Letztes Update am 17.04.2012, 15:24
Ein Stück Europa in der Karibik.
Martinique & Guadeloupe. Tropische Pracht, französisches Flair. Die zu Frankreich gehörenden Inseln punkten mit exotisch-grüner Kulisse, Traumstränden und einer Küche aus karibischer Leichtigkeit und Raffinesse à la France.
Dass Inseln überall in der Welt mit exotischen Besonderheiten locken, liegt auf der Hand. Wenn sie sich Besuchern auch noch in seltener Fülle präsentieren, dann ist man in der Karibik. Und wenn höchste Qualität und Euro-Preise hinzukommen, dann hat man Martinique oder Guadeloupe gebucht.
Rund 8000 Kilometer von daheim entfernt und dennoch in Europa unterwegs. Das kann man auf den französischen Antillen – wegen der stetig wehenden Passat-Brise „über dem Winde“ genannt – das ganze Jahr zu einladenden Temperaturen um die 26 Grad genießen. Und man kann auch überall den Hauch der Karibik und seiner wechselvollen Geschichte auf Schritt und Tritt verspüren.
Die persönliche Entdeckungsreise auf den Antillen könnte etwa in der kleinen Bucht bei Carbet auf Martinique beginnen, in der Christoph Columbus am 15. Juni 1502 auf seiner vierten Reise gelandet ist.
Details dazu gibt es freilich auch im eindrucksvollen Fort Napoleon auf dem einladenden Inselgrüppchen Les Saintes vor Guadeloupe. Das Militärbauwerk beherbergt heute ein Museum.
Hier erfährt man alles über kannibalische Indianer, spanische Eroberer, listige Piraten, die mit Leuchtfeuern Handelsschiffe angelockt und ausgeraubt haben, und den abwechselnd kämpfenden und kolonialisierenden Engländern und Franzosen.
Sklaven-Tragödie
Auf Schritt und Tritt entdeckt man auf beiden Inseln auch die Spuren der Sklaverei. Ob in den vielen berühmten Rum-Destillerien, wie etwa Saint James oder Depaz, die als Museum mit Verkostung zum Besuch einladen oder den alten Zuckermühlen der ehemaligen Betriebe.
Rund 60.000 Sklaven sind per Schiff aus Afrika auf die Antillen geschleust worden. Ihre Nachfahren stellen heute die Mehrheit der Bevölkerung und sprechen neben Französisch-Kreolisch eine Sprache, derer sich die Sklaven bedienten, um sich unter den verschiedenen Herrschern untereinander verständigen zu können.
Ist man auf der Insel geboren, ist man Kreole, egal ob weiß oder schwarz. Weiße Grundbesitzer werden auch Béké genannt, wie etwa die damalige französische Kaiserin Josèphine, die Ehefrau von Napoleon, die im Osten von Tres Illets 1763 geboren wurde. Heute ist in ihrem Geburtshaus das Musée de la Pagerie voll mit Erinnerungsstücken der Kaiserin untergebracht. Auch Habsburger-Erinnerungen können hier geweckt werden.
Entdecken kann man auf den Inseln vor allem die Natur. Etwa die Mangroven-Wälder an der Küste der Halbinsel Caravelle. Die im Salzwasser wuchernden wild verzweigten Pflanzen sind der beste Schutz gegen Tsunami-Gefahren.
Im Naturschutzreservat wachsen aber auch Bäume, deren Blätter und Früchte hochgiftig sind und bei Berührung schwere Verbrennungen verursachen. Unmittelbar neben dem Schutzgebiet liegt das Chateau Dubuc, die Schmugglerzentrale des höchst erfolgreichen Freibeuters und Sklavenhändlers Dubuc.
Lamm auf Banane
Die Entdeckungsreise führt auch zum Romantikhotel des Monsieur Rosemain nach Saint Aubin. Ein ehemaliger Landsitz mit prächtiger Aussicht, ebensolcher historischer Einrichtung und bester französischer Küche: Für die köstliche Tiefsee-Dorade oder das Lamm auf Banane sorgt Madame Rosemain, eine Italienerin. Geschlafen wird hier ab 132 € pro Nacht in wohlklingenden Zimmern, die nicht nach Nummern sondern nach Opern benannt sind.
Ein Verdauungsspaziergang kann danach im Bananenmuseum der Blumenstadt Sainte Marie gemacht werden. Mehr als 60 verschiedene Bananensorten können hier bewundert werden.
Neben den Speisebananen gibt es auch cooking banans, die wie Gemüse als Beilage etwa zu Fleisch gegessen werden. Bananenplantagen, Zuckerrohr- und Ananasfelder breiten sich in Martinique und Guadeloupe bis zum Hochland aus.
Den hohen Norden von Martinique überzieht am Fuße des Vulkans Montagne Pelèe ein prächtiger Regenwald in einer sehenswerten Berglandschaft mit üppiger Vegetation. Hier wachsen Pflanzen, die die Einheimischen zu Heilzwecken verwenden.
In der Savanne der Sklaven gibt Gilbert Larose bei Trois Ilets einen Einblick in das harte Leben der im Jahre 1848 unter Victor Soelcher freigelassenen Sklaven. Er hat dazu ein Sklavendorf errichtet, beschreibt ihr ärmliches Leben in Freiheit und gibt Tipps über Heilpflanzen, die damals die Medizin ersetzen mussten.
Bild: Gilbert Larose, kennt die Geschichte der Sklaven und deren Medizin-Pflanzen.
Die fruchtbaren Ebenen der beiden Inseln beherrschen Zuckerrohrfelder. Dazwischen locken traumhafte Strände, wie etwa in Sainte Anne oder in Grand Anse mit Blick auf den eindrucksvollen Le-Diamant-Felsen in Martinique oder in Guadeloupe nahe der nach Jacques Cousteau benannten Unterwasser-Welt bei Malendure, oder beim Restaurent „Karacoli“ direkt am Strand von Grande Anse. Wahlweise mit strahlend weißem oder schwarzem vulkanischen Sand.
Vulkan-Museum & Maniok-Eis
Apropos Vulkan: Saint Pierre, Martiniques einstige Hauptstadt im Nordwesten, wurde 1902 bei einem Vulkanausbruch des Pelée zerstört. 30.000 Menschen starben. Überlebt hat das Drama nur ein Häftling hinter dicken Gefängnismauern. Die Ruinen der Kathedrale sind noch zu besichtigen. Im Vulkan-Museum ist auch die in der glühenden Aschenwolke geschmolzene Kirchenglocke ausgestellt.
Dass es daneben auch Abkühlung zu entdecken gibt, dafür sorgt im nahen Carbet der begnadete Eishändler Claude Ziouka. Seine neueste Eis-Kreation: Maniok-Eis, das er aus der Wurzel der Yucapflanze gewinnt.
Bild: Claude Ziouka, findiger Eishändler aus Carbet macht Eis aus Maniok-Wurzeln.
Mit dem Gaumen auf Entdeckungsreise gehen: In Guadeloupe bietet Weltmeisterkoch Joël Kichemin im Restaurant Le Lélé karibisch zubereitete Landkrabben und Fisch sowie die berühmte Blutwurst.
Bild: Joël Kichemin, der weltmeisterliche Koch kreiert täglich Überraschungen.
Bestens versorgt wird man auch im 5-Sterne-Hotel Cap-Est in Le Lamentin an der Ostküste von Martinique und im 4*-Hotel Bakoua in Trois Ilets. Zimmer gibt es hier ab 246 €, die Suiten am Sandstrand kosten 750 €. Bakoua heißt übrigens die geflochtene spitze Kopfbedeckung der Sklaven.
Botanischer Zauber
Mit prächtigen botanischen Gärten locken die Antillen naturverbundene Touristen trotz hoher Eintrittspreise (15 – 16 €) in Massen an. Grund: Was man dort zu sehen bekommt, übertrifft die kühnsten Erwartungen. Etwa im Jardin de Balata bei Le Carbet auf Martinique, in dem neben prächtigsten Pflanzen auch viele Kolibris heimisch sind.
Ein besonderes und beliebtes Ausflugsziel ist auch der Jardin Botanique in Deshaies auf Guadeloupe: Neben Palmen, Mango- und Affenbrotbäumen gibt es hier prächtigste Orchideen sowie riesige Hibiskus- und Bougainvillea-Sträucher zu bewundern.
Sehenswert sind auch die Bambuswälder, die riesigen Gummibäume mit Tausenden Luftwurzeln und winzigen Mimosen-Pflanzen, die sich bei Berührung zusammenziehen. Zwischen den genau beschriebenen Pflanzen sind Flamingos und Papageien zu beobachten und zu fotografieren.
Manager Alain Libs ist besonders stolz, zuletzt 110.00 Besucher gezählt zu haben, gibt aber auch Fehler zu: Er will künftig mehr fremdsprachiges Personal einstellen. Vielleicht auch eines, das Deutsch sprechen kann.
Bild: Alain Libs, Manager im Botanischen Prachtgarten in Deshaies
(kurier)
Erstellt am 18.04.2012, 07:00