Letztes Update am 20.10.2012, 15:30
Alaska: Paradies in XXXL.
Alaska – das weite Land. Der 49. Bundesstaat der USA am nördlichen Polarkreis ist die Grenze zwischen Zivilisation und unberührter Wildnis, die sich der Mensch noch nicht angeeignet hat.
Alaska kann man zu Fuß, mit dem Boot, mit dem Kajak, per Bus oder aus der Luft erkunden. Das Wichtigste dabei ist, sich viel Zeit zu nehmen und die großen Entfernungen nicht zu unterschätzen.
Es gibt Platz in Alaska. Viel Platz. Jeder der 700.000 Bewohner hat, rein statistisch betrachtet, 2,6 Quadratkilometer zur Verfügung. Zum Vergleich: In Wien tummeln sich auf der gleichen Fläche mehr als 10.000 Menschen.
Trotzdem kann es in Alaska manchmal eng werden. Wenn der Reisende sich entschlossen hat, im Zelt zu übernachten und darauf vergessen hat, seine Lebensmittelvorräte zu verräumen, kann es passieren, dass er Besuch von einem Bären bekommt. Nicht von irgendeinem, sondern gleich von einem besonderen Exemplar, dem Grizzly.
An die 300 Kilo kann der braune Koloss wiegen. Kodiakbären bringen sogar bis zu 800 Kilo auf die Waage. Deshalb empfiehlt es sich, alles Essbare gut wegzuschließen und beim Wandern das zu tun, was anderswo verpönt ist, nämlich Lärm zu machen.
Überraschte Grizzlys (lateinischer Name: Ursus arctos horribilis) können ganz schön ungemütlich werden.
Doch in Alaska, dem nördlichsten Zipfel der USA, sind nicht nur die Bären und die Lachse viel größer als anderswo. Fast alles ist im Übermaß vorhanden. Ein Paradies in XXXL.
Drei Millionen Seen gibt es, 3.000 Flüsse und die Küste ist 80.000 Kilometer lang.
Und wenn im Pazifik der Winter regiert, dann schneit es so heftig, wie man es selbst aus den Alpen nicht kennt.
30 Meter Schnee – das ist die Rekordmenge, die je gemessen wurde. Eine Schneedecke so hoch wie ein sechsstöckiges Haus.
Alaska ist nicht immer kalt. Vor allem im Süden kann es heiß werden, und der Herbst lockt mit goldorange verfärbtem Laub und malerischem Indian Summer.
Auch die Naturschätze des Landes, das drei Jahre lang von der schrägen Gouverneurin Sarah Palin mit dem fatalen Hang, keinen Fettnapf auszulassen, regiert wurde, sind XXXL.
Der Wrangell-St. Elias Nationalpark im Süden ist so groß wie Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark zusammen. Eine Wildnis mit Vulkanen, Eisfeldern und der stillgelegten Minensiedlung Kennicott Mine, eines der historischen Highlights Alaskas.
Um 1900 erwirtschafteten die Familien mit den heute noch klingenden Namen J. P. Morgan und Guggenheim mit den dort entdeckten Kupfervorkommen unermesslichen Reichtum. So wie am Klondike-River, wo vier Jahre zuvor ein Goldfund den größten Goldrausch der Geschichte auslöste und 100.000 Glücksritter an den Fluss in Yukon lockte.
Noch heute wird dort geschürft und Goldgräber-Nostalgie gelebt. Auch im Hafenstädtchen Wrangell brach der Goldrausch aus und lockte Typen wie den Revolverhelden Wyatt Earp an, der sich dort sogar eine Zeit lang als Marshall verdingte.
Pech hatten die Russen. Bis 1867 hatte Alaska ihnen gehört. Sie jagten Seeotter und verkauften ihre Felle. Doch dann brauchte der Zar mehr Geld. Er verkaufte die Kolonie an die USA – für 7,2 Millionen Dollar. Und schon gab das Land seine Schätze preis.
Die Ureinwohner der Aleuten nannten ihr Land "Aleyeska" – weites Land. Das hatte seinen Grund. Im Denali Park, im Herzen des Landes, der vom höchsten Berg Alaskas, dem Mount McKinley mit 6.194 Metern, überragt wird, ist Platz genug für Bären, Elche, Wölfe und ...
... den Weißkopfsteinadler, das Wappentier der USA.
Der Park ist seit fast 100 Jahren unverändert geblieben und vermittelt den Eindruck unberührter Ursprünglichkeit. Gut, dass er nicht mit Privatfahrzeugen befahren werden darf.
Alaska ist auch das Land, in dem die Gletscher bis ans Meer reichen.
Riesige Eiswände, endlose Fjorde und dazwischen springende Buckelwale, Schwärme von Schwertwalen, Zwergwale, ...
... Robben, Seelöwen.
Mehr Natur geht nicht.
AnreiseUm nach Alaska zu gelangen, braucht es Durchhaltevermögen. Unter 20 Stunden geht gar nichts, bis zu 30 Stunden kann man bei weniger günstigen Verbindungen unterwegs sein.
Die Ticketpreise beginnen knapp über 1000 Euro für Hin- und Rückflug von Wien nach Anchorage, beispielsweise mit British Airways oder Delta über London, mit KLM über Amsterdam oder mit Lufthansa über Frankfurt.
KlimaDie beste Reisezeit kommt auf die individuellen Vorlieben an. Der Frühsommer ist meist recht frisch, es regnet häufig, in den höheren Regionen liegt noch viel Schnee: Schön anzusehen, aber schlecht, wenn man Wanderungen plant.
Dafür sind die Tage extrem lang. Der Hochsommer ist wärmer, in den südlichen Prärieprovinzen sogar heiß, dafür können Moskitos und Mücken sehr lästig sein. Im Spätsommer und Frühherbst ist die Wetterlage am stabilsten, der Indian Summer färbt die Wälder wunderschön bunt.
(kurier)
Erstellt am 07.08.2012, 07:00