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KURIER
Foto: TVB Wildschönau

Letztes Update am 03.01.2013, 07:23

Vermählung zweier Pisten-Juwele. Die neu vereinten Skigebiete Wildschönau und Alpbachtal bieten mehr Carving-Spaß mit neuen Ausblicken.

Hochzeiten werden oft sehr lange vorausgeplant – im Falle des verbindungswilligen Pärchens Wildschönau und Alpbachtal, zweier Tiroler Gebirgstäler, ganze elf Jahre lang. Am 14. Dezember 2012 läuteten endlich die Hochzeitsglocken: Die frisch Vermählten tragen nun den schönen Namen „Ski Juwel“ und blicken in eine (hoffentlich erfolgreiche) gemeinsame Zukunft. Eheringe gab es freilich keine – dafür sind die beiden gemütlichen Skigebiete nun dank einer neuen 8er-Umlaufgondelbahn von Inneralpbach auf den Schatzberg sowie einer Verbindungspiste namens Wurmegg unzertrennlich.

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Foto: TVB Wildschönau
„Die Zusammenlegung der beiden Skigebiete war ein Gebot der Stunde, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, meint Ludwig Schäffer, Geschäftsführer der Wildschönauer Bergbahnen. Hüben wie drüben – in der Wildschönau wie im Alpbachtal – ging’s seit 2003/’04 bergab, die Verkaufszahlen schrumpften um 15 Prozent. Dank Zusammenlegung spielt das neue Ski Juwel mit insgesamt 145 Pistenkilometern nun im Reigen der Top 10 der Tiroler Skigebiete mit. Schäffer: „Laut Studie des Fachverbandes für Seilbahnen ist Entscheidungsgrund Nummer 1 die Größe des Skigebietes.“


Neue Piste mit Aussicht

Dem Brettlfan präsentieren sich die beiden urigen Gebirgstäler nun wesentlich attraktiver: Von der Wildschönau kommend ist nicht mehr am Gipfel des Schatzberges, dem familienfreundlichen Hauptskigebiet (1903 m hoch) Schluss, sondern die wunderschöne, aussichtsreiche neue Verbindungspiste Wurmegg (Nr. 13) führt mit Blick auf Rofan und Karwendel Richtung Inneralpbach hinunter. Sie liegt am Nachmittag herrlich in der Sonne und präsentiert sich breit, perfekt geneigt für ausladende Carvingschwünge und interessant kupiert.

Bei der Mittelstation allerdings ist Schluss mit Carven, denn die tatsächliche Verbindung mit dem Alpbacher Skiberg Gmahkopf (1900 m) geschieht per Gondelbahn. Man muss also die Skier abschnallen – und hinüber ins Alpbachtal schweben. Eine echte Skischaukel ist das neue Ski Juwel somit nicht.

Die Talsektion der Verbindungsbahn ist jedoch gut an die Inneralpbacher Pögl-Gondelbahn angeknüpft. Nur ein paar Schritte, und schon schwebt der Pistenfan weiter hinauf auf den Gmahkopf und das Wiedersbergerhorn. Diese Skigebiete präsentieren sich anspruchsvoller als der Schatzberg und bieten interessante Variantenmöglichkeiten. Beide Skigebiete ergänzen einander perfekt – wie es sich für eine gute Ehe gehört!

Skier abschnallen

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Foto: TVB Wildschönau
Der kilometerfressende Bretterakrobat darf aber nicht glauben, er könne die insgesamt 145 Pistenkilometer in einem Rutsch unter die Brettl nehmen, denn diese prestigeträchtige Angabe bezieht sich auf das komplette Pistenangebot beider Alpentäler, das nicht zusammenhängt. Da gibt es noch den anspruchsvollen Skiberg Markbachjoch im Wildschönauer Ort Niederau (Wildschönau ist der Talname für vier Kirchdörfer), den Reither Kogel in Reith im Alpbachtal sowie ein paar Tallifte. Die beiden Frischvermählten allein bieten rund 100 Pistenkilometer. Diese sind aber so abwechslungsreich, dass auch dem g’standenen Skifreak nicht langweilig wird.

Skeptische „Oibecker“

Warum aber mussten die beiden Ehewilligen elf Jahre lang um ihre Liaison kämpfen? Die Wildschönauer wissen das genau: Die „Oibecker“, wie die – angeblich von der Körpergröße her kleinen – Alpbacher von den Wildschönauern im Dialekt liebevoll-ironisch genannt werden, sind schuld. Und vor allem deren Bürgermeister. Jetzt aber ist das Gemeindeoberhaupt überstimmt, die beiden Gebirgstäler erfolgreich vereint und einander liebevoll zugetan.

Die Ehe soll aber natürlich Früchte tragen: Seilbahnen-Chef Ludwig Schäffer erhofft sich für heuer ein deutliches Plus von sieben bis acht Prozent. Und Thomas Lerch, Tourismusdirektor von Wildschönau, ortet bereits jetzt zu Saisonbeginn über die Internetplattformen eine enorm gesteigertes Interesse: „Da gibt’s bereits jetzt rund 35 Prozent mehr Anfragen als im Vorjahr.“

Dass das neue „Ski Juwel“ aber zum turbulenten Massen-Skizentrum wird, ist nicht zu befürchten: Hier steht die Kirche noch im Dorf und auch eine gesteigerte Nachfrage wird der Gemütlichkeit und Ursprünglichkeit der beiden Tiroler Gebirgstäler nichts anhaben.

(kurier/Claudia Jörg-Brosche) Erstellt am 03.01.2013, 07:23

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