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KURIER
Louvre in Lens bei Lille.
Louvre in Lens bei Lille. - Foto: Werner Rosenberger

Letztes Update am 17.01.2013, 06:33

Ein Louvre für die "Landeier". Kultur statt Kohle heißt es in Nord-Pas de Calais in der früheren Minenregion an der Grenze zu Belgien.

Der Pariser Louvre bringt Glanz in eine arme Stadt: Lens im nordfranzösischen Departement Pas-de-Calais galt bislang als Metropole der Tristesse. Die Region zwischen Ärmelkanal und Belgien ist durch den Kinohit „Willkommen bei den Sch’tis“ bekannt und wird als Reiseziel immer beliebter. Die unaussprechlichen Sch’tis, die Flamen aus dem Norden Frankreichs, sind den Franzosen etwa, was die Schweizer für Deutsche und Österreicher sind: ähnlich, aber unverständlich. Sie gehören zwar der gleichen Sprachfamilie an, aber ihr kurioser Dialekt, das „ch’timi“ – die Linguisten nennen es „le picard“ – ist nur schwer zu verstehen. So sind sie den Franzosen, was die Schotten den Engländern: Spottfiguren, Hinterwäldler, Landeier, kurzum: fleischgewordene Vorurteile.

Von Lille nach Lens

Lille, Europas Kulturhauptstadt 2004, ist jung. 36 Prozent der Einwohner sind unter 25. Und wer durch die barocken Gassen von Vieux Lille flaniert, das „alte Lille“ mit Kopfsteinpflaster und Fassaden aus dem 17. und 18. Jahrhundert, erkennt viele Gemeinsamkeiten mit den belgischen Verwandten Gent, Brügge oder Antwerpen.

Im Palais des Beaux-Arts, dem zweitgrößten französischen Kunstmuseum, sind Klassiker von Goya und Rubens bis Picasso zu bewundern. Und in der Patisserie „Meert“ gibt es die besten Waffeln und Schokoladen des Nordens. Charles de Gaulle ließ sich gefüllte Vanille-Waffeln aus seiner Heimatstadt Lille sogar in den Elysée-Palast schicken.

 

Lens, der Hauptort des ehemaligen Kohlereviers 35 Kilometer südlich von Lille, und im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg zerstört, war mit Kulturangeboten bisher nicht gesegnet. Jetzt kalkuliert man mit dem Bilbao-Effekt: Erlesene Kunstschätze aus dem Louvre im eleganten transparenten Museumsneubau der Japaner Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa sollen jährlich 500.000 Besucher anlocken. Die bringt der TGV in einer Stunde von Paris, in der halben Zeit aus Brüssel.

Air France in Wien verkauft Kombitickets Flug+TGV über www.airfrance.at. TGV-Bahnhof für den Louvre ist Lille Europe und dann mit der Lokalbahn nach Lens: Der Bahnhof in Art Déco mit vom Kubismus inspirierten Mosaiken hat die Form in Form einer Lokomotive.

Im Juni 2012 hat die Unesco das ehemalige Kohlebecken rund um Lens zum Weltkulturerbe der Kategorie „sich entwickelnde und lebendige Kulturlandschaften“ erklärt. Auf mehr als 120 Kilometern sind die typischen Zechengelände und komplette Siedlungen ehemaliger Bergarbeiterwohnungen erhalten. Die Unesco listet 353 Merkmale auf, die an die Geschichte der Minenarbeit erinnern.

Kulinarisches

„Carbonade flamande“, ein Fleischtopf mit Biersauce, Miesmuscheln mit Pommes frites, kurz „Moules-frites“, Maroilles-Käse, die lokalen Biere und Genever werden in den typischen „Estaminets“ – Restaurants der Bergleute – serviert. Es sind Lokale, wo der Charme der französischen Flamen richtig zur Geltung kommt.

Arras Nordfrankreich Malerischer Hauptplatz, geprä…
Foto: Werner Rosenberger
Einen Besuch lohnt auch Arras 50 Kilometer südwestlich von Lille: Die malerische Grande Place und die Place des Héros mit ihren hübschen Häuserfassaden im flämischen Barockstil sind einzigartig in Europa. Mit seinem signifikanten Rathausturm, dem „beffroi“, und der Zitadelle steht auch Arras auf der Unesco-Weltkulturerbeliste. Und das Musée des Beaux-Arts in der ehemaligen Benediktinerabtei Saint-Vaast zeigt in der Ausstellung „Roulez Carrosses“ (bis 10. 11. 2013) die schönsten Kutschen aus dem Schloss von Versailles.

www.rendezvousenfrance.com

www.lilletourism.com

www.versaillesarras.com

(kurier) Erstellt am 17.01.2013, 06:33


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