So wird Silvester rund um den Globus gefeiert

PANew Year, or Hogmanay celebrations, get underway at a fair ground near Edinburgh castle, in background, and clocktower in foreground, Scotland, just past midnight Wednesday Jan.1, 2003. The Hogmanay celebrations are widely considered one of the biggest
Foto: AP/David Cheskin

Andere Länder, andere Sitten - das gilt auch für die letzte Nacht des Jahres. Silvesterbräuche weltweit im Überblick.

Baden in eiskalten Gewässern, rote Dessous und viele Leckereien – das neue Jahr wird in der ganzen Welt auf unterschiedliche Art begrüßt. Ein buntes Spektakel ist es überall. Wir zeigen Ihnen, wie der Jahreswechsel in anderen Ländern begangen wird. In Schottland gehen junge Männer an Hogmanay (schottisch für Silvester) kurz nach Mitternacht mit einem Kilt bekleidet und mit Whisky, Rosinenbrot und einem Stück Kohle bestückt durch die Straßen und klingeln an die Haustüren. Steht so ein junger Mann vor dem Haus, muss er unbedingt hinein gebeten werden. Einem altem Brauchtum nach bringt dies im kommenden Jahr Glück. Gegessen werden an diesem Feiertag typisch schottische Delikatessen: Schwarze Laibe ("Black Bun") und "Haggis" (gefüllte Schafsmägen). Dazu gib's das Nationalgetränk – Whisky. Am Neujahrstag wird üblicherweise der "Looney Dook" begangen: Die Menschen gehen in das eiskalte Wasser des Forth bei Edinburgh schwimmen. Auch in Tirol verabschiedet man sich fröstelnd vom alten Jahr: Um 12.30 Uhr stürzen sich Teilnehmer des Silvesterschwimmens mutig in die Fluten des Achensees, um möglichst schnell zum 25 Meter entfernten Eisberg zu schwimmen, diesen zu erklimmen und nach dem Läuten der Silvesterglocke wieder retour zum Steg zu kommen. Weniger frostig geht es in Spanien ins neue Jahr: Auf der Iberischen Halbinsel wird einem Silvesterbrauch zufolge zu jedem mitternächtlichem Glockenschlag eine Weintraube gegessen. Dazu darf man sich etwas wünschen. Wenn die Kirchenglocke zum zwölften Mal läutet, muss auch die letzte Traube hinuntergeschluckt sein, sonst könnte das neue Jahr weniger gut werden. Dann wird angestoßen – im Idealfall mit einem goldenen Ring im Glas, der soll das Glück im neuen Jahr verstärken. Einen goldenen Ring legen sich auch Paare in Italien ins Glas: So sichern sie sich Glück zum Jahreswechsel. Im Regelfall unsichtbar bleibt ein anderer Brauch: Italienerinnen (und damit sind sie nicht alleine) tragen in der letzten Nacht des Jahres rote Unterwäsche. Auch das verheißt Glück für die kommenden Monate. Am Neujahrstag geht man in Italien baden: In Rom hat sich ein richtiges Spektakel um den Sprung in den Tiber entwickelt. Geld bringt in Griechenland Glück. Deshalb backen die Griechen für Silvester das Basiliusbrot, das durch Gewürze wie Anis und Vanille sowie Mandeln und Orangen sehr schmackhaft ist. Zuvor wird eine Münze in den Teig gemischt. Wer beim Verzehr die Münze in seiner Brotscheibe findet, der kann nach Ansicht der Griechen mit Glück für das ganze Jahr rechnen. In Argentinien will man sich am letzten Tag des Jahres von Altlasten befreien. Aus diesem Grund hat es im südamerikanischen Staat Tradition, alte Unterlagen und Papiere, auf die man im neuen Jahr verzichten kann, zu vernichten. Die Papiere werden sorgsam in kleine Schnipsel zerrissen und aus dem Fenster geworfen, um sich so der alten Last zu entledigen. Somit scheint es an Silvester in ganz Argentinien zu schneien – und dass bei sommerlichen Temperaturen. In Brasilien feiert man in Weiß und hofft auf Glück und Frieden für das kommende Jahr. Weiß ist die Lieblingsfarbe der Meeresgöttin Yemanjá, die gleichzeitig weibliche Fruchtbarkeit symbolisiert, sie wird zu Silvester besonders von den brasilianischen Frauen geehrt. Um Mitternacht pilgern die Bewohner zum Meer und werfen Blumen ins Wasser. Im Anschluss zünden sie Kerzen an und stecken diese in den Sand: rote für Glück in der Liebe, weiße für den Frieden und gelbe für Geldsegen. Auch die Brasilianerinnen tragen in dieser Nacht besondere Unterwäsche: rote Dessous in der Hoffnung auf die große Liebe, weiße für ein harmonisches Leben. In Chile steht die Farbe Rot für Glück und Leidenschaft. In der Silvesternacht werden bevorzugt rote Dessous getragen, um mit möglichst viel Glück für das kommende Jahr ausgestattet zu werden. Wer sich stattdessen lieber eine volle Geldbörse wünscht, sollte sich für gelbe Unterwäsche entscheiden, wer auf der Suche nach seinem Traumpartner ist, für rosafarbene. Alle Fans von Feuerwerkskörpern werden enttäuscht: Der Verkauf von Raketen, Böllern und Ähnlichem an Privatpersonen ist in Chile nämlich untersagt. Stattdessen gibt es als Entschädigung in Valparaíso das größte Feuerwerk Südamerikas. Damit das neue Jahr möglichst "süß" wird, werden in Israel zum Neujahrstag süße Äpfel mit Honig sowie Honigkuchen serviert. Oft wird auch eine süße Speise aus Karotten gereicht. Das jüdische Neujahrfest Rosh Hashana soll zur Umkehr anregen. Während der Gottesdienste wird in Israel auf einem Widderhorn geblasen. Dessen kräftigen Laute sollen dazu bewegen, das Jahr Revue passieren zu lassen und begangene Taten zu überdenken. Weil nach jüdischer Auffassung Gott an diesem Tag sein Urteil über den Menschen in ein Buch einträgt, grüßt man sich: "Du mögest für ein gutes Jahr eingeschrieben sein." In Japan dauert das Fest zum Jahreswechsel bis zum 7. Jänner. Es beginnt ruhig im Kreise der Familie. Nach drei Tagen wird die Ruhe von 108 Glockenschlägen unterbrochen, die von jedem Tempel des Landes schallen, als Symbol für die 108 Übel des alten Jahres, die damit vertrieben werden. Dann ist es an der Zeit laut und fröhlich das neue Jahr zu feiern. Typische Leckereien für das japanische Neujahrfest sind Mochis: Knödel aus Klebereis, die gestampft und nach einem mehr als tausend Jahre alten Brauch zubereitet werden. Die Mochis sollen den Japanern Glück bringen. Der Verzehr geht allerdings nicht immer glücklich aus: Jedes Jahr ersticken Menschen an der klebrigen Teigmasse. In Russland fallen Weihnachten und Silvester auf einen Tag. Sobald die Uhr am Roten Platz in Moskau zwölfmal geschlagen hat, wird im ganzen Land auf das neue Jahr angestoßen. Gereicht werden die Nationalgerichte Borschtsch und Kutya, die als Symbol für Hoffnung stehen sowie Honig und Mohn für Freude und Erfolg. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, gießen die Russen an diesem Feiertag Wachs – ähnlich wie bei uns das Bleigießen. Und natürlich wird das neue Jahr auch in Russland mit einem Bad in einem der eisigkalten Flüsse begrüßt, ebenso ... ... wie im nicht minder frostigen Schweden. Silvester bedeutet für die Schweden auch: die kälteste Jahreszeit. Nichtsdestotrotz wird hier der Jahreswechsel ausgiebig gefeiert. Weihnachten ist ein Familienfest, Silvester hingegen eine einzige große Party mit Freunden. Traditionell stehen dann Hummer und Austern auf dem Tisch. Dazu gibt es jede Menge an Leckereien. Um Mitternacht prostet man seinen Freunden mit einem herzlichen "Skål!" zu und verjagt mit Feuerwerkskörpern böse Geister aus der Stadt. In New York wird der "New Year's Eve" bunt und laut zelebriert. Der Ursprung dieses Spektakels war aber ein ganz anderer: 1904 weihte die "New York Times" ihr neues Firmengebäude am Times Square am Silvestertag mit einem Feuerwerk ein. Seither lockt dieser Ort Jahr für Jahr in der letzten Nacht des Jahres zahlreiche Amerikaner und Touristen an. Das neue Jahr wird mit einem gigantischen Feuerwerk begrüßt. Das Essen am Neujahrstag fällt in den USA hingegen weniger pompös aus: Ein einfaches Mahl zu Jahresbeginn bedeutet Wohlstand im ganzen restlichen Jahr. In China wird das neue Jahr erst später eingeläutet: Meist im Februar, immer am Tag des ersten Vollmonds nach dem 21. Jänner. Das Neujahrsfest ist das größte Fest des Landes – insgesamt drei Tage lang wird gefeiert. Die Zahl der Neujahrsriten ist entsprechend groß. Um böse Geister zu vertreiben, werden Häuser vor Beginn des Neujahrsfests mit Bambuszweigen geputzt. Anschließend werden Textilien – von der Bettwäsche bis zur Kleidung – gegen neue ausgetauscht und das Haus mit roten Papierstreifen und goldenen Glückszeichen ausgestattet. Ab 23 Uhr werden in ganz China die Türen und Fenster geöffnet, damit das neue Jahr Einzug erhält. Und wir in Österreich begehen das neue Jahr traditionell im Walzerschritt: Die Wiener tanzen üblicherweise im Dreivierteltakt auf dem Rathausplatz dem neuen Jahr entgegen. Dazu ein Gläschen Sekt und ein ein Blick in die Zukunft mit Bleigießen. Eingeläutet wird das neue Jahr von der Pummerin. In den Dörfern ziehen die Neujahrssänger von Haus zu Haus. Auf die Gesänge des Chores folgt ein Segenswunsch für Haus, Hof und Bewohner. Im Anschluss werden die Sänger beschenkt. Die ganze Nacht wird dieses Zeremoniell wiederholt.

(KURIER / cka, sog) Erstellt am

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