Letztes Update am 04.05.2012, 17:16
Kawasaki Versys 1000: Die Kraft des Reisens.
Sensationserfolg aus dem Stegreif: Der erste Reihen-Vierzylinder unter den Reise-Enduros ist die Überraschung des Jahres.
Reise-Enduros sind die SUV unter den Motorrädern. So ist es kaum verwunderlich, dass wie bei den Autos das Thema Offroad immer mehr in den Hintergrund gerät. Statt Bodenfreiheit und Ölwannenschutz zählen zunehmend Power, Dynamik, Hightech und Komfort für lange Distanzen.
Aus diesem Blickwinkel ist es auch zu verstehen, ...
... dass sich Kawasaki bei seiner Premiere in dieser Klasse traut, mit einem Reihen-Vierzylinder zu reüssieren. Im Offroad-Einsatz wäre der mächtige, breite Motor wohl tatsächlich fehl am Platz; für die genannten neuen Aufgabengebiete ist er hingegen goldrichtig.
Der Motor stammt, genauso wie der Alu-Rahmen, aus dem brutalen Streetfighter Z1000. Beides wurde natürlich stark modifiziert, die Seele eines Angreifers schimmert dennoch auch in der großen Versys durch.
Erste Überraschung: Entgegen der bulligen Statur fährt sich die Versys äußerst leichtfüßig. Sie lenkt neutral ein und bedingt damit sofortiges Wohlgefühl. Die Ergonomie ist ebenfalls frei von Fehlern und der Sattel so komfortabel gepolstert, dass man sich auch ohne zu zögern über weiteste Strecken wagt.
Sportlich: Das Fahrwerk kann aber noch mehr: Mit einer sehr aufwendigen Gabel beherrscht es eine sensationelle Balance aus Komfort und Straffheit; die Stabilität reicht bis in die höchsten Geschwindigkeitsbereiche, während man auf Bergstrecken flott und agil unterwegs ist. Der in dieser Klasse bisher verschmähte Reihen-Vierzylinder erweist sich dabei als kongenialer Partner: Mit bulliger Leistung von unten wirkt er sogar stärker als die ohnehin sportlichen 118 PS aus dem Datenblatt. Seidigen Lauf und ruckfreie Anschlüsse setzt man voraus, dazu zeigt der Motor aber auch Charakter: Mit einigen wohl dosierten good vibrations und kernigem Ansauggeräusch.
Während ABS in dieser Klasse schon zum guten Ton gehört, ist die Traktionskontrolle der Versys 1000 noch eine Besonderheit, zumal serienmäßig: Sie ist vom Lenker aus in drei Stufen verstell- oder abschaltbar und verhilft zu einem guten Gefühl bei Streusplitt, Nässe oder immer dann, wenn der Übermut am Gaspedal zieht. Mit demselben Knopf lässt sich auch die Motorleistung auf 75 Prozent kappen, ebenfalls hilfreich bei widrigen Bedingungen.
Bei solchen schätzt man letztlich auch die Bremsanlage. Sie ist perfekt dosierbar und mit kapitaler Verzögerung bei geringer Handkraft – eine der besten in diesem Segment.
Dass eine Kawa forsch und frech fährt, ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch auch die Funktion des Reisebegleiters erfüllt die Versys 1000 mit Bravour: Großer Tank, verstellbare und gut schützende Scheibe, serienmäßiger Gepäckträger, es ist alles vorhanden.
Und das optionale Koffer-Topcase-System wird mit minimalen Zubauten befestigt – gerade so, als hätte Kawasaki seit Jahren nichts anderes gebaut als Reise-Enduros.
(kurier)
Erstellt am 06.05.2012, 07:00