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KURIER
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Letztes Update am 13.12.2012, 15:41

Erfolg durch neue Leukämie-Therapie. Die Geschichte eines siebenjähriges Mädchens sorgt weltweit für Aufsehen. Veränderte HI-Viren heilten ihre Leukämie.

Unser Herz ist bei euch. Gott segne euch.“ – „Das ist wunderbar, so wunderbar.“ – „Danke, dass ihr diese wunderbare Geschichte mit uns teilt.“ Auf der Facebook-Seite „Prayers (Gebete) for Emily (Emma) Whitehead“ treffen derzeit unzählige Glückwünsche aus aller Welt ein: Das siebenjährige Mädchen aus Pennsylvania erkrankte 2010 an Akuter Lymphatischer Leukämie – der KURIER berichtete in einem Teil der Donnerstag-Ausgabe. Zwei Chemotherapien blieben erfolglos, die Leukämie kam jedes Mal zurück.

Daraufhin setzten die Ärzte vom Kinderspital von Philadelphia im April eine experimentelle Therapie ein: Abwehrzellen (T-Zellen) wurden dem Körper entnommen . Mit veränderten und ungefährlich gemachten HI-Viren (den Aids-Erregern) wurden neue Gene in die Abwehrzellen eingebracht, die es ihnen ermöglichen, die Leukämie effektiv zu bekämpfen.


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Emily Whitehead - Foto: Whitehead
„Mit einem veränderten HI-Virus wurde die eigene Abwehr so stimuliert, dass Leukämiezellen erkannt und abgetötet werden können“, sagt Doz. Georg Mann, stv. ärztlicher Direktor des St.-Anna-Kinderspitals in Wien. „Doch ich warne vor zu frühen Hoffnungen: Diese Methode ist noch weit weg von einer routinemäßigen Anwendung. Das Wundermittel gibt es noch nicht und auch diese neue US-Therapieform kann nur in ganz speziellen Fällen eingesetzt werden.“

Laut den behandelnden Ärzten sind bei Emily derzeit keine Anzeichen einer Leukämie zu finden – „aber das Wort Heilung trauen wir uns noch nicht in den Mund zu nehmen“, sagt der Immunologe Carl June, Leiter des Forscherteams an der Universität von Pennsylvania.

Erst zwölf Patienten (darunter zehn Erwachsene) wurden mit dieser experimentellen Methode behandelt: Bei drei von ihnen gibt es keine Krankheitsanzeichen mehr, bei zwei seit mehr als zwei Jahren. Bei vier Patienten kam es zu gewissen Verbesserungen, bei weiteren zwei wirkte die Therapie überhaupt nicht. Das zweite bisher behandelte Kind erlitt einen Rückfall.

Alternativen

„Wir wenden in Wien Verfahren an, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren“, sagt Mann. So laufe eine Studie mit einem neuen Antikörper, der je ein Merkmal von Leukämie- und von Abwehrzellen erkennt, beide kurzschließt und die Abwehrzellen so trainiert, gegen die Leukämie aktiv zu werden.

„Wir haben heute bei der Leukämie bei Kindern mit der Chemotherapie sehr gute Erfolge“, sagt Mann. Die Therapie ist sicher, hat aber häufig Nebenwirkungen. Nur bei einem schweren Krankheitsverlauf wird heute schon eine Therapie zur Aktivierung des Immunsystems eingesetzt – die Transplantation von Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark. „Unsere Hoffnung ist, mit neuen Immuntherapien für diese schweren Krankheitsverläufe eine zusätzliche Option zu haben. Gleichzeitig aber könnten solche Therapien Alternativen zur Chemotherapie mit weniger Nebenwirkungen werden.“

„Emily geht es recht gut“, schreiben ihre Eltern Kari und Tom auf ihrer Homepage. Sie erhält derzeit Antibiotika gegen eine Infektion mit einem Spitalskeim. Emily – seit ihrem Kampf gegen die Leukämie möchte sie lieber Emma genannt werden – kann auch wieder in die Schule gehen. Und sie findet es „ziemlich cool“, in einem dreiminütigen Dokumentarfilm des britischen Oscar-Preisträgers Ross Kauffman gleichsam die Hauptrolle zu spielen. Kari und Tom Whitehead: „Wir bedanken uns für die Gebete aus der ganzen Welt. Wir hoffen, dass in Zukunft auch andere Kinder von dieser neuen Therapie profitieren werden.“

Heilung bei 80 bis 90 Prozent der Kinder

Leukämie: Bedeutet „weißes Blut“. Die Zahl der weißen Blutkörperchen im Blut ist stark erhöht. Leukämien gehen vom Knochenmark oder vom lymphatischen System aus. Akute Leukämien entwickeln sich rasch, chronische haben einen langsameren Verlauf. Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern.

Therapien: Jährlich erkranken in Österreich rund 60 Kinder an ALL. Mit Chemotherapie werden heute 80 bis 90 % der Patienten geheilt. Bei schlechten Krankheitsverläufen und bei Rückfällen werden zusätzlich Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem Blut transplantiert – in vielen Fällen kommt es dann ebenfalls zur Heilung.

(KURIER) Erstellt am 13.12.2012, 15:41

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