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KURIER
Foto: Andrusio Michael

Letztes Update am 22.02.2013, 10:12

Sehr viel Licht und wenig Schatten. Von 38 Kandidaten vier durchgefallen, 30 zumindest „empfehlenswert“.

Die Verbraucher sind erwartungsvoll, die Hersteller nicht minder (und da und dort leicht nervös). Der alljährliche Sommerreifentest, den der Autofahrerklub ÖAMTC gemeinsam mit europäischen Partnern durchführt, fiel für 2013 umfangreicher als in den Jahren davor aus. Insgesamt 38 aktuelle Modelle nahmen die Prüfer unter die Lupe.

Genau die Hälfte davon entfiel auf die Reifendimension 225/45 R17 W/Y. Sie ist als klassischer Niederquerschnittreifen vor allem bei sportlichen Kompaktautos, aber auch in der Mittelklasse sehr beliebt und wird sowohl als Extra als auch als Serienbereifung angeboten.


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Foto: KURIER

Das durchaus erfreuliche Ergebnis: Kein einziger Reifen wurde mit einem „Fünfer“ nach Hause gerollt. Nur zwei Kandidaten (siehe unteres Ende der Grafik) mussten wegen ungehobelten Benehmens bei Nässe ein „Bedingt empfehlenswert“ hinnehmen. Beide werden laut Herstellerangaben so nicht mehr produziert, im Handel könnten sich aber Restbestände finden.

Bei wenig Schatten viel Licht: 17 der 19 Kandidaten erhielten die Note „Empfehlenswert“, 7 davon die Note „Sehr empfehlenswert“. Seit Kurzem sieht die Notenskala übrigens als Bestnote das Prädikat „Hervorragend“ vor, es wird aber derzeit wegen der sehr strengen Grenzen noch von keinem aktuellen Produkt erreicht.

Spezialisten

Wenig überraschend finden sich unter den Besten klingende Namen wie Continental, Goodyear oder Michelin, aber auch Hersteller, die eher unter Insidern schon länger für hochwertige Produkte bekannt sind, wie etwa Vredestein und Hankook, deren Reifen vor allem auf trockener Fahrbahn ganz vorne mitspielen konnten. Umgekehrt mussten aufgrund der rigorosen Teststruktur bekannte Namen wie Bridgestone, Yokohama oder Pirelli in dieser Dimension Abstriche verbuchen, die meisten übrigens wegen leichter Schwächen auf Nässe.

Kleinwagen

Weitere 19 Reifen kamen in der Dimension 185/60 R15 H angerollt. Das ist eine sehr gängige und typische Größe im Kleinwagensegment, etwa beim VW Polo oder Ähnlichen. Neun Reifen wurden mit „Sehr empfehlenswert“ bedacht, weitere vier ebenfalls, allerdings ohne „Sehr“. Damit, so der ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel, sei das Niveau dieser Dimension „sehr hoch“.

Am anderen Ende der Hitparade freilich gab es hier auch vier Versager (Kleber Dynaxer HP 3, Marangoni Verso, Rotalla Radial F108 und Sailun Atrezzo SH402), die allesamt wegen großer Schwächen auf Nässe als „nicht empfehlenswert“ eingestuft wurden. Im Fall des Sailun brauchte es nicht einmal Wasser, er war auch auf trockener Fahrbahn der schwächste Reifen im gesamten Testfeld. Durchaus überraschend ist das schlechte Abschneiden des Kleber, dessen Marke ansonsten einen Ruf von Zuverlässigkeit hat (Kleber gehört zur Michelin-Gruppe).

Dimension

Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig es ist, bei der Reifensuche das genaue Modell, aber auch die genaue Dimension zu berücksichtigen. Ein vom deutschen Klub ACE mit Partnern durchgeführter Test mit 16 Sommerreifen (195/65 R15) erbrachte auf den ersten Blick teils völlig andere Ergebnisse. Modelle und Bewertungen differierten indes teilweise. So war etwa im ÖAMTC-Test in der kleineren Dimension ein Semperit Comfort-Life 2 im Einsatz, beim ACE-Test aber das Modell Speed Life. Bei übereinstimmenden Modellen wurden oft andere Noten vergeben.

 

www.oeamtc.at/  http://www.ace-online.de/


Winterreifenpflicht

Etwas Geduld bis zum Wechseln

Sommerpneus erst in zwei Monaten / Winterreifen schon vor dem Profilende am Ende.

Die Empfehlung ist simpel – und heuer leider unbrauchbar. Von „O bis O“, von Oktober bis Ostern, sollte man Winterreifen auf dem Auto haben, lautet die Faustregel des ÖAMTC. Dumm nur, dass heuer der Ostersonntag bereits auf den 31. März fällt, denn: Die sogenannte „situative Winterreifenpflicht“, die in Österreich gilt, läuft bis 15. April. Und Verstöße gegen diese Vorschrift werden (und wurden auch schon) mit Geldstrafen geahndet.

Daher wird man heuer gut daran tun, mit dem Reifenwechsel bis nach Ostern zu warten. Die „situative Winterreifenpflicht“ stellt, daher der etwas geschraubte Name, auf die jeweilige konkrete Situation ab und besagt: Fährt jemand mit seinem Auto (das abgestellte Fahrzeug ist also nicht betroffen) und es treten winterliche Fahrbahnverhältnisse ein, dann muss das Auto mit Winterreifen ausgerüstet sein.

Außentemperatur

Außer von der geografischen Region hängt der beste Zeitpunkt des Wechsels auch von den vorherrschenden Außentemperaturen ab. Liegen sie ständig (deutlich) über sieben Grad Celsius, wird es Zeit fürs Umstecken. Winterreifen haben eine deutlich weichere Gummimischung als Sommerpneus. Deshalb funktionieren sie bei tiefen Temperaturen besser, sind aber umgekehrt bei hohen Außentemperaturen ein arges Sicherheitsrisiko. Das betrifft sowohl Handling und Seitenführung auf heißem Asphalt als auch und vor allem den Bremsweg. Weil ein Winterreifen zahlreiche Lamelleneinschnitte hat, die bis zum Profilgrund hinunterreichen, ist der Reifen noch einmal deutlich flexibler als ein Sommerreifen – und damit im Sommer auch schwammiger und weniger sicher.

Das hat der ÖAMTC vor einigen Jahren in einer speziellen Versuchsreihe eindrucksvoll nachgewiesen. Experten raten aus diesem Grund auch dringend davon ab, Winterpneus mit 4 mm Restprofiltiefe oder weniger noch über den Sommer „zu Ende“ zu fahren (der Sommerreifen muss mindestens 1,6 mm Restprofiltiefe aufweisen), auch wenn das der Gesetzgeber theoretisch erlaubt.

Alter

Eine andere Empfehlung lautet: 4 x 4 x 4. Soll heißen: Bei Sommerreifen immer vier gleiche Pneus, mindestens 4 mm Profil und nicht älter als vier Jahre. Warum das denn, fragen Sie? Weil die Eigenschaften des Reifens mit der Lebensdauer schlechter werden. Auch das hat der ÖAMTC in einer Versuchsreihe vor zwei Jahren zweifelsfrei bewiesen. Getestet wurde anhand der bewährten Kriterien aus dem Sommerreifentest, die Kandidaten waren zwischen zwei und 14 Jahre alt und mussten noch mindestens 5 mm Restprofiltiefe haben.

Dabei zeigte sich: Besonders auf Nässe verschlechtert sich das Verhalten über die Jahre. Schon nach fünf Jahren (bzw. eigentlich: Saisonen) in Verwendung wurde aus der Note „Sehr empfehlenswert“ nur noch ein „Bedingt empfehlenswert“, weil Nassbremsen und Nasshandling deutlich weniger gut klappten.

Der ÖAMTC und auch der heimische „Verband der Reifenspezialisten“ gehen übrigens davon aus, dass ein bis zu drei Jahre fachgemäß gelagerter Neureifen unbedenklich ist. Die Technologie ist dann aber möglicherweise nicht mehr die neueste.

Lager

Die abmontierten Winterreifen kann man entweder gegen eine Gebühr gleich vom Reifenhändler oder diversen Tankstellen einlagern lassen. Andere Möglichkeit: Samt Felgen einzeln im – trockenen und dunklen – Keller an die Wand hängen oder auf einem Felgenbaum so stapeln, dass sich die einzelnen Räder nicht berühren. Das hat den Vorteil, dass Luft zwischen den Pneus zirkulieren kann. Kompletträder sollten nicht auf dem Boden abgestellt werden.

Am Auswuchten bei der Montage im nächsten Jahr führt freilich sowieso kein Weg vorbei.

(kurier) Erstellt am 22.02.2013, 10:12


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