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KURIER Romy 2014
Riechtest: Es ist gar nicht so einfach, den Duft von Apfel, Pfirsich und Birne zu unterscheiden, ohne das entsprechende Obst zu sehen.
Riechtest: Es ist gar nicht so einfach, den Duft von Apfel, Pfirsich und Birne zu unterscheiden, ohne das entsprechende Obst zu sehen. - Foto: KURIER /gruber franz

Letztes Update am 23.02.2013, 08:00

Training für den Geruchssinn. Vom Essen bis zur Partnerwahl – ein guter Riecher hat großen Einfluss auf die Lebensqualität.

Das Essen brennt unbemerkt an, der Pulli des geliebten Partners hat plötzlich keinen Geruch mehr und am schlimmsten: man kann sich selbst nicht riechen. Auch, wenn man allgemein oft meint, am ehesten auf den Geruchssinn verzichten zu können – er ist der ursprünglichste aller Sinne.

Bei Neugeborenen wurde nachgewiesen, dass sie sich schon zwei Stunden nach der Geburt am Geruch der Muttermilch orientieren. Wir nehmen 20 Prozent unserer Umwelt über den Geruchssinn wahr, vom Essen bis zur Partnerwahl. Selbst Erinnerungen funktionieren oft über die Nase.


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Foto: Kurier
Dementsprechend groß ist die Beeinträchtigung, wenn dieser Sinn fehlt. In diesem relativ jungen Feld der Wissenschaft gab es in den vergangenen Jahren viele neue Ansätze für Studien: So wurde gezeigt, dass Menschen, die weniger riechen können, eher depressiv werden. Riechstörungen können neuen Ergebnissen zufolge auch ein frühes Symptom für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer sein. Schätzungen zufolge leiden 15 Prozent der Bevölkerung unter Riechstörungen – 5 Prozent nehmen gar keine Gerüche mehr wahr (Anosmie, Anm.).

Die Gehirnforscherin Veronika Schöpf versucht im Rahmen eines Projekts an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik der MedUni Wien herauszufinden, ob sich die Lebensqualität verbessern lässt, wenn der Geruchssinn mithilfe eines Riechtrainings gestärkt wird: „Wir gehen davon aus, dass Menschen ihren Geruchssinn, den sie etwa aufgrund eines Schnupfens oder einer Nasennebenhöhlenentzündung verloren haben, wieder trainieren können.“ Im Rahmen einer Studie ist sie noch auf der Suche nach Patienten mit Riechstörungen.

Testverfahren

In einem mehrteiligen Testverfahren wird zunächst herausgefunden, ob eine Riechstörung vorliegt. Schöpf: „Man kann selbst nur schwer beurteilen, ob man gut oder schlecht riechen kann.“ So muss man etwa an einem Riechstick schnüffeln und erkennen, ob es sich bei dem Duft um Vanille oder Zimt handelt. Der darauffolgende Schwellentest findet heraus, ab welcher Konzentration man den Geruch wahrnehmen kann. Nicht zuletzt wird auch der Geschmackssinn getestet.

„Es passiert fast nie, dass der Geruchs- und der Geschmackssinn verloren gehen. Selbst bei einem Schnupfen schmeckt das Essen zwar weniger, aber der Geschmackssinn erfasst sowieso nur, ob etwas süß, bitter, salzig, sauer oder nach umami (Fleisch, Anm.) schmeckt. Der Geruchssinn gibt die restliche Färbung des Geschmacks.“

Für das Gesamterlebnis eines Geruches seien ohnehin fast alle Sinne nötig: „Es gibt nicht ein einzelnes olfaktorisches Zentrum im Gehirn. Wenn ich eine Erdbeere sehe, rieche und anfasse, ist das Gesamterlebnis toller als wenn ich einen Teil weglasse. Ich brauche für das Gesamterlebnis eines Geruches alle Teile.“

Rezeptoren

Im Gegensatz zu den Stäbchen und Zäpfchen im Auge, die dafür sorgen, dass ein Bild für alle gleich aussieht, hat jeder andere Geruchs-Rezeptoren. „Jede Nase schaut nicht nur äußerlich unterschiedlich aus, sondern auch von innen. Zwar nehmen wir alle die Banane als Banane wahr, aber der Geschmack könnte für jeden anders sein. Daher ist immer die Frage, ob man den Geruch mag oder nicht.“ In der Wirtschaft werden allgemein angenehme Düfte hingegen bewusst genutzt: der Geruch nach frischem Brot in der Bäckerei oder der Geruch eines neuen Autos. „Es ist ja auch schon vielen passiert, dass ein Parfum daheim dann anders gerochen hat. Es ist immer gut, ein Parfum zuerst auf Papier zu testen und nicht auf der Haut oder auf Stoff“, empfiehlt Schöpf.

Im Rahmen der Studie will die Gehirnforscherin mithilfe diverser Messmethoden herausfinden, „was bei der Verarbeitung von Gerüchen passiert und was passiert, wenn der Geruchssinn verloren geht.“ Beim Riechtraining müssen die Patienten über 12 Wochen morgens und abends an bestimmten Fläschchen riechen. „Wir nehmen für das Training natürlich nur Gerüche, die die Patienten mögen.“

Info: Für die Studie am AKH Wien in der Abteilung für Neuroradiologie werden noch Teilnehmer gesucht. Mit Frauen und Männern ab 20 Jahren, die ihren Geruchssinn verloren haben, wird eine neue Therapieform zur Verbesserung des Riechvermögens getestet. Bei Interesse oder Fragen bitte eine eMail an anosmiestudie[a]gmail.com

(Kurier) Erstellt am 23.02.2013, 08:00

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