Letztes Update am 19.08.2012, 12:10
Wie schlägt man einen Marktführer? Indem man nach dem gleichen Rezept kocht, aber besser abschmeckt. Die große britische Reiseenduro im Test.
Alle gegen BMWs GS, so lautet die Devise der heurigen Saison: Kawasaki, Honda und Triumph wollen dem bayerischen Platzhirsch lukrative Marktanteile abluchsen. Die besten Karten dabei halten die Briten in Händen: Sie bleiben am engsten beim Erfolgsrezept der Bayern und gehen doch ihren eigenen Weg.
Dreizylinder
Der eigene Weg inkludiert das traditionelle Motorkonzept: Ein Dreizylinder muss es sein. Für die Tiger Explorer (und in Kürze auch das Reiseschiff Trophy) haben die Briten nun einen neuen Motor entwickelt: Mit mehr Hubraum und modernsten Zutaten wie Drive-by-wire. Der elektronische Gasgriff ermöglicht die einfache Integration von Hightech-Komponenten wie eine Traktionskontrolle oder einen Tempomaten; beides ist – wie das ABS – an der großen Tiger serienmäßig.
Zurück zum Motor: Mit 137 PS ist er deutlich stärker als der luftgekühlte Boxer in der GS (110 PS) und trägt viel dazu bei, dass die Britin mit sportlichem Antritt gefällt; Durchzug und Ansprechverhalten sind herrlich, aber auch geschmeidiges Cruisen ist möglich. Der Dreizylinder zeigt zudem Charakter in Form der typischen Soundkulisse. Weitere Benefits: Ein sauber zu schaltendes Sechsganggetriebe und ein praktischer Kardan, der Tourenfahrern genauso gefällt wie die langen Motor-Wartungsintervalle von 16.000 Kilometern.
Saubere Linien
Ebenso gelungen wie der Motor ist das Fahrwerk – eine Punktlandung, was die Abstimmung zwischen Komfort und Dynamik betrifft. Mit einem Tick auf der strafferen Seite gibt’s auch bei flotterer Fahrweise kein Schaukeln und kein Wackeln, sondern die routinierte Souveränität eines britischen Butlers. Dabei ist das Fahrwerk sogar für leichte Offroad-Passagen gerüstet: Das 19-Zoll-Vorderrad kann’s durchaus mit Steinen und Schlaglöchern aufnehmen.
Ein Gedicht sind letztlich auch die Bremsen: Bissfest, präzise, mit einem Finger zu bedienen.
Das Bemühen, alles besser zu machen, merkt man an vielen Details: Der Sattel ist genauso wie der Windschild in der Höhe verstellbar, der Bordcomputer bietet eine Fülle an Infos. Weitere sinnvolle Optionen sind beheizte Sitze und Griffe, solide Gepäcklösungen sowie eine Reifendruckkontrolle und Nebelscheinwerfer, die das raubeinige Image optisch verstärken. Muss ja keiner wissen, dass sich das Kätzchen auch streicheln lässt.
STECKBRIEF: Triumph Tiger Explorer
Antrieb: 3-Zylinder, flüssigkeitsgekühlt, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, EFI; 1215 , 101 kW/137 PS bei 9300 U/min, maximales Drehmoment 121 Nm bei 7850 U/min; Kraftübertragung: 6-Gang-Getriebe, Kardanantrieb.
Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen, vorne 46-mm-Upsidedown-Gabel, hinten Alu-Einarmschwinge, Federweg vorn/hinten 190 mm/ 194 mm; vorne Doppel-, hinten Einscheibenbremse, ABS, Traktionskontrolle; Maße: Sitzhöhe 840 mm/860 mm, Radstand 1530 mm, 20-l-Tank, Eigengewicht (fahrfertig) 259 kg.
Messwerte: Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Testverbrauch 6,2 l/100 km.
Kosten: Preis € 15.990,–.
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