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Foto: KHORZHEVSKA - FOTOLIA 27649531/Khorzhevska/Fotolia

Letztes Update am 12.12.2012, 16:23

Mit 16 fängt das Sexleben an. Das „erste Mal“ passiert nicht immer früher. Bessere Aufklärung reduziert Risikoverhalten.

Das „erste Mal“ passiert immer früher, Aufklärung funktioniert nur mehr über Pornos: Das sind zwei gängige (Vor-)Urteile, die durch neue, am Mittwoch präsentierte Studien widerlegt werden.

Sexuelle Bildung ist auch 2012 ein heißes Eisen. Das zeigte zuletzt die Aufregung um eine Aufklärungsbroschüre für die Lehrer von Sechs- bis Zwölfjährigen.


In Sachen Jugendsexualität ist die Datenlage allerdings schlecht. Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) wollte wissen, wie es tatsächlich um das sexuelle Wissen der Jugendlichen bestellt ist. Mit den neuen Studien – eine davon auf EU-Ebene – erhalten die Experten nun aber neue Einblicke. Studienleiterin Martina Strilic kann etwa mit dem Vorurteil aufräumen, der erste Sex passiere immer früher. „Das Durchschnittsalter von 16 Jahren hat sich seit zehn Jahren nicht verändert.“ Auch nicht der Umstand, dass Mädchen ihren sich verändernden Körper, Selbstbefriedigung, den Beginn ihrer Sexualität und den Geschlechtsakt selbst negativer bewerten als Burschen (siehe Grafik). Dafür hat das Internet als Informationsquelle stark aufgeholt, besonders bei den Burschen. Strilic: „Für jeden zugängliche Porno-Seiten gab es vor zehn Jahren noch nicht. Das muss noch mehr beachtet werden.“

Rolle der Freunde

Die zweite Studie wurde in fünf EU-Ländern durchgeführt und beleuchtete die Rolle der gleichaltrigen Freunde (Peer-Kommunikation). Deren Part sei oft wichtiger als andere Kontakte, sagen die Autorinnen Eva-Maria Füssl und Karina Ortner. „Jene Jugendliche, die ‚beste Freunde‘ als Kommunikationspartner haben, verfügen tendenziell über ein sichereres Sexualverhalten und sind besser aufgeklärt.“ Die Studie zeigte aber auch, dass sich offenbar die Familiensituation auf das Sexualverhalten auswirkt. „Wir wissen, dass die Qualität der Familienatmosphäre wesentlich für ein gesundes Sexualverhalten und sogar ein Schutzfaktor ist.“

Angesichts dieser Daten fordern die Experten den Ausbau von niederschwelliger, altersgerechter Aufklärung. „Meine Tochter hat zum ersten Mal mit sechs Jahren gefragt, wie das denn mit den Babys ist. Ich habe mit ihr darüber geredet. Kinder haben ihre eigenen Vorstellungen“, erzählt die Gynäkologin Univ.-Prof. Claudia Linemayr-Wagner, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Familienplanung. Sexualpädagogin Sabine Ziegelwanger plädiert dafür, die Eltern selbst zu schulen: „Erwachsene sind gefordert, die Fragen ihren Kindern altersgerecht zu übersetzen.“

Aber auch die Schulen sind gefragt. Neben Besuchen von externen Sexualpädagogen zeigen spezielle Schulprojekte gute Erfolge. Im Wiener Gymnasium „Schulschiff“ etwa ist seit zehn Jahren in allen Klassen eine Stunde für geschlechtsspezifische Themen – teilweise sind Burschen und Mädchen dabei getrennt – reserviert. Schulleiter Ewald Waba: „Durchs Reden und Thematisieren löst sich schon sehr viel. Da gibt es einen regen Austausch.“


Grafik

Sex bei Jugendlichen

(KURIER) Erstellt am 12.12.2012, 16:23


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