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KURIER
Die Symptome des „Broken-Heart-Syndroms“ ähneln einem Herzinfarkt
Die Symptome des „Broken-Heart-Syndroms“ ähneln einem Herzinfarkt - Foto: Berchtesgaden/Fotolia

Letztes Update am 12.11.2012, 15:21

Frauenherzen schlagen anders. Broken Heart-Syndrom: Psychischer Stress kann vor allem Frauen aufs Herz schlagen. Immer mehr leiden unter „gebrochenem Herzen“.

Immer jüngere Frauen sind betroffen. Ihre Symptome hängen mit psychischem Stress zusammen und werden oft nicht ernst genommen. Wie der „eiserne Heinrich“ im Märchen vom Froschkönig fühlen sich Frauen, die unter dem „Broken Heart Syndrom“ leiden: Als ob ihr Herz eingeschnürt wäre. Im Märchen schützt sich der treue Diener Heinrich mit drei eisernen Bändern, die sein Herz umschließen, vor seinem Herzschmerz über das Unglück seines Herrn. Erst, als dieser endlich glücklich ist, zerspringen auch bei ihm die Eisenbänder.

„Dieses Bild ist für uns Kardiologen relativ neu“, gesteht Univ.-Prof. Jeanette Strametz-Juranek, MedUni Wien. Über die dahinterstehende, als „Broken Heart-Syndrom“ bezeichnete Krankheit weiß man bereits mehr. 1989 wurde sie erstmals in Japan als „Tako-Tsubo-Kardiomyopathie“ beschrieben. Das heißt, die Betroffenen – hauptsächlich Frauen – klagen über akute Herzinfarkt-Symptome, die Herzkranzgefäße sind jedoch anders als bei echten Infarkten völlig in Ordnung.


Ausgelöst werden diese als lebensbedrohlich empfundenen Symptome vor allem durch extreme psychische Belastungen. „Das können der Tod eines nahestehenden Menschen, aber auch Extremsituationen wie Verkehrs- oder Raubüberfall sowie chirurgische Eingriffe sein“, betont Strametz-Juranek. Warum hauptsächlich Frauen so reagieren, ist noch unklar. „Wir wissen aber, dass es in Stresssituationen zu Regulationsstörungen in der Stressverarbeitung kommt.“

Keinesfalls harmlos

Ein „gebrochenes Herz“ mag harmlos klingen, sollte aber nicht abgetan werden. Es wird wie ein akuter Herzinfarkt behandelt, etwa mit Alpha- und Beta-Blockern oder Diuretika. Strametz-Juranek: „Die Prognose auf vollständige Erholung ist sehr gut, die Symptomatik kann aber immer wieder auftreten.“ Deshalb ist es wichtig, das Problem an der Wurzel zu packen. „Psychotherapeutisch gesehen bildet die schmerzhafte Trennung Formen einer psychosomatischen Herzneurose aus.

Die verhärteten Emotionen – gleich dem eisernen Band – müssen gelockert werden“, sagt die Psychotherapeutin Maria-Anna Pleischl. „Die Betroffenen lernen mittelfristig, Schmerz, Trauer, Ärger anders und vor allem ohne Einengung des Herzens zu verarbeiten.“

Herz-Kreislauf-Erkrankungen treffen indes immer jüngere Frauen. Besonders bei 35- bis 44-Jährigen sind tödliche Herzinfarkte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In allen anderen Altersgruppen sind sie gesunken. „Risikofaktoren wie Rauchen, Adipositas und Stress wirken sich besonders stark aus“, sagt Prim. Franz Weidinger, Rudolfstiftung.


Wissen

Unterschiede zwischen Frau und Mann

Symptome: Bei Männern kennzeichnen oft heftige Schmerzen im Brustraum, die etwa in den Arm ausstrahlen, einen Herzinfarkt. Bei Frauen kommen unspezifische Beschwerden wie Druck in Brust und Oberbauch, Übelkeit, Kurzatmigkeit dazu.

Alter: Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht etc. lassen die Herzinfarktrate bei Frauen auch vor der Menopause steigen. Bis zum Wechsel sorgt das Hormon Östrogen für mehr Schutz. Herzinfarkte treten deshalb erst später als bei Männern auf.

(KURIER) Erstellt am 12.11.2012, 15:21


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