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KURIER Romy 2014
Foto: APA/MARTIN STELZER / FOTOLABOR CHIRURGIE / LKH-UNIV. KLINIKUM GRAZ

Letztes Update am 18.02.2013, 17:45

Neuer Daumen aus Oberschenkel. Weichteile, Knochenstück und ein Nerv verpflanzt: Steirer kann nun wieder greifen.

Das Gefühl im Daumen „kommt schon langsam wieder“, beschreibt Thomas P., krempelt ein Hosenbein hoch und zeigt, woher sein Daumen eigentlich stammt: Aus seinem Oberschenkel wurden ein Stück Knochen, Weichteile und ein Nerv entnommen, um daraus den Finger zu formen und an die rechte Hand des jungen Steirers zu implantieren.

Am 18. 1. hatte der Metallarbeiter einen schweren Unfall. Seine Hand geriet samt Schutzhandschuh in eine laufende Standbohrmaschine. Daumen und Zeigefinger wurden regelrecht ausgerissen, samt dem anliegenden Weichteilgewebe. „Da tut man sich dann sehr schwer, zu reimplantieren“, erläutert Univ.-Prof. Lars Kamolz, Leiter der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH-Univ.-Klinikum Graz. „Das ist fast unmöglich.“


Also suchten die Chirurgenteams nach der Aufnahme des 25-Jährigen nach einer Lösung, um eine möglichst hohe Funktionstüchtigkeit der Hand zu erhalten. Vorrang hatte dabei die Wiederherstellung des Daumens. Ein ganzer Block aus Haut, Gewebe, einem Nerv sowie ein zwei mal drei Zentimeter großes Stück Knochen aus der Nähe zum Knie wurden entnommen, zu einem Daumen gebildet und an die Hand genäht. Unter dem Mikroskop wurde der Nerv an die Reste des eigentlichen Daumennervs angeschlossen, auch die Blutversorgung des Gewebes wurde wieder hergestellt.

Noch nie gemacht

Das ist eine in Graz noch nie zuvor an angewandte Methode. „In dieser Kombination ist das bei uns an der Klinik noch nie gemacht worden. Das Geniale daran war auch, dass wir das alles in einer Operation über mehrere Stunden mit zwei Teams gemacht haben“, schildert Kamolz. Eines habe sich um die Entnahme aus dem Bein gekümmert, das andere an der Hand operiert. Aus dem Grund waren auch nur noch zwei kleinere Nachfolge-Eingriffe notwendig.

Nötig zum Greifen

Thomas P., Professor Lars Kamolz…
Thomas P. mit Lars Kamolz, einem seiner Chirurgen. 'Das Gefühl im Daumen kommt schon langsam', freut sich der 25-Jährige - Foto: Elisabeth Holzer
3000 Eingriffe gibt es pro Jahr an der Grazer Klinik für Plastische Chirurgie, ein bis zwei Mal wöchentlich werden Patienten mit komplexen Handverletzungen eingeliefert. Die am öftesten abgetrennten Gliedmaßen sind Finger. Für die Chirurgen hatte die Wiederherstellung eines Daumens absolute Priorität. „Man versucht, so oft wie möglich den Daumen zu rekonstruieren, weil er ja das Wiederlager zum Greifen ist. Er macht das Greifen überhaupt erst möglich.“

In Thomas P.s Fall sei aber die Verletzung so schwer gewesen, dass der abgetrennte Daumen nicht mehr reimplantiert werden konnte. Deshalb habe man sich für die neue Methode entschieden. Oberschenkelgewebe eigne sich gut dafür, da etwa die Wundheilung dort sehr schnell verlaufe.

Thomas P. durfte gestern wieder nach Hause. Er kann bereits Gegenstände fassen, er habe keine Schmerzen. „Mein Leben wird ganz normal weitergehen, ich kann auch Rechtshänder bleiben. Ich bin froh, dass die Ärzte alles probiert haben.“

(kurier) Erstellt am 18.02.2013, 17:41

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