Letztes Update am 17.04.2012, 15:29
Dublin & Belfast: Hart und weich zugleich.
Spannende City-Kombi mit Musik und Guinness-Bier: Die Hauptstädte Nordirlands und der Republik Irland liegen nur zwei Autostunden entfernt. Aber es sind Welten dazwischen.
Sie liegen so nahe beieinander wie Wien und Graz, sind aber so verschieden wie Tag und Nacht: Belfast, die Hauptstadt der britischen Provinz Nordirland und Dublin, die Metropole der Republik Irland.
Das beginnt schon bei der Währung: In Dublin gilt der Euro, in Belfast kann man mit dem nordirischen sowie dem britischen Pfund zahlen. Wer beide Städte kombiniert, erlebt die "Grüne Insel" von ihrer vielfältigen urbanen Seite – Belfast, die raue Schale mit weichem Kern, wo die Wunden der Geschichte zwischen Untergang der Titanic und Bürgerkrieg noch pochen, und Dublin, die Stadt der Dichter, Philosophen und Musiker mit viel Atmosphäre. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten: Das herbe schwarze Guinness-Bier wird hier wie dort in gemütlichen Pubs getrunken, und Musik liegt auch in beiden Städten in der Luft.
Stolz auf die TitanicDie 380.000-Einwohner-Stadt Belfast wird heuer von einem Thema beherrscht: der Titanic, die vor 100 Jahren als damals größtes Kreuzfahrtschiff der Welt die Werft in Belfast verließ und wenig später in der größten Schiffskatastrophe unterging. Das Viertel um die ehemalige Werft im Osten Belfasts wurde in den vergangenen Jahren zu einem modernen Stadtteil mit Wohnungen, Lokalen und Geschäften, in dem die Titanic-Tragödie nicht länger totgeschwiegen wird. Seit wenigen Wochen hat ein neues Titanic-Museum geöffnet, auch das Werftgelände kann besichtigt werden. "Leute, die Titanic war völlig okay, als sie an jenem 2. April diese Werft hier verließ, und es waren ein kanadischer Eisberg und ein britischer Kapitän am Untergang beteiligt." Guide Chris Benett führt uns mit überraschender Euphorie durch die Werft Harland & Wolff.
Immer wieder betont Chris, dass die Belfaster allen Grund haben, auf dieses einstige Wunderwerk der Technik stolz zu sein – und betreibt auf diese Weise Seelsorge für seine Landsleute: Er ist hauptberuflich protestantischer Pfarrer und lädt regelmäßig gemeinsam mit katholischen Kollegen zu ökumenischen Spaziergängen durch die Titanic-Werft – damit nicht nur die Wunden nach der Schiffskatastrophe endgültig heilen können, sondern auch die noch frischen Verletzungen aus dem Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten.
Man wird durch die Produktionsräume der Werft geführt, sieht alte Fotografien und erfährt, dass es auf dem Luxusschiff erstmals elektrische Beleuchtung und sogar einen Fitnessraum gegeben hat – mit so kuriosen Geräten wie einem Hometrainer mit Sattel. Reiten auf hoher See.
62 Sekunden Applaus Später zeigt uns der Pfarrer die Stelle, wo die Titanic zu Wasser gelassen wurde. "62 Sekunden hat es gedauert, bis sie im Wasser war", sagt Chris und fordert uns auf, ebenso lang zu jubeln. "Für einen Stapellauf ist das kurz, aber schreien sie mal so lang", sagt er. Schiffe werden keine mehr gebaut, nur noch Turbinen und Windräder.
Emotionale Erholung hat die Altstadt von Belfast zu bieten – ein friedvoller Kontrast mit verschnörkselter viktorianischer Architektur, dem pompösen Rathaus am Donegall Square und vielen gemütlichen Pubs.
Im bekanntesten Pub der Stadt, dem The Duke of York, geht abends die Post ab – Einheimische und Touristen tauchen in traute Bierseligkeit ein. Im Hof neben dem Lokal haben Graffitikünstler den vielen Musikergrößen von Belfast, allen voran Van Morrison, ein Denkmal gesetzt.
Wer mehr in die jüngere Musikgeschichte von Belfast eintauchen möchte, kann dies bei Music-Touren tun. Der Belfaster Songwriter Paul Kane führt uns mit Musikuntermalung zu Schauplätzen der Belfaster (Pop-)Musik – von der Konzerthalle Ulster Hall, einem architektonischen Meisterwerk, zu den Bars Spring & Airbroke, Katy Daly’s und Limelight, in denen nach wie vor junge nordirische Musiker auftreten. Und er erzählt Anekdoten von Sängerlegenden, wie etwa Ruby Mary, die in den 1950er-Jahren als einziger Popstar fünf Songs gleichzeitig in den Charts hatte. Dabei war sie am Anfang ihrer Karriere aus einem Kirchenchor rausgeworfen worden, weil ihre Stimme "zu sexy" war.Im Bild: Der "schiefe" Turm von Belfast.
Der schiefe Turm befindet sich in der Nähe des St. George’s Markets, einem der ältestenMarkthallen Irlands, wo hauptsächlich Fischund Bio-Produkte verkauft werden.
Der Weg von Belfast nach Dublin führt hauptsächlich über die Autobahn, vorbei an saftig grünen Wiesen und entzückenden Dörfern, für die die "Grüne Insel" bekannt ist. Im Bild: Im Zentrum von Dublin mischen sich knallbunte Fassaden mit alten Backsteinbauten.
Literatur & Bier Gleich auf den ersten Blick fällt auf: Dublin ist die sanftere der beiden Städte. Und die humorigere. Im Duke Pub in der Duke Street treffe ich das Schauspielerpaar Derek und Sarah, das mehrmals in der Woche zu literarischen Pub-Touren lädt. Der Spaß beginnt im Pub mit einer lustigen Szene aus dem absurden Theaterstück "Warten auf Godot" von Samuel Beckett.
Danach gibt’s das erste Bier, und auf dem Weg zum nächsten Lokal erzählen uns die beiden Anekdoten – etwa über den berühmten Dubliner Oscar Wilde, erfreuen uns mit dessen Wortwitz, ehe es zum nächsten Bier und zum nächsten Pub geht ...
Nüchterner verläuft am nächsten Tag eine City-Bike-Tour zu Sehenswürdigkeiten wie der mächtigen Saint Patrick’s Cathedral und dem Merrion Square mit den schönen Parkanlagen, georgianischen Häuserzeilen und den typischen bunten Haustüren, wo auch Oscar Wilde lebte. Auch in unbekanntere Dubliner Grätzel führt uns die Radtour: zum Beispiel durch das beschauliche jüdische Viertel Portobello, wo George Bernard Shaw wohnte, oder zum neuen Stadtteil am Grand Canal mit dem größten Theater Irlands. Am Grand Canal gibt’s auch eine Surfschule – Wassersport mitten in der Stadt.Mächtiges Mittelalter: Christ Church Cathedral
Zwei Klassiker sollte man sich in Dublin nicht entgehen lassen: die Universität Trinity College mit der beeindruckenden Alten Bibliothek und dem prächtig illustrierten Evangelien-Buch Book of Kells – sowie die riesige Schau-Brauerei von Guinness.
Die ehemalige Produktionsstätte ist so groß wie ein ganzer Bezirk, ein Teil ist heute nur noch Museum, die Produktion wurde in ein modernes Gebäude verlegt. Die Besucher der Schaubrauerei spazieren durch ein überdimensionales Guinness-Glas und erfahren Details über das weltweit exportierte tiefschwarze Lieblingsgetränk der Iren.Bei einem Glas Guinness mit toller Aussicht auf die Stadt erfährt man auch, warum der Vogel Tukan zum Guinness-Werbeträger wurde – wegen des Wortspiels "Two can be" – "zwei können’s sein."
Kontrastreiches Dublin: Pub im jüdischen Stadtviertel Portobello, ...
... modernes Stadttheater am Grand Canal.
INFOAnreise Wien–Dublin–Wien täglich mit Aer Lingus ab 140 €, www.aerlingus.com Dublin–Belfast: mit dem Bus oneway 16 €, www.ulsterbus.co.uk, Bahn oneway ab 20 €, www.irishrail.ie Währung Belfast: 1 britisches oder nordirisches Pfund = ca. 1,20 € Beste Reisezeit April bis Oktober, höchste Chance auf Sonne. Temperaturen 10 bis 14 Grad.
Sightseeing-Tipps Belfast: Music Tour auf den Spuren von Van Morrison, Snow Patrol und anderen Musikergrößen, www.belfastmusic.org – Titanic Walking Touren durch die Werft, www.titanicwalk.com – Black Cab Taxi Tour ab 10 €, www.belfasttours.com Dublin: Guinness Storehouse:Brauereiführung mit Verkostung, www.guinness-storehouse.com – Literarische Pub-Tour, www.dublinpubcrawl.com –Geführte City-Biketour ab 20 €, www.dublincitybiketours.com Pubs & Restaurants Belfast: Tedford’s Restaurant, gehobenes Lokal in einer alten Manufaktur mit moderner irisch-internationaler Küche, 5 Donegall Quay, www.tedfordsrestaurant.com – The Galley: Cafe & Marinemuseum, www.laganlegacy.com – The Duke of York:Bekanntestes Pub, Hill Street 41. Dublin: Im Viertel Temple Bar locken unzählige Bars, Pubs und Restaurants. Z. B. "Gourmet Burger Kitchen", beste irische Beefburger ab 10 €.– Winding Stair Restaurant, gemütliches Top-Restaurant mit Buchgeschäft, am Ormond Quay, www.winding-stair.com Unterkünfte …
Makaber essen: Letztes Titanic-Dinner 100 Jahre Titanic – dieses Gedenkjahr nützt Belfast, um daran zu erinnern, dass das Katastrophen-Schiff im April 1912 von der Werft in der nordirischen Hauptstadt als damals modernstes Kreuzfahrtschiff nach Southampton völlig intakt überstellt wurde. Attraktionen: Titanic Belfast Building Neues interaktives Museum mit der berühmten Holztreppe, über die Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in der Titanic-Verfilmung in den Ballsaal schritten. www.titanicbelfast.com Titanica-Ausstellung Das Ulster Folk & Transport Museum zeigt Original-Schiffspläne und Kunstgegenstände, die nach dem Titanic-Unglück aus dem Atlantik geborgen wurden. www.nmi.com Titanic Festival Das ganze Jahr über finden an diversen Kulturstätten in Belfast Konzerte, Ausstellungen, Vorträge zum Thema Titanic statt. Auch ein Musical wird uraufgeführt. Details unter: www.gotobelfast.com Titanic-Menü Das mehrfach ausgezeichnete Gästehaus und Restaurant Rayanne House offeriert das letzte …
(kurier)
Erstellt am 17.04.2012, 07:00