Letztes Update am 20.10.2012, 15:30
Überflutete Insel-Schätze der Nordsee.
Die Halligen sind eingedeichte Inseln in den Küstenregionen der Nordsee, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können - alles was bleibt, sind Friesenhäuser und spektakuläre Ausflugsziele.
"Land unter" heißt es, wenn das Grünland der Halligen wieder einmal überflutet wird. Die kaum geschützten Marschinseln in der Nordsee werden jährlich bis zu 50 Mal überschwemmt. Alles, was dann übrig bleibt, sind Hügel mit robusten Friesenhäusern. Die Warften stehen tapfer im Wind und trotzen den Gezeiten. Abgeschnitten vom Festland sind die Halligen kaum erreichbar: Bei Flut mit dem Boot, bei Ebbe nur zu Fuß, per Kutsche oder einer kleinen Schienenbahn. Wir zeigen Ihnen die letzten verbleibenden Halligen des Nationalparks "Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer".
Vom Meer umspült - und manchmal sogar überspült - liegen zehn Hallige, eingedeichte Inseln, inmitten des "Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer".
Seit dem Mittelalter kamen und gingen sie: Die Hallige entstanden, wenn Sturmfluten das Festland oder Inseln trafen und diese somit in mehrere Teile zerrissen. Gelegentlich wuchsen sie auch durch Anlandungen zusammen und veränderten ihre Form häufig. Im Laufe der Zeit verschwanden viele wieder, andere wurden landfest gemacht. Heute nimmt die Fläche der verbleibenden Halligen nicht mehr ab, sondern vergrößert sich. Uferschutzanlagen machen`s möglich.
Die künstlich aufgeworfenen Hügel aus Kleiboden, auf denen die Halligbewohner ihre Häuser gebaut haben, heißen Warften. Die Siedlungshügel bieten Menschen und Tieren bei Sturmfluten Schutz.
Ob für einen Tagesausflug oder einen längeren Urlaubsaufenthalt, eine Reise in die Halligwelt erlebt man zu jeder Jahreszeit in einem anderen Licht. Die zehn heute noch existierenden deutschen Halligen gruppieren sich kreisförmig um die Insel Pellworm:
Südfall
Südfall zu besuchen erweist sich nicht als besonders einfach. Mit einer Pferdekutsche galangt man von Nordstrand zur Hallig und fährt - will man den Geschichten glauben - über den sagenumwobene Hafenort Rungholt. Der soll nämlich am Weg zwischen Festland und Hallig versunken sein. Besucher haben auf Südfall nur im Rahmen von genehmigten Führungen Zutritt.
Süderoog
Eine eigene Insel für sich allein? Für Gudrun und Hermann Matthiesen ist das der Alltag, denn sie sind die einzigen Bewohner der Hallig. Zweimal wöchentlich kommt der Postler übers Watt gelaufen ansonsten leisten den beiden Ringelgänse Gesellschaft: Im Frühjahr fallen sie in großen Scharen ein.
Norderoog
Norderoog ist auch als "Vogelhallig" bekannt, darf kaum von Menschen betreten werden und verfügt bis heute über keine Frischwasserleitung. In einem der beiden Pfahlhäuser wohnt der Vogelwart und kümmert sich um seine fliegenden Schützlinge. Außerhalb der Vogelbrutzeit haben auch interessierte Besucher Gelegenheit, Norderoog von Hooge aus auf geführten Wattwanderungen kennenzulernen.
Hooge
Ein bisschen lebendiger geht es da auf Hooge zu: Zehn Warften zählen zu der zweitgrößten Hallig. Bei Flut kann man in der Nordsee plantschen – bei Ebbe lockt das Watt zum Muscheln und Krebse sammeln.
Langeneß
Sie ist die größte, der Halligen und dient vielen Familien in den Sommermonaten als Urlaubsort. Besonders schön sind dann die kleinen Grünstrände mit ihrem blau-violetten Blütenmeer des heimischen Strandflieders, die Langeneß umsäumen.
Oland
Von der größten Hallig kommen wir zu ältesten: Oland umfasst eine Warft mit 15 Häusern, einen Leuchtturm und Deutschlands kleinste Schule. Allein die Ankunft ist ein Abenteuer: Bei Niedrigwasser rollt man in einer kleinen Lore auf Schienen dem Inselvergnügen entgegen.
Gröde
Klein, aber mit ganz viel Natur: Auf Gröde machen im Sommer sogar Kühe Urlaub. Sie reisen ebenso mit dem Schiff an, wie erholungssuchende Menschen, die ruhige Stunden auf der Hallig mit Angeln, Wattwandern, Bernstein suchen oder baden verbringen.
Habel
Die kleinste von allen ist die Hallig Habel. Auf ihr hat die Natur absolutes Vorrecht, Besucher sind unerwünscht und der einzige Bewohner ist der Vogelwart.
Hamburger Hallig
Die Hamburger Hallig ist quasi die Außenseiterin. Nicht nur geographisch sondern auch was die typischen Hallig-Merkmale betrifft. Denn früher war sie genauso Mini-Insel wie die anderen, heute jedoch ist sie durch einen Damm mit dem Festland verbunden. Das macht es Menschen relativ einfach auf die Hallig zu gelangen: Das Paradies erreicht man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder gegen eine "Maut" mit dem Auto.
Nordstrandischmoor
Über die Entstehung dieser Hallig weiß man genauestens Bescheid: Am 12. Oktober 1634 riss eine Sturmflut die Insel "Strand" in mehrere Teile - et voilà: Nordstrandischmoor war geboren. Heute leben auf der Hallig 18 Bewohner auf vier Warften.
(kurier)
Erstellt am 03.08.2012, 06:45