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Ankunft der Außerirdischen? Nein, modernste Technologien in der Atacama-Wüste, um das Universum zu erfassen.
Ankunft der Außerirdischen? Nein, modernste Technologien in der Atacama-Wüste, um das Universum zu erfassen. - Foto: AP/Jorge Saenz
Torres del Paine National Park.
Torres del Paine National Park. - Foto: APA/FRANCISCO NEGRONI
Wunderbare Steine: Skulpturen auf den Osterinseln.
Wunderbare Steine: Skulpturen auf den Osterinseln. - Foto: AP/Karen Schwartz

Letztes Update am 05.01.2013, 07:39

Chile: Auf der Suche nach dem anderen Universum. Fjorde, Regenwälder, Berglegenden. Chiles Landschaften sind mythisch-magischer Raum. Dazu gehört die trockenste Wüste der Welt, die mehr Einblick in das Universum gewährt, als sonst irgendein Ort.

Es sieht aus, als wären Außerirdische auf dem Mars gelandet. Vier große Teleskope mit modernster Technologie stehen einsam auf dem Paranal, einem Berg auf 2.600 Metern Höhe in der Atacama-Wüste. Der Sand und die Steine wechseln zwischen hell- und dunkelbraun, es wachsen weder Grashalme noch Sträucher noch Bäume. Die Atacama im Norden Chiles ist die trockenste Wüste der Erde, sie ist zehn Mal trockener als die Sahara. Die Luftfeuchtigkeit liegt lediglich zwischen einem und fünf Prozent. Es sieht nicht nur wie auf dem Mars aus, tatsächlich werden hier auch jene Geräte getestet, die diesen Planeten erforschen sollen, bevor sie auf die 56 Millionen Kilometer lange Reise geschickt werden.

CHILE NATURE
Der Nationalpark Torres del Paine ist eine Berühmtheit in Patagonien. Jedes Jahr besuchen 120.000 Urlauber die außerirdisch schöne Landschaft. - Foto: APA/FRANCISCO NEGRONI
„Unsere Teleskope brauchen Höhe und Trockenheit“, erklärt der belgische Astronom Henri Boffin. Hier auf dem Paranal sei die Lage einzigartig. Der kalte Humboldt-Strom des zwölf Kilometer nahen Pazifik verhindere das Aufsteigen der Wolken und damit Regen. Dieses Phänomen heißt Camanchaca. Auf der anderen Seite halten die Anden Schlechtwetter ab. Somit gibt es mehr als 300 klare Nächte pro Jahr, und die Astronomen können mit den Teleskopen ihre Augen ins Universum richten.

Die ESO (European Southern Oberservatory – Europäische Südsternwarte), der Österreich 2009 beigetreten ist, betreibt auf dem Paranal das Very Large Telescope (VLT). Es ist das Flaggschiff der europäischen Astronomie. Das VLT ist das fortschrittlichste optische Instrument der Welt und besteht aus vier Hauptteleskopen, die jeweils über einen Spiegeldurchmesser von 8,2 Metern verfügen. Dazu kommen noch vier auf Schienen bewegliche Hilfsteleskope. Jedes Hauptteleskop kann bei einer Belichtungszeit von einer Stunde Bilder von Himmelsobjekten dreißigster Größenklassen aufnehmen. Das sind Objekte, die vier Milliarden Mal schwächer leuchten als alles, was das menschliche Auge ohne Hilfsmittel gerade noch sehen kann.

Zu welch neuen Erkenntissen hat das VLT geführt? „Wir wissen nun, dass wir fast nichts wissen“, gesteht Boffin, der am VLT arbeitet. Das Wissen, das es vor 20 Jahren gab, sei heute völlig veraltet. „Wir kennen nur vier Prozent des Universums. 73 Prozent sind dunkle Energie und 23 Prozent dunkle Materie.“ Was dunkle Energie und dunkle Materie seien, wisse man nicht.

Mit dem VLT konnten Astronomen auch das Alter des ältesten Sterns bestimmen, den man in unserer Milchstraße kennt. Er ist vor 13,2 Milliarden Jahren während der frühesten Phase der Sternentstehung im Universum entstanden.

Boffin: „Aufgrund des Teleskops konnten wir feststellen, dass sich das Wachstum des Universums beschleunigt. Wir dachten früher, dass die Ausbreitung aufhören müsste, da die Gravitation die Galaxien zusammenbringt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Es gibt eine weitere Kraft, die gegen die Gravitation wirkt und für die Ausbreitung des Universums sorgt. Wir kennen sie nicht, wissen aber, dass sie da ist.“

Die Frage, die die Menschen bewegt, ist die nach Leben in dem schier unendlichen Universum. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es Leben gibt, ist größer geworden“, meint Boffin. Nicht in der Form grüner Marsmännchen, sondern zum Beispiel in Form von Bakterien.

Forschungen zufolge wird der Sonne in vier bis fünf Milliarden Jahren ihre Energie ausgehen. Bevor sie stirbt, wird sie einen Teil ihrer Materie ausstoßen. Manche Forscher glauben, dass durch diesen Ausstoß die Erde zerstörtwird. Boffin ist sich hier nicht so sicher. Denn alles hänge davon ab, ob die Erde in der Lage sein werde, sich von der Sonne wegzubewegen oder nicht. Denn wenn die Sonne Masse verliere, werde auch ihre Gravitation schwächer. „Es gibt den Ausweg, dass sich die Erde von der Sonne wegbewegt. Es wird aber in jedem Fall schon vorher auf der Erde heißer werden und die Hitze bedroht das Leben. Der Planet an sich könnte weiter existieren.“

Das größte Auge auf den Himmel

 

Je besser die Teleskope, umso mehr und bessere Erkenntnisse können die Astronomen gewinnen. 25 Kilometer vom Paranal entfernt wird auf dem Amazonas auf 2.500 Höhe nun ein neues, noch nie dagewesenes Teleskop errichtet. Das European Extremely Large Teleskope (E-ELT). Die Kosten werden auf rund 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Mit einem Spiegel von rund 40 Metern Durchmesser wird es das weltweit größte Teleskop für sichtbares und infrarotes Licht sein. Es kann 15-mal mehr Licht sammeln als die größten heute in Betrieb befindlichen Teleskope. Es wird 15 mal schärfere Abbildungen liefern als das Weltraumteleskop Hubble. In zehn Jahren soll es in Betrieb gehen.

Während das VLT und das E-ELT auf Hitze ausstrahlende Sterne und Nebel angewiesen sind, kann ALMA das kalte Universum erforschen.

ALMA - Riesenteleskop auf 5.000 Metern

Auf der Hochebene Chajnantor bei San Piedro in der Atacama-Wüste errichtet die ESO gemeinsam mit den USA, Kanada, Japan und Taiwan das Atacama Large Millimeter Array, Kurz ALMA genannt. Insgesamt 66 Teleskope befinden sich auf einer Höhe von 5.050 Metern. Sie sollen das Licht einiger der kältesten Objekte im Universum auffangen. Die ersten Teleskope sind bereits seit 2011 in Betrieb. Offiziell wird ALMA Anfang März eröffnet.

„Die Gesellschaft stellt sich seit Jahren Fragen à la „Wie hat alles begonnen, oder gibt es irgendwo noch Leben oder sogar intelligentes Leben?“ Die Astronomie hat die Werkzeuge dafür, um Antworten zu finden“, sagt der belgische Astronom Henri Boffin. Die ESO geht noch weiter: „Astronomie steckt den Rahmen für zukünftige Expeditionen ins All und langfristig für eine mögliche Besiedlung des Weltalls durch die Menschheit ab. Heutige astronomische Beobachtungen leisten Vorarbeit für die Aufgaben künftiger Generationen.“

(kurier) Erstellt am 05.01.2013, 07:39

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