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KURIER Romy 2014
Stimmiger Auftritt: Der nur knapp 4,28m lange Kompakt-SUV gibt eine gute Figur ab.
Stimmiger Auftritt: Der nur knapp 4,28m lange Kompakt-SUV gibt eine gute Figur ab. - Foto: Andrusio Michael

Letztes Update am 28.12.2012, 10:17

Opel Mokka: Ein kleiner Muntermacher. Das deutsche Kompakt-SUV soll an frühere Erfolge des alten Frontera anschließen.

Es wird sich wahrscheinlich kaum noch wer an den Frontera erinnern, der Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts auf den Markt kam und Opel gewissermaßen aus dem Stand an die Spitze der damals gerade beginnenden SUV-Booms katapultierte. Lang, lang ist’s her, vor allem auch deshalb, weil der nachfolgende Antara – hauptsächlich wegen der durstigen Motoren – nie an die Erfolge des Frontera anknüpfen konnte.

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Heck: Massiver Stoßfänger, große Rückleuchten, Unterfahrschutz - Foto: Andrusio Michael


Das wird sich mit dem Mokka ändern. Der 4,28-Meter-Kompakt-SUV, der in seinem Segment auf Škoda Yeti, Mini Countryman oder etwa auf den Nissan Juke trifft, ist ein stilistisch hervorragend gelungenes Auto, solide verarbeitet, üppig ausgestattet und preislich durchaus attraktiv positioniert.

Die Rolle, die der Mokka aufgebürdet bekam, ist aber trotzdem nicht leicht: Er muss – zusammen mit dem anderen großen Hoffnungsträger, dem kleinen Adam – den krisengeschüttelten Traditionshersteller vor dem Absturz bewahren.

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Asymmetrisch umklappbare Rücksitzlehne, Stauvolumen zwischen 356 und 1372 Liter - Foto: Andrusio Michael

Damit das gelingt, hat Opel dem stämmigen und satt auf der Straße stehenden Kompakt-SUV ein paar Dinge auf den Weg gegeben, die den Erfolg sichern könnten: gutes Raumangebot, übersichtliche Instrumente, praktische Ablagen, variabler Frachtraum, agiles Handling und gute, weil sichere Traktion. Mit einer kleinen Einschränkung allerdings: Allrad gibt’s nur in Verbindung mit dem von uns gefahrenen 1,4-Turbo-Benziner mit 140 PS. Den schwächeren 1,6-Benziner mit 115 PS und den 1,7-Liter-Turbo-Diesel (130 PS) gibt’ s nur mit vorn angetriebenen Rädern.

Licht und Schatten

Viel Licht, gewiss. Schatten auch? Ja, schon. Weniger als die 140 PS sollten Mokka-Piloten eigentlich nicht zugemutet werden, hat doch der 1400er-Turbo mit dem immerhin 1,5 Tonnen schweren Testwagen schon ziemliche Mühe: Bereits sanfte Autobahnsteigungen erfordern den Griff zum Schalthebel, um den Motor einigermaßen bei Laune und auf Trab zu halten. Dann allerdings wird das Aggregat, das ohne ohne Direkteinspritzung auskommen muss, nervig und über Gebühr laut. Immerhin passt der Verbrauch, der mit 8,5 Liter im Schnitt zwar keine Maßstäbe setzt, aber auch keinen Grund zum Jammern liefert.

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Cockpit: Hochwertiges Material, schön verarbeitet; die Eingewöhnung braucht aber eine gewisse Zeit - Foto: Andrusio Michael

Keine wirklich tollen Noten verdienen auch die schlechte Übersichtlichkeit, die geringe Zuladung und die (auch aus anderen Opel-Modellen bekannte) überfrachtete Mittelkonsole mitsamt den vielen Knöpferln und Schaltern.


Technische Daten

Opel Mokka 1,4 Turbo Eco Tec

Antrieb: 4-Zylinder-Benziner, vorn quer, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler; Allradantrieb, 6-Gang-Getriebe; Spitze 195 km/h, 0 auf 100 km/h in 10,4 Sekunden; Euro 5.

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, Hilfsrahmen, Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabilisator, hinten Verbundlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, ABS, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

PS/kW: 140/103

maximales Drehmoment:200 Nm bei 1850 U/min

Maße (L x B x H):4278 x 1764 x 1658 mm

Wendekreis: 11,8 m

Radstand: 2555 mm

Kofferraum: 356 – 1372 l

Zuladung: 369 kg Gesamtgewicht: 1854 kg

Tankinhalt: 53 l

Normverbrauch: 6,4 l/100km 149 g/km CO²

Testverbrauch: 8,5 l/100km

Preis: 23.690 €

Preis Testwagen: 29.875 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 521,40 €


Kommentar

Reizwort SUV

Warum der Siegeszug der vielkritisierten Autogattung weitergehen wird und wieso es Zeit wäre für eine Begriffsklärung.

Das abgelaufene Jahr hat es klar gezeigt. Wer sich die heimische Autokauf-Statistik ansieht, wird hinter dem ewigen Hitparaden-Anführer VW Golf mit dessen Konzernbruder Tiguan einen Vertreter jener Gattung auf Platz zwei finden, die stets als medialer Reibebaum herhalten muss.

Seit sich der klassische Geländewagen in Richtung Alltagstauglichkeit entwickelt hat, und in den USA für die weichgespülten Kraxler von einst der Überbegriff SUV (Sports Utility Vehicle) geprägt wurde, steht dieses Kürzel bei uns in der medialen Darstellung für ausgeprägte automobile Unvernunft. Wann immer von SUV die Rede ist, werden Bilder von allradgetriebenen, spritfressenden Ungetümen beschworen, die nicht nur das Weltklima schädigen, sondern ob ihrer Masse auch ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Dass die Realität auf den Straßen eine ganz andere ist, passt da schlecht ins Bild. Die Palette dessen, was heute landläufig als SUV bezeichnet wird, reicht von Kleinwagen wie dem neuen Opel Mokka bis hinauf zum Range Rover. Die relevanten Stückzahlen werden aber, wie auch der zweite Platz des Tiguan beweist, nicht mit den großen Tieren gemacht. Sondern mit jenen Modellen, die bei den Kunden Kombis und Minivans ersetzt haben und die wegen der erhöhten Sitzposition und dem Plus an Platz und Variabilität im Inneraum ihren Siegeszug weiter fortsetzen werden.

Sie nicht mehr mit ihren weitschichtigen Verwandten im US-Format in einen Topf zu werfen, wäre also höchst an der Zeit.

(kurier) Erstellt am 28.12.2012, 10:17


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