Range Rover Evoque eD4: Allrad ist durch nichts zu ersetzen

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Foto: Andrusio Michael

Die Basisversion mit Frontantrieb im zweiten Teil des Evoque-Dauertests.

Was das Topmodell kann, haben wir bereits ausführlich beschrieben.

Für die zweite Hälfte des Dauertests mit dem Range Rover Evoque wechselten wir auf die andere Seite des Spektrums. Statt 190 PS, Allrad mit Automatik und dem höchsten Ausstattungsniveau Prestige, musste sich da der günstigste Evoque mit 150 PS, Frontantrieb mit manueller Schaltung und Pure-Ausstattung beweisen. Schließlich hat das schicke SUV mit der prestigeträchtigen Abstammung auch die Aufgabe, neue Kundenkreise für die noblen Briten zu erschließen.

Bei uns allerdings dürfte der pure Evoque mit Frontantrieb eher ein Schattendasein führen. So viel kann nach mehr als 10.000 km mit dem Dauertest-Kandidaten schon sagen.

Wobei diese Einschätzung hauptsächlich auf den fehlenden Allrad zurückzuführen ist. Zu präsent sind die Traktionsprobleme bei Nässe und glatter Fahrbahn, wenn der Fronttriebler Mühe hat, beim Anfahren das satte Drehmoment des 150-PS-Diesel in Vortrieb umzusetzen.

Abgesehen von diesem Manko, hat der Basis-Evoque jedoch viele Stärken zu bieten, dank derer er bei nüchterner Betrachtung dem Topmodell im Alltagseinsatz kaum nachsteht.

Ausreichend Kraft

So zeigte sich, dass die fehlenden 40 PS in der Fahrpraxis kaum abgehen, zumal das manuelle 6-Gang-Getriebe weniger Kraft absaugt als die Automatik. Nur die Schaltgassen liegen sehr eng beieinander, was recht gewöhnungsbedürftig ist.

So wenig also der schwächere Diesel tatsächlich schwächelt, so sehr kann er sich verbrauchsseitig hervortun. Auf sommerlichen Autobahnetappen gelangen trotz voll beanspruchter (und von unterschiedlichen Testern als eher zugig beanstandeter) Klimaanlage Reiseschnitte von rund 6,2 Litern, was sich auch positiv auf die sonst nicht sehr üppige Reichweite auswirkte. Dass der Gesamtschnitt über die Testdistanz dann doch bei mehr als 9 Litern lag, ist einem zuletzt erhöhten Kurzstrecken- und Stadtanteil zuzuschreiben.

Ein Geläuf, in dem sich der Evoque ja auch in Kundenhand häufig bewegen wird. Und dort merkt man dann erst, wie breit der vermeintlich so kompakte kleine Rangie ist. Inklusive der mächtigen Rückspiegel fordert das erhöhte Aufmerksamkeit in engen Parkgaragen oder Einfahrten. Apropos Stadtverkehr: Die Start-Stopp-Automatik glänzte vor allem bei kälteren Außentemperaturen weitgehend durch Inaktivität.

Weitere Kritikpunkte aus dem Fahrtenbuch beziehen sich auf den lahmen Bordcomputer, die ebenfalls nicht sehr reaktionsschnelle Sitzheizung und das Fehlen eines das Einsteigen erleichternden Haltegriffes auf der Beifahrerseite.

Was die Verarbeitungsqualität angeht, gab es an sich nichts zu mäkeln. Allerdings entpuppte sich bei einem unplanmäßigen Werkstattaufenthalt eine gelockerte Schraube am Querlenker als Ursache für unschöne Geräusche von links vorne beim Einschlagen.

Unterm Strich lässt sich nach einem Jahr mit den beiden Extremen des Evoque-Angebotes eine Empfehlung zur Mitte abgeben. In kurzen Worten: Der kleinere Motor reicht, das Geld für eher unnützen Tand aus der Ausstattungsliste (Stichwort Außenkameras) sollte in den Allradantrieb investiert werden.

Zwischenstopp in Vorarlberg in der Nähe des Hochtannbergs. Unterwegs im Brandertal. Bis auf enge Schaltgassen und einen lahmen Bordcomputer ist am Cockpit wenig auszusetzen. Pluspunkt: Gute Sitze. Große Heckklappe, brauchbarer Kofferraum. Der Preis der Schönheit: Das als Sehschlitz geformte Heckfenster beeinträchtigt die Übersicht.
Technische Daten

Range Rover Evoque 2,2 eD4

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Foto: Andrusio Michael

Antrieb: 4-Zylinder-Diesel, Direkteinspritzer, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Alu-Zylinderkopf, Turbolader, Ladeluftkühler; Frontantrieb, 6-Gang-Getriebe; Spitze 180 km/h, 0–100 in 11,2 Sekunden; Euro 5.

Hubraum: 2179 , 150 PS/110 kW

maximales Drehmoment: 380 Nm bei 1750 U/min

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, Hilfsrahmen, vorn McPherson-Federbeine, Querlenker, hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisatoren, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Servolenkung, ABS, Dynamische Stabilitätskontrolle DSC (ESP), Berganfahrhilfe, Anhängerstabilitätshilfe (TSA).

Maße (L x B x H):4355 x 1965 x 1635 mm

Wendekreis: 11,3 m

Radstand: 2660 mm

Böschungswinkel: vorn/hinten 25/33 Grad

Rampenwinkel: 22 GradWattiefe: 500 mm

Bodenfreiheit: 215 mmGesamtgewicht: 2350 kg

Eigengewicht/Zuladung: 1595/755 kgAnhängelast:gebremst/ungebremst 1500/750 kg

Tankinhalt:55 l

Kofferraum:550–1445 l

Bremsweg warm:* 39,7 mNormverbrauch: 5,0 l/100km133 g/km CO²Preis:35.500 €

Bremsweg kalt:* 40,0 mTestverbrauch: 9,8 l/100 km

Preis Testwagen: 45.846 €

Motorbezogene Versicherungssteuer:567,60 €

(kurier) Erstellt am

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