Letztes Update am 21.08.2012, 16:55
Weltwunder Petra: Schatzhaus in der Wüste.
Vor 200 Jahren entdeckte der Schweizer Forscher Jean Louis Burckhardt die fabelhafte Felsenstadt Petra im Süden Jordaniens. Der „rosarote Sitz der Nabatäer“ zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken der Antike.
Der Wüstenwind bläst kalt, die strahlende Frühlingssonne hat noch nicht viel Kraft, es ist neun Uhr morgens, die beste Zeit, um nach Petra aufzubrechen. Beduinen galoppieren vorbei, Sand wird durch die Hufe der Araberpferde auf der weiten Fläche vor dem engen Eingang in die Felsenstadt, dem Sik, aufgewirbelt. Eineinhalb Kilometer geht man durch eine enge Schlucht, an manchen Stellen nicht breiter als zwei, drei Meter.
Plötzlich Sonnenlicht, der Kanal öffnet sich und gibt den Blick frei auf das Schatzhaus der Nabatäer: es ist der Ort der größten Magie von Petra, ein in den Felsen gehauener Tempel, der atemberaubend in die Höhe ragt.
Kamele liegen faul vor dem Kunstwerk, Händler in bunten Tüchern tummeln sich am Platz, Kameras klicken, Beduinen-Kinder verkaufen Postkarten. Wenn man nicht früh genug unterwegs ist, kann es ganz schön eng werden vor dem Schatzhaus.
Durch den Talkessel geht der Fußmarsch weiter. Bis zum unteren Ende der Stadtanlage sind es vier Kilometer. Zu den Höhepunkten links und rechts des Weges gehören das gut erhaltene Theater mit 7000 Plätzen auf 40 Sitzreihen und die Königsgräber am Fuße des Dschebel al-Khubtha, die über eine hohe, ausgetretene Treppe erreicht werden.
Eine Kolonnade weist den Weg zum heiligen Bezirk mit dem Tempel Qasr al-Bint. Das Dushara, der obersten Gottheit der Nabatäer, gewidmete 23 Meter hohe Bauwerk, ist das Hauptheiligtum der Stadt.
Weihrauch und Myrrhe
Bilder erscheinen einem vor Augen, was für ein wohlhabendes Volk die Nabatäer wohl waren, die mit Weihrauch, Myrrhe, Gewürzen und Seide aus dem ganzen Orient handelten, Steuern und Zölle eintrieben, ein eigenes Wassersystem hatten und vom Weltgeschehen rundherum unbeeinflusst während Jahrhunderten sehr gut lebten.
Dank dieser geschützten Karawanserei wurde Petra zu einer der reichsten Städte der Region in der damaligen Zeit. Nach zwei schweren Erdbeben und der Eroberung durch die Römer 106 nach Christus, wurde Petra zur römischen Provinz und versank in der Vergessenheit, bis sie der Schweizer Johann Ludwig Burckhardt 1812 entdeckte.
Der Forscher aus Basel studierte Arabisch in Cambridge, konvertierte zum Islam und erhielt von der African Association den Auftrag, die Quelle des Niger zu finden. Bei seiner Expedition erfuhr er von einem magischen Ort und fand Petra unter dem Vorwand, Aaron, dem älteren Bruder von Mose und einem der Propheten im Islam, huldigen zu wollen. Aarons Grab befindet sich laut Überlieferung auf dem Gipfel des Dschabal Harun.
Selbst Hollywood fand Gefallen an Petra. Steven Spielberg nützte die versteckte Felsenstadt vor mehr als 20 Jahren als Kulisse für Indiana Jones und der letzte Kreuzzug. Das Schatzhaus, in dem sich freilich keine Schätze befinden und Beduinen hausten, diente Spielberg als Tempel für den Heiligen Gral.
Der Kinoerfolg weckte das Interesse an Petra, Jordanien wurde zum Hotspot im Nahen Osten. Mehr als eine Million Besucher ist die Zielvorgabe für 2012. Petra als Kultur- und Naturwunder soll neu erfunden und weitere Ausgrabungen in der „rosaroten Stadt“, wie sie Burckhardt nannte, forciert werden.
Wer den Touristenandrang und die glühende Hitze im Sommer im „herrlichsten Ort der Welt“ (Lawrence von Arabien) vermeiden will, kommt im Frühling, übernachtet am besten im Mövenpick-Hotel am Eingang zur Felsenstadt und gönnt sich den Spaß, im „Petra-Kitchen“ unter sachkundiger Anleitung sein eigenes arabisches Abendessen zuzubereiten. Rezepte werden mitgeliefert.
Empfehlenswert ist Petra by night zu sehen. Tausende Kerzenlichter vom Eingang bis zum Schatzhaus begleiten die Besucher, der Himmel ist sternenklar die Handys sind stumm. Chai, der bernsteinfarbene Tee mit Kardamom und Minze, wird serviert, gratis, so will es die Gastfreundschaft, sie ist oberstes Gebot. Lautenspiel und Gesang kosten aber rund zwölf Euro, die Tageskarte für Petra rund 50 Euro.
Zu einer Jordanien-Rundreise gehört unbedingt der Besuch von Wadi-Rum, einer wilden, karstigen Canyon-Landschaft: Willkommen auf dem Mond. Bevor wir die Rundreise durch die Steinwüste starten, gibt es im Beduinen-Camp „Captains Desert“ ein arabisches Mahl.
Männer in hellbraunen bodenlangen Dishdashas, die ihre Körper umwehen, Krummsäbel um die Hüfte und der typischen Kopfbedeckung aus rotweißkarierten Baumwollstoff servieren köstliches Huhn mit Gemüse, beides im Sandofen geschmort.
Mit Pick-up und Beduinen-Chauffeur Mahmud, der sechs Kinder und „nur eine Frau hat“ (der Islam erlaubt vier Frauen, Anm.) , kurvt man von Düne zu Düne, Dutzende Kilometer zwischen senkrecht in den Himmel ragenden Steinblöcken. Die Sandstürme haben die Felsen in Jahrtausenden zu bizarren Formationen geschliffen, alles Gebilde bis zu 1700 Meter hoch.
Mahmud steigt aufs Gas, die Beduinen-Zelte aus Ziegenhaar geknüpft, picken am Fuße der Felsen. Die blassen Stängel Salzkraut nimmt man gar nicht mehr wahr. Soweit das Auge reicht, Sand in allen braun-, beige- und orange-Schattierungen.
Kamelfamilien ziehen einsam ihre Wege, gelegentlich sieht man eine purpurfarbene Blume, die aus dem Sand leuchtet. „Eine Medizin gegen Krebs“, sagt Chauffeur Mahmud, bleibt stehen und pflückt sie. Kaum zu glauben, die Wüste lebt.
Lawrence von Arabien
Das Gebiet um Wadi-Rum ist Naturschutzgebiet und ein Paradies für Trekkingtouristen und mutige Kletterer. Abseilen durch 700 Meter hohe Schluchten ist für Adrenalinjunkies ein Muss. Wenn der Fahrer des Jeeps abrupt hält und ruft „Schauen Sie auf diese Steinwand“, weiß man nicht sofort, was er meint.
Ach ja, hier wohnte der polyglotte Archäologe, T. E. Lawrence, der zum britischen Leutnant aufstieg, sich allen Befehlen verweigerte und im Ersten Weltkrieg arabische Freischärler im Kampf gegen die Osmanen anführte. Jordanier sind stolz auf ihn und darauf, dass Teile des Hollywood-Filmes „Lawrence von Arabien“ hier gedreht wurden.
Jordanien war Schauplatz vieler Ereignisse, das Land ist heiliger Boden: Moses hat vom Berg Nebo, eine Autostunde von Amman entfernt, das Gelobte Land erblickt, so steht es in der Bibel. Jesus wanderte durch das Jordantal und heilte Kranke.
Einen Besuch wert ist die Stadt Madaba auf einem Hochplateau über dem Toten Meer gelegen. Hier leben viele griechisch-orthodoxe Christen. Die Hauptattraktion ist eine byzantinische Mosaik-Landkarte aus dem sechsten Jahrhundert, auf der Jerusalem abgebildet ist.
Die politische Lage in Jordanien ist ruhig, dennoch wirken sich die Folgen der arabischen Revolution auf den Tourismus aus, es gibt weniger Gäste. Die Gewalt in Syrien könnte dem Fremdenverkehr zum Verhängnis werden.
„Ja, wir leiden darunter, und wir bekommen auch die europäische Schuldenkrise zu spüren“, sagt Abed Al Razzaq Arabiyat vom Jordan Tourism Board. Umso intensiver wird für die Attraktion Nummer eins, für Petra, geworben.
Sicher wie die Schweiz
Tourismus ist eine wichtige Säule der jordanischen Wirtschaft. Rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden damit erwirtschaftet, 150.000 Jobs sind von der Branche abhängig. Neue Tourismusangebote sollen die Arbeitslosigkeit von derzeit offiziell rund 15 Prozent (inoffiziell sind es mehr als 30 Prozent) senken.
„Jordanien ist sicher wie die Schweiz. Mehr Menschen sollten zu uns kommen“, wünscht sich Reiseführer Mueen Akroush. Er hält Jordanien für ein freies und tolerantes Land. „No problems here“, beruhigt er. „Und der König macht wirklich viel für uns.“ Abdullah II., seit 1999 auf dem Thron, gilt als Stabilisator des haschemitischen Königreiches ebenso wie die beliebte Königin Rania.
Entspannen im familienfreundlichen Fünf-Sterne Resort am Toten Meer
Im salzschweren, dunklen Wasser des Toten Meeres muss man einmal gelegen haben, sagen wir lieber: gesessen haben wie in einem unsichtbaren Liegestuhl – und das am besten mit einer spannenden Lektüre in der Hand. Keine Angst, Untergehen ist unmöglich, bei leichter Brise aus der Wüste entfernt man sich langsam vom Ufer, Liegen und Sonnenschirme im Sand werden immer kleiner, die Hotelanlage erscheint als grüne Oase.
Hat man wieder festen Boden unter den Füßen, lässt man sich am besten mit Schlamm aus dem Toten Meer dick bestreichen, man sieht aus als wenn man in ein Nutella-Glas gestürzt wäre. Die Vollkörper-Maske wirkt Wunder. Nach dem duschen merkt man den Unterschied: die Haut ist babyweich, Falten verschwinden – vorübergehend – man fühlt sich wirklich jünger.
Am besten ist es, eine Jordanien-Reise am Toten Meer zu beenden und sich dort ausgiebig zu entspannen. Und das in einem luxuriösen, familienfreundlichen und großzügigen Ambiente. Am meisten Atmosphäre bietet das Fünf-Sterne- Resort & Spa Mövenpick in Sowayma.
Am nördlichen Ufer liegt die weitläufige Hotelanlage mit riesigem Garten. Zwischen Sträuchern und Bäumen sind zahlreiche Bungalows versteckt, es sieht aus wie in einem kleinen Dorf. Die Zimmer sind ebenerdig oder im ersten Stock gelegen und haben alle eine eigene Terrasse mit bequemen Gartenmöbeln. Die Vegetation ist atemberaubend, Orangen- und Zitronenbäume blühen das ganze Jahr, ihre Blüten riecht man in der ganzen Anlage, gleichzeitig tragen die Bäume Früchte. Palmen und sämtliche andere mediterranen Gewächse wuchern wie im Urwald.
Ein Erlebnis ist das Schwimmen im Infinity Pool mit Meerblick und intensivem Salzgeruch in der Nase. Das Mövenpick hat mehrere Pools, auch beheizt und mit Wasser aus dem Toten Meer. Es gibt einen privaten Zugang zum Strand, eine Holztreppe führt direkt in das Wasser. Für Kinder gibt es Spielplätze und eigene Pools zum Pritscheln.
(kurier)
Erstellt am 06.08.2012, 17:00