Letztes Update am 18.05.2012, 15:02
Rote Lady aus Stahl: Die Golden Gate Bridge.
Ein Wahrzeichen feiert Geburtstag: Vor 75 Jahren wurde die Golden Gate Bridge in der Bucht von San Francisco eröffnet.
Wie heißt noch dieses Lied? „Über sieben Brücken musst du gehn“? Eine tut es auch. Jedenfalls dann, wenn es sich dabei um die Golden Gate Bridge handelt. Das vor 75 Jahren vollendete architektonische Wahrzeichen misst in seiner gesamten Länge 2.737 Meter. Das reichte 27 Jahre lang zum Titel „längste Hängebrücke der Welt“.
Nach und nach wurde der Stolz von San Francisco von acht Brücken überrundet, egal, die berühmteste ihrer Art ist sie nach wie vor. Man braucht sich nur anzuschauen, wie es hier zugeht.
Seit Flaneure, Jogger und Radfahrer die Ikone der Ingenieurskunst als Tummelplatz entdeckt haben, könnte man meinen, unter so geschichtsträchtigen Pfeilern stehe ein Volksfest auf der Tagesordnung. Der 27. Mai 1937 war so ein Tag. Zur Einweihung der Golden-Gate-Brücke spazierten 200.000 Schaulustige staunend zwischen den 223 Meter hoch über den Pazifik ragenden Turmspitzen.
„Drüberlaufen“, so Dennis „Rocky“ Dellarocca, Herr über die orange Farbe der Jubilarin, „ist auch heute der beste Weg, sie kennenzulernen. Du musst die Brücke fühlen, wie sie lebt und vibriert“. Dennis Dellarocca spürt sie vermutlich auch im Schlaf.
Seit 28 Jahren klettert und turnt der Mann mit dem breiten Grinser im Bartgesicht und dem festen Händedruck auf den massiven Drahtseilen und Stangen des Bauwerks. Nicht, weil er lebensmüde ist. Nein, weil er als Anstreicher von der Brücke lebt.
Sein 35-köpfiges Team sorgt sich rund ums Jahr um das Outfit der Legende, seit vergangenem Sommer noch etwas intensiver. Wäre auch zu schade, wenn das für kommenden Sonntag geplante „Celebration“-Feuerwerk das aufgefrischte Orange der Golden Gate in den Schatten stellt.
Wie auch immer, die Augen werden auf das spektakulärste Symbol der Stadt gerichtet sein, vom Nob Hill, dem Russian Hill und den Dutzenden anderen Hügeln der Stadt. Ja, sie ist tatsächlich ein angemessenes Symbol für eine Stadt, die vielen Besuchern als die schönste der Vereinigten Staaten gilt.
Schon aus diesem Grund rechnet Mary Currie, die offizielle Brücken-Sprecherin, mit Hunderttausenden Festgästen. Darunter werden sich auch einige mischen, die eine ganz spezielle Geschichte mit dem gewichtigen Stück Architektur verbindet. „Wir haben zwei Männer eingeladen, die auf der Brücke auf die Welt gekommen sind – einer im Jahr 1958, der andere vor zwanzig Jahren“, trumpft Currie auf.
Zum 50. Geburtstag strömten von beiden Seiten insgesamt 300.000 Menschen auf die Brücke. James L. Jim Sharpe aus Alaska war dabei. An die Schrecksekunde, als die üblicherweise gewölbte Fahrbahn sich plötzlich unter der Last der vielen Menschen ebnete, erinnert er sich noch heute.
Die kühne Konstruktion hielt, aber die Stadt will nicht noch einmal um ihr Vorzeigestück zittern. „Daher machen wir es diesmal anders“, so Mary Currie. „An ihrem 75. Jubiläum ist die Golden Gate Bridge nicht die Bühne, sondern Kulisse.“
Fußgänger sehen also Rot, wenn sie am 27. Mai auf die Brücke wollen, sie ist an diesem Tag gesperrt. Autos hingegen dürfen ungehindert drüber. Gefeiert wird entlang der Uferpromenade, vom Fort Point am Fuß der Brücke bis zum sechs Kilometer entfernten Pier 39 im berühmten Stadtviertel Fisherman’s Wharf.
Wer dabei sein will, kein Problem: Die Golden Gate, die alte Dame, feiert ganz modern auch via Internet und Twitter. Wer ihr ein „Happy Birthday“ singen will, ist ausdrücklich dazu aufgerufen, das Video davon auf Facebook zu posten.
www.goldengatebridge75.org, www.facebook.com/ggb75
(kurier)
Erstellt am 19.05.2012, 07:00