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Foto: REUTERS

Letztes Update am 13.11.2012, 14:13

Wird die Menschheit immer dümmer?. Bislang hieß es, der Mensch werde intelligenter – neue Forschungsergebnisse widersprechen dem nun. Dies ruft naturgemäß Skeptiker auf den Plan.

Seit Anfang des 20. Jahrhundert sei der Intelligenzquotient des Durchschnittsmenschen immer weiter gestiegen – dies war bislang der aktuelle Forschungsstand: Bekannt als Flynn-Effekt bezeichnete dies die Tatsache, dass – zumindest in den Industrieländern – der gemessene IQ im Mittel immer höhere Werte erbrachte.

Dieser These, die bereits seit den 1990ern durch andere Studien immer wieder in Zweifel gezogen worden war, widerspricht nun auch ein renommierter US-Forscher. Subsumiert unter dem Motto „die Menschen werden immer dümmer“ hat Gerald Crabtree von der kalifornischen Stanford-Universität im Fachblatt Trends in Genetics einen Artikel darüber veröffentlicht – die Aussage: Die durchschnittliche Intelligenz des Menschen schwinde allmählich, weil sie vom Einzelnen nicht mehr in dem Maße benötigt werde wie noch vor Jahrtausenden.


Gen-Mutationen

Vor Tausenden Jahren, als die Menschen noch in kleinen Gruppen durch die Wildnis streiften, wären intellektuelle Fähigkeiten entscheidend zum Überleben gewesen, meint Crabtree. Doch seit die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden, schreibt der Entwicklungsbiologe.

Die menschliche Intelligenz hänge demnach von rund 2.000 bis 5.000 Genen ab; diese Erbanlagen für das Gehirn seien Studien zufolge besonders anfällig für Mutationen, schrieb Crabtree. Er vermutet, dass die Menschheit in den vergangenen 120 Generationen - also etwa 3000 Jahren - Schritt für Schritt an Intelligenz einbüßte.

Seine These: Wer sein Gehirn früher nicht extensiv genutzt habe, konnte sich nicht ernähren oder vor wilden Tiere schützen. Die Folge: Nur die Klügsten überlebten – und dieser Selektionsdruck ließ nach Meinung Crabtrees die menschliche Intelligenz stetig steigen. Nach der Entwicklung der Landwirtschaft lebten Menschen dagegen in größeren Gruppen zusammen, die auch schwächere Individuen unterstützten. Wichtiger als Intelligenz war es nun laut Crabtree für den Einzelnen, sich vor Krankheiten zu schützen, die in größeren Gruppen häufiger auftreten. Schwächere – also weniger Intelligente – wären vom Kollektiv mitgezogen worden.

Kritiker und Skeptiker

Dass eine solche Theorie Kritiker auf den Plan ruft, liegt auf der Hand. Das Journal LiveScience etwa führt die Aussage des Psychologen Thomas Hills von der University of Warwick an, der kein Sinken der Intelligenz, sondern vielmehr eine Diversifikationen verschiedener Arten von Intelligenz feststellt.

Und der britische Independent zitiert Professor Steve Jones, einen Genetiker des University College London, der die Studie voller Skepsis sieht - es würden generell die fundierten Fakten fehlen: „Man könnte genauso argumentieren, dass sich zeitgleich unsere Aggression, Depression oder Penislänge reduziert habe, aber keine Zeitschrift würde dies publizieren."

(apa/KURIER/ep) Erstellt am 13.11.2012, 14:13

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