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Kurier Fotowettbewerb 2014
Herzlicher Empfang: Für die Passagiere des „Indian Maharaja“ gibt es roten Teppich, Musik und traditionelle Tänze. Eine fein balancierte Mischung aus komfortablem Reisen und Kostproben vom „echten“ Indien mit seinen zahllosen Farben, Klängen, Gerüchen und Geschmäckern.
Herzlicher Empfang: Für die Passagiere des „Indian Maharaja“ gibt es roten Teppich, Musik und traditionelle Tänze. Eine fein balancierte Mischung aus komfortablem Reisen und Kostproben vom „echten“ Indien mit seinen zahllosen Farben, Klängen, Gerüchen und Geschmäckern. - Foto: Lernidee Erlebnisreisen

Letztes Update am 23.01.2013, 06:49

Im Edelzug durchs Land der Maharadschas. Im exklusiv ausgestatteten Sonderzug „The Indian Maharaja“ kann man auf der Fahrt von Mumbai nach Delhi wohlbehütet die Highlights des Subkontinents erleben und taucht dennoch tief ins Land ein.

Wer Indien mit dem Zug bereist, kann viele Geschichten erzählen. Schöne Geschichten über pulsierende Städte, atemberaubende Landschaften und wunderbare Begegnungen mit ebensolchen Mitreisenden.

Das größte Eisenbahn-Netzwerk der Welt birgt aber auch so manches anstrengendes, entnervendes Abenteuer: Stundenlanges Anstellen um Fahrkarten und noch viel längeres Warten auf „Morgen“-Züge, die statt um sechs Uhr Früh erst zu Mittag eintreffen. Wenn der Zug dann endlich da ist, kann es passieren, dass man zusammenrücken muss, weil auch andere Reisende Platzkarten für denselben, vermeintlich fix reservierten Sitz haben. Dazu kommen Sicherheitsbedenken indischer Passagiere, die zwar selbst noch nie bestohlen wurden, aber schaurige Geschichten zu erzählen wissen und ihr Gepäck mit schweren Ketten sichern.

Es geht aber auch anders: Beim Eintreffen der Passagiere steht der Zug am Bahnsteig bereit; zum Empfang mit rotem Teppich gibt es Blasmusik und Blumen-Girlanden. Das Gepäck wurde wie von Zauberhand bereits in die Kabinen geschafft und in jedem Waggon reicht ein livrierter Steward den verschwitzten Gästen feuchte Tücher und kalte Getränke.

Indien, "The Indian Maharaja"…
Foto: Lernidee Erlebnisreisen
Die Zweibettkabinen – eher kleine Zimmer als Schlafwagen-Abteile – sind mit Kleiderschrank, Safe, Schreibtisch und Marmor-Badezimmer ausgestattet. Zudem stehen den Fahrgästen zwei Restaurants, eine Bar, ein Business-Center mit Internet-Anschluss, eine Video- und Bibliothek sowie ein Wellness-Bereich mit Frisör, Massage und sogar einem kleinen Dampfbad zur Verfügung.

Klingt alles viel mehr nach Hotel als nach Zug? Stimmt beides: „The Indian Maharaja“ ist ein Sonderzug, der als „Hotel auf Schienen“ von Mumbai nach Delhi fährt und dazwischen bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Subkontinents hält. Die Schienen-Kreuzfahrt ist eine reizvolle – wenn auch nicht ganz billige – Möglichkeit, wohlbehütet durch Indien zu reisen und trotzdem tief in das exotische Land mit all seinen Kontrasten einzutauchen.

 

Schmutzwäsche

Nach einem langen Flug und einer kurzen Nacht in Indiens wohl berühmtestem Hotel, dem Taj Mahal Palace, beginnt die Reise in der pulsierende Metropole Mumbai, wo der erste private Wohn-Wolkenkratzer der Welt steht und nur wenige Kilometer entfernt die Wäsche der Stadt in großen Becken aus Beton gewaschen wird – von Hand und unter freiem Himmel.

Von Mumbai aus geht es nordwärts – bis zur Endstation in Indiens Hauptstadt Delhi steht eine geballte Ladung an Weltkulturerbe-Stätten auf dem Programm. Die fast 2000 Jahre alten buddhistischen Meditationshöhlen von Ajanta werden ebenso besichtigt wie der aus einem einzigen Felsen geschlagene Tempel von Ellora und die romantische Stadt Udaipur mit ihrem über Jahrhunderte gewachsenen Maharadscha-Palast am Ufer des Pichola-Sees.

Zu den Highlights im archaischen Rajasthan zählen das Ranthambore-Tigerreservat und die Hauptstadt Jaipur mit dem berühmten Palast der Winde und der „Pink City“ – die Häuser der Altstadt sind seit einem Besuch des britischen Kronprinzen Albert im 19. Jahrhundert rosa gestrichen.

Liebesbeweis

Indien, Taj Mahal…
Foto: Bernert Martin
Unter den zahllosen Baudenkmälern des Subkontinents ragt das Taj Mahal in Agra noch heraus: Wer durch das Eingangstor aus rotem Sandstein schreitet und dann das Taj in seiner ganzen Schönheit vor sich sieht, ist unweigerlich ergriffen. Großmogul Shah Jahan ließ das Mausoleum für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal errichten. Dafür stürzte er sein Reich in Schulden und wurde in Folge vom eigenen Sohn abgesetzt und inhaftiert.

Etwas kurz kommt bei den vielen Attraktionen während der Zugreise der Kontakt zu Land und Leuten. Begegnungen mit Indern beschränken sich auf Bettler vor den Bahnhöfen und Heerscharen von Souvenir-Verkäufern bei den Sehenswürdigkeiten. Das ändert sich im letzten Teil der Reise, wenn nicht mehr der luxuriöse „Indian Maharaja“, sondern überfüllte Linienflugzeuge die Transportmittel sind.

Indien…
Foto: Bernert Martin
Die indische Realität holt die Reisenden unmittelbar nach Verlassen des Sonderzugs in Delhi ein: Der Kopfschmerzen und Sodbrennen verursachende Smog taucht die Stadt in gelben Nebel; ein Teil des Besichtigungsprogramms muss abgesagt werden, weil der Bus hoffnungslos im Stau feststeckt. Wenige Tage vor Diwali – einem der wichtigsten hinduistischen Feste – übersteigt das geschäftige Treiben die Aufnahmefähigkeit von Delhis Straßen deutlich.

 

Heiliger Fluss

Am tiefsten ins Leben und die Religion der Inder taucht die Reisegruppe auf der letzten Station der Tour ein, wenn es in Varanasi, der heiligen Stadt am Ganges, mit einer Rikscha-Karawane quer durch die Altstadt geht. Mit Routine und Gelassenheit tritt die Fahrerin die Pedale und bringen ihre Passagiere sicher durch die chaotischen Straßen der Stadt. Am Ufer des Ganges angelangt, kann man die Zeremonien und rituellen Bäder der Hindus hautnah mitverfolgen oder ganz entspannt von einem Ruderboot am Fluss aus beobachten. Spätestens hier ist auch der letzte Teilnehmer der Reise in Indien angekommen.


Elefanten-Polo

Wir durften, Naomi nicht

Es gibt nicht viele Extras auf der Tour des „Indian Maharaja“: Sämtliche Mahlzeiten sind ebenso im Reisepreis inkludiert wie Ausflüge, Transfers und Eintrittsgelder. Einzige Ausnahme ist ein Ausflug ins Palasthotel von Jaipur mit Lunch im very british gepflegten Garten des Anwesens.

Das Mittagessen muss man sich allerdings erst verdienen – mit einer der exotischsten Tätigkeiten, die Indien zu bieten hat: Elefanten-Polo. Die Teams bestehen aus je drei Tieren, gelenkt von Sadhus (Führern), die auf den Schultern der Tiere sitzen. Dahinter thronen die Gäste und versuchen, eine handballgroße Kugel aus Kunststoff mit überlangen Poloschlägern ins gegnerische Tor zu treiben.

Die meisten Spielzüge werden schon beim Ankick entschieden, wenn die Teams einander gegenüberstehen und der Referee den Ball ins Spielfeld wirft. Wer die Kugel zuerst erobert, hat gute Chancen, ein Tor zu erzielen, bevor die Elefanten der Gegner schwerfällig umgedreht haben.

Wenige Tage nach unserem Polo-Match richtete Super-Model Naomi Campbell in Rajasthan ein rauschendes Geburtstagsfest für ihren Milliardär-Boyfriend Vladimir Doronin aus. Auf dem Programm des mehrtägigen Events stand auch Elefanten-Polo. Das Turnier musste jedoch abgesagt werden, nachdem indische Tierschützer dagegen protestiert hatten. Wir durften also Polo spielen, Naomi und ihre Promi-Gäste nicht...


Foto-Safari

Die lange und erfolglose Suche nach dem König des Dschungels

Wer im Ranthambore-Nationalpark einen Tiger sehen will, braucht einen guten Guide, Sitzfleisch und vor allem viel Glück.

Da hinten, im Gebüsch über dem Felsen bewegt sich was. Das ist er, ich bin sicher, schaut doch, dort.“ Aufgeregt deutet Rahul, unser Guide, zu einem gut fünfzig Meter entfernten Gebüsch und gibt seinen Feldstecher weiter. Dabei weiß er so gut wie wir, dass da kein Tiger ist. Weder mit dem Fernglas noch mit Kamera und Teleobjektiv ist etwas anderes als Steine, Sträucher und welkes Laub auszumachen.

Seit Stunden fahren wir durch das riesige Areal des Ranthambore-Nationalparks. Hier soll es bessere Chancen als sonstwo in Indien geben, frei lebende Tiger vor die Linse zu bekommen. Genau deshalb sind wir hier – schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Am Morgen sind wir kreuz und quer über die holprigen Wege und Pisten des Nationalparks gerattert und haben alle möglichen Affen, indische Antilopen, Gazellen und sonstige Wildtiere gesehen. Vom Tiger aber nur eine Spur im Sand.

„Jetzt schlafen die Tiger, am Nachmittag sind sie aktiv, dann sehen wir sicher einen“, sagt Rahul. Wozu sind wir dann eigentlich am Vormittag da?“

Also noch einmal, am Nachmittag. Andere Wege, die gleichen Tiere. Kein Tiger weit und breit. Dafür immer mehr Jeeps mit Touristen. Alle starren in die gleiche Richtung. „Da, schau, irgendwo muss er doch sein ...“

„Tigeram“

Zur Ehrenrettung von Rahul und allen anderen Guides im Nationalpark, die sich wirklich Mühe geben, sei gesagt: Es gibt sie wirklich, die Tiger im Ranthambore-Park. Ich habe selbst einen gesehen und fotografiert. Allerdings nicht auf dieser Reise – Rahuls Versuche blieben unbelohnt. Es war 2010, bei meinem ersten Besuch im Nationalpark.

„Tigeram, Tigeram“, sagte unser Führer, und da war er auch schon. Er kam gemächlich aus dem hohen Gras, zeigte sich vom Jeep voller Touristen völlig unbeeindruckt und trottete langsam neben unserem Auto her. Die Kameras klickten, dem Tiger war’s egal. Erst als immer mehr Jeeps näher kamen, machte er kehrt und verschwand in der Steppe. Dabei wirkte er keineswegs verängstigt, eher etwas genervt.

 

(kurier) Erstellt am 23.01.2013, 06:49

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