Vom Camping zum König

NETHERLANDS WWII
Foto: APA/Olaf Kraak

Die Niederländer wollen den Thronwechsel in acht Wochen groß feiern.

800px-Dam_Square_02_977.PNG Foto: Ijanderson977/wikipedia Ein Zimmer im Amsterdamer Hotel Krasnapolsky am 30. April ist so begehrt wie ein Lottogewinn. Kein Wunder: Die Luxusherberge steht am Platz Dam, gegenüber dem königlichen Palast. Dort wird Königin Beatrix in acht Wochen den Thron für ihren Sohn Kronprinz Willem-Alexander freimachen. Vom Krasnapolsky aus hat man den besten Blick auf den Balkon, auf dem die königliche Familie rund 25.000 Menschen auf dem Dam zuwinken wird.

Viele Hotels in der Nähe sind schon ausgebucht. Aber Schlafplätze gibt es genug. Nur vielleicht nicht ganz so luxuriöse. Ein Hotel bietet eine Suite für vier Personen an, für 250 Euro die Nacht. Ein Schnäppchen. Allerdings liegt das Etablissement im Rotlichtviertel. Nach dem langen Festtag muss man sich in ein Stockbett quetschen in einem Zimmer, das in anderen Ländern als Wandschrank durchgehen würde.

Vor dem größten Oranje-Fest des Jahrzehnts wittert so mancher Amsterdamer eine Chance auf das große Geld. Studentenzimmer, Zelte, Boote - sogar ein Gartenhäuschen wird angeboten: 250 Euro pro Nacht. Fans von Kronprinz Willem-Alexander (45) und Prinzessin Maxima (41) können auch das "Königinnentag-Arrangement" von Wietze Mulder buchen. 650 Euro für eine ganze Woche. Der Haken an der Geschichte: Es ist ein Schlafplatz auf einem Campingplatz. "Es ist Krise, oder?" witzelt Mulder, Besitzer eines Wohnwagenverleihs. "Da muss man ein bisschen kreativ sein."

Seit fast 33 Jahren sitzt Königin Beatrix auf dem niederländischen Thron. Lange schon wird darüber spekuliert, nun soll es so weit sein:  Es wird einen Wechsel an der Spitze des Königshauses geben. Die niederländische Königin Beatrix will im April abdanken - zugunsten ihres Sohnes Prinz Willem-Alexander, gab sie kurz vor ihrem 75. Geburstag bekannt. "Die Königin wird ihren 75. Geburtstag im Familienkreise feiern", teilte der Hof mit, als ob es um einen ganz normalen Geburtstag ginge. Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Vor knapp einem Jahr verunglückte Beatrix zweiter Sohn, Prinz Friso, beim Skifahren in Österreich.Er liegt seitdem im Koma in einer Klinik in London. Das Unglück überschattet den Tag. Die Niederländer werden daher nicht nur mit Respekt, sondern auch mit Mitgefühl und Zuneigung an ihre Königin denken. Das zeigte sich bereits in der vergangenen Woche. Bei ihrem Staatsbesuch in Brunei kamen Königin Beatrix plötzlich die Tränen. Beim Treffen mit der niederländischen Gemeinschaft in dem asiatischen Sultanat brach ihre Stimme. Sie hatte mit den Eltern eines siebenjährigen Mädchens gesprochen, das am Neujahrstag ertrunken war. "Diese Tragödie hat Sie alle hier zutiefst getroffen", sagte Beatrix.  In so einem Moment müsse man zueinanderstehen. "Das ist unglaublich wertvoll." Nicht nur die Gäste in Brunei, sondern auch viele Niederländer zu Hause mussten da wohl schlucken. In diesem Moment sahen sie nicht nur ihr Staatsoberhaupt, sondern vor allem eine Mutter. Der Geburtstag der Monarchin wird wie jedes Jahr erst am 30. April, am "Koninginnedag", mit einem Volksfest im ganzen Land gefeiert. Doch schon jetzt sind die Medien im Beatrix-Fieber mit Sondersendungen und Sonderbeilagen, Büchern und Ausstellungen. Dass die Fürstin selbst keinen großen Trubel will, passt auch zum Stil des niederländischen Königshauses. Pomp und großer Luxus würde auch beim noch immer vom Calvinismus geprägten Volk vermutlich nicht gut ankommen. Seit fast 33 Jahren ist Königin Beatrix nicht nur Chefin des Hauses Oranje, sondern auch des Landes. "Die Vorstandsvorsitzende der Firma Niederlande", wird sie oft spöttisch, aber auch anerkennend genannt. Sie arbeitet hart, ist stets gut informiert und ungeheuer pflichtbewusst, loben alle Ministerpräsidenten, die mit ihr zusammenarbeiteten. Sie ist ein Kontrollfreak, lästern vor allem Journalisten. Die Dame mit der stets makellosen Frisur führt gerne die Regie. Und das gilt auch für den Moment des Thronwechsels. Der Moment für einen solchen scheint günstig. Nach zehn Jahren mit fünf Parlamentswahlen scheint nun wieder mehr politische Stabilität im Land eingekehrt zu sein. Und Beatrix hatte einmal in einem ihrer seltenen Interviews selbst angegeben, dass sie ihrem Sohn einen leichten Start ermöglichen will. Außerdem sind Umfragen zufolge die meisten Niederländer davon überzeugt, dass Kronprinz Willem-Alexander gut auf seine Funktion als König vorbereitet ist. Die meisten Untertanen gönnen der Monarchin den Ruhestand, auch wenn sie Beatrix schätzen.  "Ich bin gegen die Monarchie", sagt etwa der Amsterdamer Unternehmer Marc Visser. "Aber sie macht ihre Sache gut." Auch die Ansicht der Verkäuferin Anneke ist wohl stellvertretend für viele: "Vor allem nach dem schrecklichen Unfall von Prinz Friso, sollte sie jetzt Zeit für ihre Familie haben."

(DPA / cka) Erstellt am

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