Letztes Update am 12.04.2012, 14:56
Luxus des Dschungels.
Im größten Regenwaldgebiet Süd-Thailands liegt das "Elephant Hills", ein Dschungelcamp, das seinen Gästen eine ganz außergewöhnliche Kombination aus Luxus, Natur und Abenteuer bietet.
Zweieinhalb Stunden dauert die Autofahrt, weg vom Massentourismus der Badeorte Phuket, Khao Lak oder in unserem Fall Krabi, bevor wir in den Dschungel des Khao Sok Nationalparks einbiegen.
Wo sich der Sok-Fluss seinen Weg durch grün bewachsene Hügel bahnt, liegt das erste Luxus-Camp Thailands. Hier wird Urlaubern das ermöglicht, was lange Zeit nur Abenteurern und Draufgängern vorbehalten war - der direkte Kontakt mit dem Dschungel und seinen Bewohnern, das unmittelbare Erlebnis der Natur.
Das Ressort ist weitläufig, die offene Lodge eröffnet über den Pool einen sagenhaften Blick auf die bewaldeten Felsformationen des Khao Sok Nationalparks.
Die insgesamt 30 Zelte sind groß, unerwartet luxuriös und über das ganze Ressort verteilt. Als ich den Reißverschluss des Eingangs öffne, habe ich kurz das Gefühl, ein rustikales, luxeriöses Hotelzimmer zu betreten. Dunkle Naturholzmöbel, ein nach mehreren Nächten im Low-Budget-Bungalow geradezu himmlisch anmutendes Doppelbett mit weißer Bettwäsche, Schminkspiegel an der Wand, einem Badezimmer mit heißer Dusche und WC und sogar einem Zimmersafe.
Das bloße Öffnen eines Reißverschlusses lässt mich aus dem Komfortzimmer blitzschnell in die Dschungelwelt eintauchen. Und, wenn ich will, bin ich auch genauso schnell wieder zurück.
Unter Umständen möchte man das schneller, als einem lieb ist, zumindest dann, wenn man sich die charmante Bemerkung des Guides bildhaft vor Augen führt:
"We have a lot of animals here, like snakes and spiders. If they want to know, who you are, the visit you. But don´t worry: Most of them are quiet friendly."
Ob unser Guide diese Riesenkrabbenspinne gemeint hat? Im konkreten Fall haben wir sie in ihrer Höhle besucht, glücklicherweise nicht umgekehrt.
Manche Besucher erzählen abends beim Dinner stolz von ihren animalischen Begegnungen. Schlangen oder Affen oder Warane hätten sie gesehen. Andere beneiden sie darum, weil sie die Tiere maximal gehört haben. Mich hat ein Kolibri besucht und seine Nase direkt vor dem Zelt in eine Blüte gesteckt. Wer aufmerksam beobachtet, hat so gut wie immer Glück, denn der Dschungel ist unglaublich lebendig und das vor allem am Abend.
Ist die Sonne erst einmal hinter den mystisch aus der endlosen Weite des Dschungels ragenden Berge verschwunden, wird auch der Kolibri sein übriges zur nächtlichen Geräuschkulisse beitragen. Und die ist wahrlich unbeschreiblich.
Im Bett liegend trennt mich nur das Moskitonetz von den kleinen Details des Dschungels. Und am Liebsten möchte ich gar nicht einschlafen, weil ich nichts verpassen will.
Wenn sich die Sonne langsam verabschiedet, erwacht der Dschungel zum Leben. Die Akustik des Urwalds lässt erahnen, was tagsüber verborgen bleibt.
Zwei bis vier Tage dauern die Touren, die "Elephant Hills" anbietet. Ständig begleitet von einem Guide mit dem besonderen Gespür für alles, was eine solche Tour für die Gäste spannender macht.
Ob bei der Kanutour oder ...
... beim Dschungeltrekking - der Guide bleibt immer dort stehen, wo man selbst einfach weitergehen würde.
Und deutet auf beinahe unsichtbare Spinnen, Schlangen und andere Tiere, von denen man bisher nicht einmal wusste, dass es sie überhaupt gibt.
Die größten und wahrscheinlich eindrucksvollsten Tiere in Thailand sind die Elefanten. Vor 100 Jahren lebten hier noch 100.000 von ihnen, heute sind es nur noch 2.000.
Das steht auf den T-Shirts der Camp-Guides. Dreizehn Elefanten leben im Elefantencamp von "Elephant Hills". Weder als Arbeitstiere, noch als Touristenattraktion.
Sie werden hier artgerecht gehalten und Touristen können tatkräftig mithelfen, dass das auch so bleibt. "Elefanten werden bei uns nicht geritten, weil das nicht artgerecht ist", erklärt uns Wanna Phirompanth, eine der Guides.
Elefantenwäsche mit Kokosschwämmen und ...
... einem Gartenschlauch - es gibt kaum einen eindrucksvolleren Weg, mit einem Elefanten in Kontakt zu kommen.
Ein Elefant frisst 250 Kilogramm Futter. Pro Tag. Das macht eine Menge Arbeit für die Mahouts, die engsten Vertrauten der Dickhäuter. Deshalb packen die Gäste mit an, zerkleinern das Futter und ...
... legen es dem Elefanten direkt auf den Rüssel. So wird die touristische Sensationslust auf dem artgerechtesten Weg gestillt, den man sich überhaupt vorstellen kann. Näher kann man einem Elefanten nicht kommen.
Am nächsten Tag verlassen wir das Camp und brechen zum "Rainforest-Camp" am ChoewLarn Stausee auf, der vor dreißig Jahren ein Tal mit einer Ausdehnung von 60 Kilometer geflutet hat und heute die gesamte Region mit Strom versorgt.
Erst 2011 ist hier das schwimmende Camp errichtet worden, das wir nach einer einstündigen Bootsfahrt erreichen. Umgeben von dichtestem Urwald schwimmen hier zehn auf Flößen gebaute Zelte auf dem Wasser. Im Prinzip sind sie baugleich mit jenen, die wir bereits kennen. Der Unterschied: Fernab von jeglicher Zivilisation wird mit den aus Sonnenlicht gewonnenen Energievorräten sehr sparsam umgegangen.
Um 21:00 Uhr geht das Licht aus - ab dann ist es finster. Dann gibt es nicht mehr viel im "Rainforest-Camp", außer unzähligen Tiergeräuschen aus allen Richtungen, dem Plätschern des tiefen Wassers und der mysteriösen Silhouette des Dschungels im thailändischen Nachthimmel.
(kurier/Romana Nachbauer)
Erstellt am 16.04.2012, 06:51