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KURIER
Laserbehandlung des grauen Stars: Der Arzt blickt auf die Pupille, durch die Laserschnitte kann die neue Linse später exakt platziert werden
Laserbehandlung des grauen Stars: Der Arzt blickt auf die Pupille, durch die Laserschnitte kann die neue Linse später exakt platziert werden - Foto: Deutsch Gerhard

Letztes Update am 18.01.2013, 06:00

Mit dem Laser gegen grauen Star. Neues Verfahren: Befürworter sehen Vorteile für Patienten, doch nicht alle Ärzte sind davon überzeugt

Laser-Emission“ leuchtet auf dem Monitor auf: Rund 50 Sekunden wirken ultrakurze Laserpulse auf jedes der beiden Augen von Burkhard Gruber, 72, ein. Er ist der erste Österreicher, dessen grauer Star mittels Lasereingriff behandelt wird.

Das Ärzteteam Kuchar / Kaminski / Kiss von „Auge & Laser“ in Baden bei Wien hat die erste Katarakt-Operation in Österreich mit einem computergesteuerten Femtosekundenlaser durchgeführt. Bisher wurde der Laser vor allem zur Korrektur der Kurzsichtigkeit eingesetzt. „Die Linsenoperation gehört heute zu den sichersten Eingriffen, die es gibt“, sagt Augenarzt Priv.-Doz. Christopher Kiss. „Aber seit 20 Jahren hat sich nichts wirklich Grundlegendes geändert. Das ist die erste große Innovation.“


Mit dem Laser wird ein runder Schnitt in die Kapsel,die die Linse umgibt, gesetzt – ohne dabei die Hornhaut zu beeinträchtigen.

Danach zerteilt der Laser die alte Linse in vier Stücke. Die dritte Aufgabe des Lasers ist es, die Hornhaut gleichsam „anzuritzen“: „Sie bleibt aber noch verschlossen, es können keine Keime durch.“

Anschließend wird der Patient vom Laser zum OP-Mikroskop transferiert. „Erst jetzt öffnen wir die Hornhaut anhand der vorbereiteten Schnittlinie mit einem stumpfen Spatel und saugen durch die Hornhautöffnungen die zerteilte Linse mithilfe von Ultraschall ab“, sagt Kiss. Da der Laser die Linse bereits zerteilt hat, sei die Ultraschall-Energie, die zur Zertrümmerung der Linse eingesetzt werden müsse, deutlich geringer. Durch die geringere Energieabgabe komme es zu einer geringeren Gewebeschwellung – die Ursache für vorübergehendes trübes Sehen oder bunte Kränze rund um Lichtquellen nach einem herkömmlichen Eingriff, so Kiss. Die Zeit, die der Chirurg am Auge manipulieren müsse, reduziere sich um mehr als die Hälfte.

Weniger Infekte?

Bei einem rein chirurgischen Eingriff steht hingegen der Hornhautschnitt ganz am Anfang: „Das bedeutet aber ein höheres Infektionsrisiko“, sagt Kiss: „Die Häufigkeit einer Infektion im Auge konnte in den vergangenen 15 bis 20 Jahren von rund zwei bis vier Prozent auf aktuell 0,05 bis 0,5 % gesenkt werden. Wir gehen davon aus, dass bei der Operation mit Laserunterstützung die Infektionsraten noch niedriger sind.“

Beim Implantieren der neuen Linse gibt es vom Verfahren her keinen Unterschied zur herkömmlichen OP. „Doch durch den exakten kreisrunden Schnitt des Lasers in die Linsenkapsel kann die Linse ganz exakt auf die Pupillenmitte zentriert werden“, sagt Kiss. „Die Schnitte erfolgen mit mikroskopischer Genauigkeit. Diese bessere Positionierung ist eigentlich der größte Vorteil der neuen Technologie.“ Denn unter einer nicht optimal zentrierten Linse könne der Seheindruck leiden.

„Weltweit sind mit dem von uns verwendeten System bereits 60.000 Patienten operiert worden. Die Erfahrungsberichte zeigen, dass das Sehgefühl und der Seheindruck nach der Laser-OP deutlich besser sind als nach einer herkömmlichen. Blendeffekte sind geringer, auch das Sehen in der Nacht wird verbessert.“ Davon sind allerdings noch nicht alle Ärzte überzeugt (siehe unten). Besonders bei Linsensystemen, die ein Sehen in der Nähe und in der Ferne ohne Brille ermöglichen (Multifokallinsen), spiele die genaue Zentrierung eine große Rolle. Der Aufpreis gegenüber einer herkömmlichen OP beträgt pro Auge 1500 Euro – er wird von den Kassen derzeit noch nicht ersetzt.

(kurier) Erstellt am 18.01.2013, 06:00


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