer Stelle errichtet, wo das Licht der toskanischen Sonne besonders schmeichelhaft über Hügel, Wälder, Weinberge und Olivenhaine streift. Die Sonne wirkt dabei nie aufdringlich, es sind genügend Bäume da, die Schatten spenden.

Während des Sommers findet der Gast zudem Abkühlung in zwei exzellent gelegenen Pools. Einer liegt neben einem Rosengarten in Nachbarschaft zu den Weinreben, der andere bietet ein gewaltiges Panorama über die endlos scheinende Hügellandschaft der Toskana, die hier offener, einladender ist. Greve in Chrianti und andere besuchenswerte Orte liegen in etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde von Dievole entfernt.

Aufbruchsstimmung

Dievole
Dino und Salviano, zwei alte Meister am Grill und im Service. - Foto: Alexander Rabl

Dievole gehört zu den Jahrhunderte alte Anwesen, die von ihren Besitzern an die reichen Italiener im Norden, Deutsche und Amerikaner verkauft wurden, welche ihnen liebevolle Pflege angedeihen ließen. Der Grund war, dass den Großgrundbesitzern im vorigen Jahrhundert die Arbeitskräfte ausgingen. Denn die Mezzadria, das italienische Feudalsystem, ließ den Landarbeitern kaum Luft zum Atmen, weshalb sie in die Städte abwanderten.

Die Besitzer von Dievole sind Deutsche, seit vergangenem Jahr ist ein neuer Manager da. Gemeinsam will man dem Gut da und dort ein kleines Refurbishment verpassen, ohne den Charakter von Dievole zu opfern. Im Unterschied zu vielen anderen noblen Landhäusern in der Toskana sind die Mitarbeiter auf Dievole seit Jahrzehnten mit dem Ort verbunden und nicht bloß Speisenträger oder Gärtner.

Die Brüder Service und Küche

Dievole
Höhepunkt: die Porchetta wird serviert. - Foto: Alexander Rabl

Salviano, der ehrwürdige Ober, kennt keine Sperrstunde und wenn Gäste um Mitternacht noch Durst auf den köstlichen Dievole-Chianti haben, überlässt er ihnen auch einmal den Schlüssel und zeigt den Lichtschalter. Sein Bruder Dino kümmert sich um das Grün, die Bäume und die Weingärten. Damit hat er viel zu tun, was ihn aber nicht hindert, jeden Freitagabend Schweinsrippen, Hühner, Würste und T-Bone-Steaks auf den Holzkohlengrill zu legen.

Die Küche des Restaurants pflegt die toskanische Tradition und hat derweil nicht den Ehrgeiz für die gehobene Feinschmeckerei. Das freut jene, die auf der Suche nach dem Authentischen sind: Paradeissuppe mit Brot und einem Dash vom gutseigenen Olivenöl, das die geniale Schärfe im Abgang hat, die ein wirklich gutes Öl auszeichnet. Sonst gibt’s noch Gemüse, Wildschwein, Lamm und Spanferkel im Ganzen (Porchetta).

Anti-Mainstream

Dievole
Weinproben finden auf Dievole nicht nur im wunderschöen Keller statt. - Foto: Alexander Rabl

Vielleicht reden wir noch einmal kurz über den Wein. Dievole arbeitet mit der Universität Siena zusammen. Es geht um die Wiederentdeckung vergessener Rebsorten. Dievole sieht sich als Weingut gegen den Mainstream, Auszeichnungen gibt es reichlich. Die Weine sind gelungen bis sehr gelungen, mancher Jahrgang vielleicht eine Spur zu breit, wie der Broccato 2009, der aus den Sorten Sangiovese, Merlot und Petit Verdot vergoren wurde.

Wie gut, dass das Zimmer dann nur ein paar Schritte von der wunderschönen Terrasse und dem Restaurant entfernt liegt.

Übrigens: Die Zimmer sind zu verdaulichen Preisen zu haben. Was sich ändern könnte, wenn die Besitzer Dievole vielleicht doch zu einem Luxus-Resort upgraden.

Anreise und Preise

Dievole
Superidee: Auf Dievole kann man Vespas mieten und damit durch die kleinen Wege und Straßen der Gegend brausen. - Foto: Alexander Rabl

Das Gut liegt zwölf Kilometer nordöstlich von Siena, ca. einen Kilometer vom Ort Vagliagli entfernt. Verlassen Sie die Schnellstraße SI-FI bei Siena Nord.

Preise ab 120 €/Zimmer.

Packages:

Das Gut bietet auch zahlreiche Arrangements, vor allem für Gourmets und Hobbyköche.

Zum Beispiel:

– Food & Wine Lovers. 2 Nächte/3 Tage mit Degustationsmenüs und Besuch von drei Top-Weinkellern, ab 239 € pro Person im Doppelzimmer.

– Kochkurs à la Toscana. 2 Nächte/3 Tage, ab 295 € pro Person im Doppelzimmer.

Ausflugs-Tipps

Dievole
Spektaluäre Mosaike im Dom zu Siena. - Foto: Alexander Rabl

Siena ist klar. Dort verbringt man locker mindestens einen Tag. Nach Florenz sind es knappe 50 Minuten. Außerdem sehr zu empfehlen: das Kloster La Certosa di Pievescola, wo Dievole gemeinsam mit der Universität Siena an der Erhaltung und Wiederbelebung der Klosterkultur arbeitet. Ein schöner Ort. Man produziert dort einen bemerkenswerten Wein.

Restaurant-Tipps

Dievole
Ein Fest fürs Gemüt: Frateria di Padre Eligio - Foto: Alexander Rabl

– Il Canto im Hotel Certosa di Magnano.

Hier kocht einer der kreativsten Köpfe der Toskana. Die Nummer 45 auf der San Pellegrino-Liste der 100 Best-Restaurants-of-the-World

Siena, Strada di Certosa 86,  +39/0577/288182

– La Frateria di Padre Eligio.

Mondo X, ein Projekt zur Drogenentwöhnung junger Menschen, betreibt hier eines der schönsten Restaurants Italiens. Klassische toskanische Küche auf Niveau, grandiose Weinauswahl.

Convento di San Francesco 2, 53040 Cetona,  + 39/ 0578/ 238 261

Kontakt & Buchung

Dievole
Besuchenswert: die Certosa di Pievescola in der Nähe von Dievole. - Foto: Alexander Rabl

Hotel & Wine Resort Villa Dievole.

Vagliagli, 53019 Castelnuovo Berardenga (SI),

+39/ 0577/ 322 632

www.villa.dievole.com

(kurier) Erstellt am 03.06.2012, 02:10

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